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Kosmetische Operationen: Wie man eine chirurgische Marktlücke entdeckt

Von Gunda Trepp

Brustvergrößerungen sind out - was Frauen in den USA dagegen zunehmend bei Schönheitschirurgen nachfragen, ist die sogenannte Vaginalverjüngung. Ein Eingriff, dessen Sinnhaftigkeit fraglich erscheint - und dessen Risiken die Ärzte herunterspielen.

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Weiblicher Unterleib: "Die Muskeln können halt erschlaffen"

San Francisco - Was seinen Beruf anbelangt, ist David Matlock mit Inbrunst bei der Sache. Der Gynäkologe und Schönheitschirurg geht jeden Montag, Mittwoch und Donnerstag in den Operationssaal, um in der - wie es in den USA so schön heißt - "intimsten Zone" seiner Patientinnen ein wenig Ordnung zu schaffen.

Matlock stutzt mittels Laserstrahl Schamlippen, näht Vaginas bis auf kleine Schlitze zusammen, oft strafft er auch die Haut um die Klitoris - immer, wie er sagt, den "eindringlichen Bitten" seiner Kundschaft folgend.

Unter Matlocks Patientinnen sind Teenager, die mit 15 Jahren von ihren Müttern in die Praxis gebracht werden, 40-Jährige, die finden, ihre Vagina sei nach den Geburten ihrer Kinder "ausgeleiert", und 30-Jährige, die mit einem "Playboy" in der Hand zu dem Arzt kommen, um ihm zu zeigen, wie sie nach dem Eingriff aussehen wollen.

Keine kosmetische Operation liegt in den Vereinigten Staaten derzeit so im Trend wie die sogenannte Vaginalverjüngung - die jährliche Zuwachsrate liegt bei mehr als 30 Prozent. 2008 wurden rund 3500 Patientinnen gezählt, 2010 werden es nach bisherigen Berechnungen um die 7000 werden.

David Matlock redet über die einzelnen Eingriffe wie ein Mentor über seine Schützlinge. Er ist der Guru des Marktes. Sein Erfinder. Dabei, sagt er, hatte er bei der ersten Operation vor 14 Jahren keine Ahnung, wie sehr er den Frauen "einmal helfen würde".

Damals, erzählt er, habe er die Vagina seiner 34-jährigen Patientin Susie nur verengt, weil sie nach vier Geburten beim Sport den Harndrang nicht kontrollieren konnte. "Es war eine rein medizinische Indikation", sagt Matlock, "die Muskeln können halt erschlaffen". Doch nach dem Eingriff rief Susie an und schwärmte, wie viel besser es nun im Bett laufe. Es folgte ein riesiger Blumenstrauß von Susies Ehemann und sein überschwängliches Dankeschön: "Ich habe meine Partnerin behalten und zugleich eine neue Frau bekommen." Matlock hatte eine Marktlücke entdeckt: die "Laser-Vaginalverjüngung zur Steigerung der sexuellen Befriedigung".

Bald weitete Matlock das Geschäftsfeld auf die Gestaltung der Schamlippen und der Klitoris aus und nannte das fertige Gesamtprodukt "Designervagina".

Natürlich blieb Matlock, der außer Medizin auch Wirtschaftswissenschaften studiert hat, nicht lange ohne Konkurrenz. Mittlerweile tummeln sich Hunderte Ärzte auf dem Markt, unter ihnen viele Schönheitschirurgen, die Zusatzgeschäfte brauchen. Schließlich ist die Nachfrage nach Facelifting und Brustimplantaten im rezessionsgeschüttelten Nordamerika 2009 um 18 Prozent zurückgegangen. Niemand prüft diese selbsternannten Experten, niemand gibt ihnen Richtlinien an die Hand.

"Chirurgen springen sie in diese Marktlücke"

Matlocks Kollegen Red Alinsod wäre es ohnehin am liebsten, wenn das ganze Geschäft im Zuständigkeitsbereich der Gynäkologen und Uro-Gynäkologen verbliebe - zumal der 51-Jährige mit 5000 bis 8000 Dollar pro Vaginaloperation nicht schlecht an diesem Geschäft verdient. Er selbst betont, ihm gehe es in erster Linie um die Sicherheit der Patientinnen. "Chirurgen sehen die weiblichen Geschlechtsteile einige Male während ihres Studiums oder wenn sie während der Praxisausbildung bei einer Geburt dabei sind", sagt er, "und trotzdem springen sie nun in diese Marktlücke. Was ihnen ermöglicht wird, weil sich die meisten meiner Kollegen zu fein sind, Vaginalverjüngungen durchzuführen".

Alinsod sagt, er führe um die 150 Operationen im Jahr durch und rühmt sich einer gewissen Kunstfertigkeit - wenn man ihm als Frau zuhört, möchte man instinktiv die Oberschenkel aneinanderpressen. "Wenn ich die äußeren Lippen mache", sagt Alinsod, "dann muss ich die inneren auch beschneiden, sonst sieht es nicht aus, und dann muss oft auch die Haut um die Klitoris herum weg, weil es sonst asymmetrisch wirken würde."

Die meisten seiner Patientinnen, die diese Prozedur über sich ergehen lassen, seien 20 bis 30 Jahre alt, sie wollten "schön sein" für ihre Berufe als Tänzerinnen, Schauspielerinnen oder Models, sagt er, oder einfach für ihre Partner.

Doch auch Vertreterinnen der Babyboomer-Generation, die heute 50 bis 60 Jahre alt sind, kommen in seine Praxis. Frauen, die sich schon Busen, Oberschenkel und Gesicht mehrmals generalüberholen ließen und nun auch den intimsten Winkel ihres Körpers vor der Natur retten wollen. Oder Teenager, deren Mütter die Qualen schildern, die ihre Töchter erleiden, wenn andere durch den Badeanzug die Konturen ihrer Schamlippen sehen können. Weg damit, lautet die Lösung der Erwachsenen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
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1. seltsame branche
dayo, 07.04.2010
Zitat von sysopBrustvergrößerungen sind out - was Frauen in den USA dagegen zunehmend bei Schönheitschirurgen nachfragen, ist die sogenannte Vaginalverjüngung. Ein Eingriff, dessen Sinnhaftigkeit fraglich erscheint - und dessen Risiken die Ärzte herunterspielen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,687538,00.html
der hammer ist, dass diese kaufleute sich ärzte nennen dürfen.
2. Bigotterie
My2Cents 07.04.2010
Es ist schon lustig... Wir setzen uns dafür ein, dass in Afrika die Beschneidung der Frauen abgesetzt wird, und hier machen wir es freudig selbst... Irgendwie bigott... Es ist fast wie bei den Atombomben. Sie sind immer nur in den Händen der anderen gefährlich... Ich liebe meine Freundin wie sie ist. Natürlich, ungeschminkt, ein wenig Rubensfigur, trotzdem sportlich, und wie ich über 40. Wir sind beide keine Models. Aber wir lachen viel und gern miteinander. Wir schauen uns in die Augen und verstehen uns. Wir streiten und versöhnen uns. Und haben genialen Sex. Oft und gerne. Da brauche ich keine dumme Puppe, die fehlenden Charakter und Liebessucht mit Hunden, Katzen oder chirurgischen Eingriffen zu erzielen versucht.
3. Kosmetische Operation
BonChauvi 07.04.2010
Hat doch was; macht jedenfalls mehr Sinn als Silikontitten. Risiken gibt es immer, die muß man eben in Kauf nehmen. Wer kein Risiko eingehen will, darf auch nicht Auto fahren.
4. Intelligent
gehtsnoch, 07.04.2010
Schade, daß die Amis noch keinen Weg gefunden haben Intelligenz operativ zu erhöhen. Aber wahrscheinlich wäre dies ohnehin nicht gefragt. M.
5. Cerebralsuktion
favela lynch 07.04.2010
Der erste Schritt zu einer konsequenten chrirurgischen Markterschließung des menschlichen Körpers ist die Cerebralsuktion. Die ist kostenlos. Anfixen heißt das.
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