Konzert in Jena 50.000 rocken gegen Rechts

Für den Kampf gegen den rechten Terror haben Rocker Udo Lindenberg und sein Duzfreund Sigmar Gabriel ihre Kumpel zusammengetrommelt: So standen am Freitagabend unter anderem Jürgen Trittin, Peter Maffay und Clueso auf der Bühne, um mit 50.000 Menschen in Jena zu feiern.

DPA

Jena - Natürlich hat Udo Lindenberg genuschelt, als er am Freitagabend auf der Bühne im Jenaer Paradiespark stand: "Wir werden den braunen Spuk, den braunen Terror beenden", sagte der 65-Jährige. Erst vor zwei Wochen hatten die Planungen für das Benefizkonzert begonnen. "Dolles Ding", sagte Lindenberg, "dass alles in Rekordzeit auf die Beine gestellt wurde".

Und so feierten am Abend 50.000 Menschen unter freiem Himmel: Studenten, Familien mit Kindern, Politiker und Initiativen gegen Rechts. Denn in den vergangenen Wochen hat Jena vor allem negative Schlagzeilen gemacht, spielt die Stadt doch eine zentrale Rolle in den Ermittlungen gegen die rechtsextreme Terrorzelle: Das Trio Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos stammt aus Jena und war dort aktiv, bevor es 1998 untertauchte.

Man müsse ein Zeichen setzen, dass die Nazis nicht die Mitte der Gesellschaft übernehmen könnten, sagte Lindenberg am Freitagabend. Und sein Duzfreund, SPD-Chef Sigmar Gabriel, ergänzte: "Dieser rechte Terror geht nicht gegen Ausländer oder Türken, sondern gegen die gesamte deutsche Gesellschaft."

"Für meine Generation ist Osten eine Himmelsrichtung"

Gemeinsam hatten die beiden die Idee zu dem Konzert mit dem Titel "Rock 'n' Roll-Arena Jena - Für die bunte Republik Deutschland". Sie holten dann noch Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD), Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) und den Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin, ins Boot.

Auf der Bühne standen neben Lindenberg Künstler wie Julia Neigel, Clueso, die Band Silly und Peter Maffay. Sie alle verzichteten auf ihre Gage. "Das Konzert ist wichtig, weil Jena ein Brennpunkt rechtsextremer Aktivitäten ist", hatte Maffay zuvor im Interview mit SPIEGEL ONLINE gesagt. Der Erfurter Clueso forderte auf der Bühne den Kampf gegen rechte Gewalt: "Für meine Generation ist Osten eine Himmelsrichtung."

Seit zehn Uhr morgens waren mehrere Hundertschaften der Polizei unterwegs, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. "Wir haben keinerlei Störungen oder Auseinandersetzungen. Alles war ruhig", sagt eine Polizistin. Das Festival kostete 320.000 Euro, das Land Thüringen beteiligt sich mit 75.000 Euro, den größten Teil trägt aber die Stadt Jena.

Kampf gegen braune Parolen

Der Titel der Veranstaltung wurde nicht zufällig gewählt: Schon vor 35 Jahren hatte Lindenberg den Song "Rock'n'Roll-Arena in Jena" geschrieben - womit er damals die Ost-Funktionäre aufrief, ihm "in der DDR 'ne Panik-Tournee" zu erlauben. In Jena hatte er das Lied bisher noch nie live vorgetragen. Für das Konzert am Freitag wartete er nun sogar mit neuem Text auf: "Ihr seid doch damals von Leipzig bis Jena gezogen, um dieses Land zu befrein und nicht um euch neue Kriminelle da reinzuholen, die jetzt die alten braunen Parolen schrein."

Lindenberg setzt sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus ein. 1998 half er im traditionsreichen Weimarer Hotel "Elephant", die einstige Hitler-Suite mit Aquarellen und Lithografien umzugestalten. In den Räumen hatte Adolf Hitler bei seinen Aufenthalten in Weimar logiert. Nachdem es deswegen immer wieder Anfragen aus der rechten Szene gegeben hatte, sei es auf diesem Wege gelungen, die Suite 100 zu entmystifizieren, sagte Hotel-Sprecherin Andrea Dietrich.

"Der Kampf für unsere Demokratie muss weiter gehen, auch nach dem Konzert", sagte Lindenberg am späten Freitagabend. Und rief die Zuhörer auf: "Seid wachsam, auch in den Dörfern, in kleinen Orten."

aar/dpa/dapd

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 80 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tom2559 03.12.2011
1. Endlich,
Endlich hat die demokratische Mehrheit in Deutschland den braunen Dumpfbacken der NPD und Ihren mordenden Terroristen mit ca. 50000 Bürgern aus Jena eindrucksvoll gezeigt, dass die Nazis mit ihren volksdümmlichen idiotischen und menschenverachtenden Parolen in diesem Land keine Mehrheit haben. Jetzt muss endlich ein NPD Verbot erfolgen.
TimoS. 03.12.2011
2. .
Oh Gott, jetzt müssen die Ossis auch so einen Mist über sich ergehen lassen. Ich kann mich noch an meine Schulzeit Mitte der 90er Jahre erinnern. Man musste selbst in einem ghettoisierten Ballungszentrum an solchen Veranstaltungen teilnehmen. Freitag vom Migranten ausgeraubt, Samstag vom Migranten mit dem Messer bedroht und am Montag ging es dann mit der ganzen Klasse auf die "Anti-Rechts-Demo" samt Konzert, wo die 68er-Zöglinge und Ärztekinder auftrumpfen und die Guten spielen konnten. Wer das dann nicht gut fand, wurde öffentlich diffamiert, ausgegrenzt und "zur Rede gestellt"...das, was Deutsche eigentlich am besten können. Letztendlich geht es hier nicht um Politik, sondern darum, das in diesem Land Andersdenkende, Andersaussehende, Andershandelnde und sich Andersgebende im Allgemeinen nicht akzeptiert werden. In dieser Republik ist der Langhaarige eine Zecke und der adrett gekleidete Mitteleuropäer mit der Aktentasche ein Kapitalist, im schlimmsten Fall ein Nazi. Neid und Vorturteile auf beiden Seiten. Und in der Zone ist diese fürchterliche Mentalität eben noch stärker ausgeprägt als im Westen. Ich spreche da leider aus Erfahrung.
HighFrequency 03.12.2011
3. .
Zitat von sysopFür den Kampf gegen den rechten Terror haben Rocker Udo Lindenberg und sein Duz-Freund Sigmar Gabriel ihre Kumpel zusammengetrommelt: So standen am Freitagabend unter anderem Jürgen Trittin, Peter Maffay und Clueso*auf der Bühne, um mit 50.000 Menschen*in Jena zu feiern. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,801447,00.html
Das braune Verbrechen ist doch nur ein Symptom. Die dahinterliegende Ursache ist das perverse Wirtschaftssystem und die daraus resultierende kranke Gesellschaft. Dagegen anmusizieren zu wollen, ist nicht nur ein hilfloses Unterfangen, sondern auch zutiefst verlogen, weil dadurch nur ein bisschen Tünche auf die grundlegende Misere aufgebracht wird.
cheguevara73 03.12.2011
4. und
Zitat von sysopFür den Kampf gegen den rechten Terror haben Rocker Udo Lindenberg und sein Duz-Freund Sigmar Gabriel ihre Kumpel zusammengetrommelt: So standen am Freitagabend unter anderem Jürgen Trittin, Peter Maffay und Clueso*auf der Bühne, um mit 50.000 Menschen*in Jena zu feiern. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,801447,00.html
wann rocken sie für mehr soziale (werte) gerechtigkeit? wann rocken sie für mensch und weniger ausbeutung durch finanz- und bankenwelt? wann rocken sie für unser kinder aus armen familien, die keine gleiche bildungschancen haben? events ohne nachhaltigkeit, nur der unterhaltung wegen. danach gehen alle nach hause und leben wie bisher ohne veränderungen. genau wie s21 ein medienwitz für hr. gabriel/ tritin und co. rechts bekämpft man nicht durch solche witzveranstaltungen, rechts bekämpft man durch werte, die man innerhalb der gesellschaft verkörpert und vorlebt. aufklärung in der schule == mehr bildung. hier werden doch nur symptome bekämpft, die ursachen bleiben weiter unterm teppich und die verantwortung wird weiter von a nach b und dann nach c geschoben.
horstbier 03.12.2011
5. Kampf den braunen Verbrechern
Zitat von sysopFür den Kampf gegen den rechten Terror haben Rocker Udo Lindenberg und sein Duz-Freund Sigmar Gabriel ihre Kumpel zusammengetrommelt: So standen am Freitagabend unter anderem Jürgen Trittin, Peter Maffay und Clueso*auf der Bühne, um mit 50.000 Menschen*in Jena zu feiern. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,801447,00.html
Dank allen Politikern und Künstlern, die sich gemeinsam mit dem Publikum und der absoluten Mehrheit im Deutschen Volk, gegen diesen Dreck stemmen. Leider konnte ich keinen bekannten CDU Politiker auf dieser wichtigen Veranstaltung sehen. Aber lieber einen nuschelden Udo erleben, als keinen ehrlichen Widerstand aus dem Konservativen Lager. Bleibt zu hoffen, das die Bundesanwaltschaft gewillt ist, die braunen Verbrechen aufzuklären. Eine Überprüfung des Verfassungsschutzes und Teilen der Polizei scheint dringend erforderlich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.