Bogotá - Ein Kolumbianer hat während eines Telefongesprächs den Tod seiner Freundin mitverfolgen müssen. Die junge Frau befand sich an Bord eines Busses, der von einer Schlammlawine in einen Fluss gerissen wurde - dabei telefonierte sie mit ihrem Partner.
"Sie sagte mir, dass die Wassermassen immer höher kämen und den Bus mitreißen würden." Sie habe noch: "Mein Geliebter, ich liebe dich" gerufen, dann sei die Telefonverbindung abgerissen, zitierte die Zeitung "El Tiempo" am Freitag den jungen Polizisten. Der 19-Jährige wartete verzweifelt vor dem Krankenhaus der Stadt Manizales. Dort musste er seine Freundin, eine 18-jährige Studentin, identifizieren.
Der Bus war am Mittwoch auf dem Weg aus der Hauptstadt Bogotá in die 280 Kilometer weiter westlich gelegene Hauptstadt der Provinz Caldas, Manizales, mit 20 Menschen an Bord verunglückt. 16 Tote konnten zunächst geborgen werden, nach den anderen suchten etwa hundert Helfer.
Heftige Regenfälle, die den Erdrutsch ausgelöst hatten, behinderten die Sucharbeiten. Retter schlossen aus, dass die Vermissten das Unglück überlebt haben könnten. Augenzeugen berichteten, sie hätten den Bus noch in den Wassermassen schwimmen gesehen. Die Passagiere hätten ihre Arme in Panik aus den Fenstern gestreckt.
Die Regenzeit in Kolumbien hat Anfang April begonnen. Seitdem starben landesweit bereits 45 Menschen durch Erdrutsche und Überschwemmungen. Die Behörden befürchten eine Wiederholung der Unwetter des vergangenen Jahres, als das südamerikanische Land von den schlimmsten Regenfällen seit Jahrzehnten heimgesucht worden war. Es gab mehr als 300 Tote, und 2,2 Millionen Menschen wurden zeitweise obdachlos oder verloren ihr Hab und Gut.
jok/dpa
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