Streit über Kommunion Magdeburger Bischof kritisiert den Papst

"Wunden sind neu aufgebrochen": Bischof Feige aus Sachsen-Anhalt hat sich in den Streit über die Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion zu Wort gemeldet. Das dürfte dem Papst nicht gefallen.

Bischof Gerhard Feige (Archivfoto)
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Bischof Gerhard Feige (Archivfoto)


Dürfen protestantische Ehepartner von Katholiken an der Kommunion teilnehmen? In der katholischen Kirche ist darüber ein Streit entbrannt. Jüngst sprach sich Papst Franziskus gegen die Teilnahme aus. Damit stellte er sich gegen einen Beschluss, den die Deutsche Bischofskonferenz im Februar mit Dreiviertelmehrheit getroffen hatte.

Dafür muss sich das Kirchenoberhaupt nun deutliche Kritik anhören. Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige, Vorsitzender der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, hat einen Text veröffentlicht, in dem er die Haltung des Vatikan kritisiert und von einer "unsäglichen Entwicklung" spricht.

Nach einem Gespräch im Vatikan hatte es Anfang Mai zunächst geheißen, die deutschen Bischöfe sollten eine "möglichst einmütige Regelung" finden. Etwa einen Monat später kam dann die Ansage aus Rom. Dieser Ablauf sei ihm "völlig unverständlich", so Feige.

"Die Enttäuschung ist bei vielen groß, der Schaden noch nicht abzusehen. Wunden sind neu aufgebrochen. Verbitterung und Resignation machen sich breit", schreibt Feige. Der Vatikan hatte seine Ablehnung damit begründet, Franziskus sei der Auffassung, das von der Bischofskonferenz verabschiedete Dokument - eine Handreichung zum Kommunion-Empfang konfessionsverschiedener Partner - sei "nicht zur Veröffentlichung reif".

Das war auch überraschend, weil der Papst seit seinem Amtsantritt die Linie verfolgt, dass nicht jede Entscheidung der Ortskirchen von Rom abgesegnet werden muss. Wer an der Kommunion teilnehme, berühre aber nicht nur das Kirchenrecht; es sei auch ein Thema, "das den Glauben der Kirche berührt und von weltkirchlicher Relevanz ist", hieß es aus dem Vatikan.

Tiefe Spaltung

Feige zufolge hätte empfohlen werden sollen, protestantische Ehepartner "im Einzelfall unter besonderen Umständen nach geistlicher Beratung und individueller Gewissensentscheidung" zur Kommunion zuzulassen. Das sei jedenfalls redlicher als die "Doppelmoral", höchste Ansprüche zu formulieren, gleichzeitig aber von unzähligen Ausnahmen zu wissen.

Tatsächlich ist es in der Praxis längst üblich, dass Ehepartner mit unterschiedlicher Konfession in der Messe gemeinsam zur Kommunion gehen. Offiziell ist dies aber nicht erlaubt. Die Bischofskonferenz wollte heraus aus dieser Grauzone und hatte deshalb die "Handreichung" erarbeitet, die genau beschreibt, in welchen Ausnahmen auch protestantische Ehepartner zur Kommunion zugelassen werden dürfen.

Feiges Kritik dürfte auch jenen sieben deutschen Amtskollegen gelten, die sich gegen den Beschluss der Bischofskonferenz gestellt hatten. Sie hatten unter Federführung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki den Vatikan eingeschaltet.

Das zeigte bereits eine tiefe Spaltung innerhalb der Bischofskonferenz. Feiges Worte machen nun deutlich, dass er die Debatte auch als Machtkampf wertet, in dem keinesfalls nur Glaubensfragen eine Rolle spielen: "Schließlich ist aber auch davon auszugehen, dass in dieser innerkatholischen Auseinandersetzung nicht allein Glaubens- oder Denkwelten aufeinanderstoßen, sondern auch handfeste Interessen und unschöne Methoden im Spiel sind."

ulz



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