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Äußerung zu Gewalt in der Erziehung: Der Papst hat einen Hau

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Papst Franziskus: "Der Vater hat einen Sinn für die Würde"

Ein Mann erzählt dem Papst, dass er seine Kinder manchmal "ein bisschen" schlage. Was sagt Franziskus? "Wie schön." Das ist ein wahrer Schlag ins Gesicht.

Ein Freund war mit einem Paar in einem Ferienhaus, das Paar hatte ein Baby. Nachts wachte er auf, er hörte das Baby im Zimmer nebenan schreien und zwischendurch immer wieder einen dumpfen Schlag. Am nächsten Morgen erzählte der übermüdete Vater, er habe das Kind im Arm gewiegt. Und in seiner Schlaflosigkeit mit dem Fuß immer wieder mal gegen die Wand getreten. Die Aggressivität musste irgendwohin. Oben Ruhe und Zuwendung für das Kind, unten der Blitzableiter.

Es ist ja so: Alle Eltern kennen diese Situationen, in denen sie eine Aggressivität ergreift, die die meisten wohl vorher an sich für unmöglich hielten. Im Babyalter ist es meist der fehlende Schlaf, später dann das trotzende Kind: Es will nicht, wie es soll, es weigert sich, die Jacke anzuziehen, und brüllt gegen den Willen der Eltern an. Man argumentiert, fängt mit Wenn-dann-Spielchen an ("Wenn du jetzt Zähne putzt, haben wir doch viel mehr Zeit zum Vorlesen") - während das Brüllen nur lauter wird. Später dann die Pubertät - auch kein Spaß. Aggressivität macht hilflos.

Die zwei Lektionen der Gewalt

Die Krux ist, dass vernünftige Argumente bei Kindern oft keine schnelle Wirkung zeigen, dass sie Kindern oft egal sind. Es ist dem Kind aber nicht egal, wie die Eltern mit ihm und seiner Willensäußerung umgehen.

Wer in solchen Momenten das Kind für einen Moment grob angeht, erntet bei anderen Eltern wahrscheinlich Kritik, kann aber auch mit ein wenig Verständnis rechnen. Das Verständnis darf aber nie so weit gehen, dass eine Gewaltausübung - welcher Art auch immer - gutgeheißen wird. Gewalt birgt zwei Lektionen für das Kind: Wenn ich meinen Willen äußere, riskiere ich körperliche Züchtigung. Und: Gewalt ist ein Mittel zur Konfliktbewältigung.

In den beschriebenen Situationen ist vor allem eines gefragt: Geduld. Die hat Papst Franziskus selbst angesprochen, als er in dieser Woche während einer Generalaudienz auf die Rolle des Vaters zu sprechen kam. "Ein guter Vater muss geduldig sein", sagte er. Dann aber folgte die Entgleisung: Ein Vater müsse auch wissen, wie man "korrigiert, ohne zu erniedrigen".

Franziskus erzählte dazu eine Anekdote: Einmal habe er einen Vater sagen hören: "Manchmal muss ich meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu erniedrigen." Er selbst habe geantwortet: "Wie schön, er hat einen Sinn für die Würde. Er muss bestrafen, er tut es auf gerechte Weise, und von dann geht es weiter."

Wie schön? Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Eltern, die gewaltfrei erziehen, die sich nicht einmal erlauben, ihr Kind anzuschreien. Das gilt umso mehr, wenn damit nicht die affektive, sondern die bewusste Gewaltanwendung als Mittel zur Erziehung gemeint ist.

Sanktionen ja, Gewalt nein

Da hilft auch keine Relativierung. Es mag für das Kind weniger schmerzhaft sein, auf den Hintern geschlagen zu werden als ins Gesicht. Die Lektionen sind dieselben. In dem landläufigen Spruch "ein Klaps auf den Hintern hat noch keinem Kind geschadet" drückt sich ein Machismo aus, manchmal bestimmt auch eine Selbstrechtfertigung von Eltern, die sich der gewaltfreien Erziehung verweigern. Franziskus selbst soll seine Worte mit einer Geste begleitet haben, als gebe er jemandem einen Klaps auf den Hintern. Gewalt gegen Kinder aber darf nicht relativiert werden.

Wenn Erwachsene gegen Kinder Gewalt anwenden, ist das Machtmissbrauch. Eine Erniedrigung des Kindes. Dass der Papst einen Vater bestärkt, nur weil er sein Kind nicht ins Gesicht haut, ist unsäglich. Dass er dies würdevoll und gerecht nennt, ist unfassbar. Wenn ein Erwachsener ein Kind schlägt, verletzt er dessen Würde. Ein wichtiges Ziel von Erziehung ist, dass das Kind lernt, dass nur es selbst über seinen Körper bestimmen darf. Wer sein Kind schlägt, lehrt das Gegenteil.

Eltern müssen bestrafen, wenn man dieses Wort wählen will, ja. Aber niemals mit Gewalt. Sie müssen Sanktionen wählen, die mit dem Auslöser zu tun haben, sodass Kinder etwas lernen: Mein Handeln und meine Entscheidungen haben Folgen. Wenn ein Kind einmal im Schlafanzug durch die Kälte in den Kindergarten gegangen ist, weiß es, warum es sich besser anziehen sollte. Manchmal ist es sogar sinnvoll, dem unsinnigen Willen eines Kindes nachzugeben.

Der populistische Papst

Wenn man es gut meint mit diesem Papst, kann man sagen: Er spricht eben spontan, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Das macht ihn ja so volksnah, man lege nicht jedes Wort auf die Waagschale. Dagegen spricht seine Verantwortung: Er ist für Millionen Menschen eine moralische Leitfigur.

Es gibt inzwischen aber auch genug Gründe, ihm einen ausgeprägten Hang zum Populismus zu unterstellen, wenn es um die Lebenswelt der Gläubigen geht. Während er in Sachen Reform der Kurie gerne den liberalen Revolutionär gibt, ist ihm mit Äußerungen wie jenen zur Erziehung der Applaus von Konservativen sicher, die nicht nur unter Italiens Katholiken zahlreich vorhanden sind.

Die Aggressivität von Eltern darf kein Tabuthema sein, nur durch die offene Auseinandersetzung werden sie bestärkt, mit ihr richtig umzugehen. Doch Äußerungen wie die des Papstes führen dazu, dass sich jene bestätigt fühlen, die an der Aufgabe scheitern, Gewalt bedingungslos abzulehnen. Oder noch schlimmer: die es nicht einmal als Aufgabe sehen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 438 Beiträge
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1.
hschmitter 06.02.2015
Vatikan eben. Als moralische Instanz seit Jahrhunderten verschlissen.
2. Hilflosigkeit macht aggressiv
dufte 06.02.2015
Nicht umgekehrt
3. Ach Gott..
ulrich g 06.02.2015
... da werden Worte mal wieder auf die Briefwaage gelegt. Meine Generation (40er) ist mit einem Klaps hie und da aufgewachsen, geschadet uns das nicht. Ob der heutigen Generation die "Klapsfreiheit" gut bekommt wird sich erst noch herausstellen.
4. Ein Pabst ist auch nur ein Mensch!
toybob 06.02.2015
Ich stimme Ihnen zu, dass Gewalt gegen Kindern kein Mittel zur Erziehung ist, auch ich lehne dies ab! Ich bin selbst kein christlicher Mensch und sehe den Pabst für mich nicht als Leitfigur an! Trotzdem muss ich an dieser Stelle bemerken, dass auch ein Pabst nur ein Mensch ist, der von Kindheit an von seiner soziokulturellen Herkunft und Erziehung die er erlebt hat, geprägt ist! Jeder Mensch hat Schwächen und macht Fehler, daher sollten wir aufhören zu polarisieren oder andere öffentlich zu verurteilen ohne dass wir die kleinen Details kennen!
5. Es hat noch nie geschadet....?
spon-1246174521178 06.02.2015
Ich habe Kinder nicht geschlagen- und, hat das vielleicht was genützt?- Eventuell hat es Schaden getragen,- hätten mich sonst besser gestützt ?- Wie macht man das so wieder gut,- hallo Franziskus, was sagst dazu ?- Kein Schlag mit Würde, ohne Mut,- gibt`s dafür noch himmlische Ruh`?- Wo steht dieses denn im Bibeltext,- bei Moses, in dem Alten Testament?- Es fährt eine Hand aus, demnächst,- mit Würde, aber ziemlich vehement?- Die Evolution hat keine Erklärung,- bei Darwin ist noch nichts zu lesen.- Man fragt sich, im Sinne der Gärung- von Gedanken, nur ein alter Besen ?- Irgendwo sagt das stets wer immer,- zur Beruhigung eigenen Gewissens:- „Es wäre ohne Schläge schlimmer,- tat`s zum Wohl, besten Gewissens !
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