Duisburger Sportverein Mit Kopftuch kein Tanz

Eine Frau will mit ihren Töchtern zu einem Sportverein in Duisburg. Doch wegen ihres Kopftuchs wird sie am Eingang weggeschickt. Der Verein wird nun wüst beschimpft - und der Staatsschutz ermittelt.

Frau mit Kopftuch (Symbolbild)
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Frau mit Kopftuch (Symbolbild)

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Eigentlich wollten sie nur zu einem Tanzkurs. Deswegen ging eine Frau mit ihren beiden Töchtern zu einem Duisburger Sportverein. Doch an der Rezeption wurde sie von einer Mitarbeiterin abgewiesen. Der Grund: Sie trägt ein Kopftuch.

Der Fall, über den zuerst die "WAZ" berichtet hatte, schlägt seit Tagen Wellen im Netz. Vor allem bei Facebook. Ein Verein mit ähnlichem Namen sah sich angesichts zahlreicher Nachrichten zu einer Klarstellung genötigt: Es handle sich um einen anderen Verein.

Der Vorfall ereignete sich am Eingang des "BSF Hamborn 07 Top Fit", wie dessen geschäftsführender Vorsitzender Udo Salzburger auf Anfrage bestätigt. Die Frau habe ihre beiden Töchter zu einer Schnupperstunde in einem Tanzkurs für Kinder unter zehn Jahren bringen wollen. An der Rezeption habe eine Mitarbeiterin ihr gesagt, dass zwar ihre Töchter, die kein Kopftuch getragen hätten, teilnehmen könnten. Die Mutter jedoch dürfe die Anlage wegen ihres Kopftuchs nicht betreten.

Die Frau brach daraufhin in Tränen aus, wie Salzburger bestätigt. Zur "WAZ" hatte die 29-Jährige gesagt: "Wie soll man das einer Vier- und einer Sechsjährigen erklären?" Sie ärgerte sich demnach über ihre eigenen Tränen, da man als Mutter doch stark sein müsse. Seit dem Vorfall fühle sie sich stigmatisiert.

Salzburger zufolge habe ein Vorstandsmitglied ihr vor Ort die Satzung erklärt. Darin heißt es: "Der Verein hat zur Aufgabe, nach dem Grundsatz der Freiwilligkeit und unter Ausschluss von parteipolitischen, konfessionellen, beruflichen, rassischen und militärischen Gesichtspunkten den Sport zu fördern."

Salzburger leitet aus diesem Passus ein Verbot religiöser Symbole ab. "Wir sind religiös absolut neutral", sagt er. Wer solche Symbole trage, dürfe keinen Sport beim BSF Hamborn machen. Dass die Frau offenbar nur ihren Kindern beim Tanzen zusehen wollte, lässt er nicht gelten: "Das spielt keine Rolle, sie betritt die Sporthalle mit einer religiösen Darstellung."

Kein Sport mit Kippa

Das Verbot gelte für alle Konfessionen: Heute sei etwa ein Mann mit Kippa gebeten worden, die Kopfbedeckung abzunehmen. Der Sportler habe es eingesehen. Salzburger berichtet von einem Priester, der auch nicht im Talar käme. Und vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr habe man Sportler gebeten, T-Shirts mit Parteilogos auszuziehen.

Gleichwohl - und das gesteht auch Salzburger ein - trifft das Verbot in der Regel Muslime. Man habe es nur selten anwenden müssen, dann aber fast immer bei Menschen islamischen Glaubens.

Bernhard Franke ist Vizechef der Antidiskriminierungsstelle des Bunds. Der Jurist hält die Regelung für zulässig: "Im Hinblick auf die Rechtsprechung ist eine weltanschauliche Neutralität möglich - wenn sie für alle Konfessionen gilt", sagt er. Er verweist auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom März 2017.

Als "Ersatzhitler" bezeichnet

Das Gericht hatte damals entschieden, dass eine ähnliche Regelung eines belgischen Unternehmens erlaubt sei. Dort war es Arbeitnehmern verboten, "sichtbare Zeichen ihrer politischen, philosophischen oder religiösen Überzeugungen zu tragen". Eine Frau mit Kopftuch hatte dagegen geklagt.

Salzburger sagt inzwischen, man hätte sensibler mit der Sache umgehen können. Das habe er auch den Mitarbeitern gesagt.

Dass die Mutter vor den Augen ihrer Töchter weggeschickt worden ist, hat zu heftigen Reaktionen geführt. Salzburger berichtet, im Netz als "Ersatzhitler" bezeichnet worden zu sein. Im Verein seien Drohanrufe eingegangen. "Wir werden den Vorstand wegknallen" soll jemand am Telefon gesagt haben. Die Duisburger Polizei bestätigt auf Anfrage, dass der Staatsschutz wegen mehrerer Bedrohungen ermittle, die in den sozialen Netzwerken und am Telefon ausgesprochen worden seien.

Salzburger betont, dass man im Verein muslimische Mitarbeiter und Trainer habe. Man habe rund 3600 Mitglieder, darunter mehr als 200 Kinder unter zehn Jahren. Die Hälfte von ihnen sei muslimischen Glaubens.



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