Zeitschriftenprojekt "Kot & Köter" Ein Herz für Hundehasser

Kot im Sandkasten, nächtliches Gebell, Bissattacken: Es gibt viele Gründe, Hunde nicht zu mögen. Ein Journalist aus Hamburg sammelt Geld, um daraus eine Zeitschrift zu machen. Er will den Hundefeinden endlich eine Stimme geben.

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Durch Deutschland geht ein Riss, wenn man Wulf Beleites glauben mag. Nicht zwischen Frauen und Männern, auch nicht zwischen Ossis und Wessis. Die Spaltung reicht viel tiefer. Es stehen sich gegenüber: Hundefreunde und Hundegegner.

Ihre Argumente haben beide Seiten längst ausgetauscht: Hunde steigern das Wohlbefinden, sind als Begleiter und Freunde ideal, meinen die Hundeliebhaber. Hunde stinken, machen Lärm, Dreck und sind potentiell gefährlich, meinen die Gegner.

Zwischen beiden Gruppen hat Beleites eine publizistische Schieflage ausgemacht. Ein Blick in den gut sortierten Bahnhofskiosk zeigt: Hunden zugeneigte Zeitschriften sind in der Presselandschaft tatsächlich gut repräsentiert. Es gibt "Dogs today", "Der Hund", "Partner Hund", Hunde Reporter", "Dog's Avenue", "Mein Hund & ich", "SitzPlatzFuss" und "Dogs", um nur ein paar Titel zu nennen.

Andererseits gibt es in Deutschland genug Menschen, die Hunde nicht leiden können. Aber ihnen fehlt es an einer Plattform, ihren Unmut kundzutun. Und da will Beleites helfen. "Kot & Köter" heißt das Blatt, das er auf den Markt bringen will. Da liegt der Untertitel "Die Zeitschrift für den deutschen Hundefeind" nahe. Sie soll ein publizistisches Gegengewicht zu den Blättern der Hundeliebhaber schaffen.

Abneigung gegen Hunde, aber mit einem Augenzwinkern

Beleites sitzt in seinem Büro in Hamburg-Eimsbüttel. An der Pinnwand hängen Zettel mit Ideen für die Zeitschrift: Sie sind mit Kalkulation, Anzeigen, Prämien, Mitarbeiter, Vertrieb, Links, Konzept für Unterstützer, Twitter, Presseverteiler beschriftet. Die Regale sind voller Bücher, der Geruch von Beleites' Zigaretten hängt in der Luft. Hier arbeitet Beleites an seinem Traum von der Zeitschrift, ist gewissermaßen Chefredakteur, Provokateur und Satiriker zugleich. Der 66-Jährige überlegt lange, bevor er spricht.

"Ich bin kein Hundefreund, ich bin kein Hundehasser", sagt er. Aber er ist wohl näher an Letzterem zu verorten. Als Kind wurde er vom Spitz seines Opas gebissen, "vor dem Hund hatten wir als Kinder schreckliche Angst". Heute nerven ihn Kothaufen auf Schulhöfen, Bürgersteigen und Spielplätzen. Die Zeitschrift soll ein Manifest sein gegen die absurde Überhöhung und Vermenschlichung des Hundes, wie Beleites sagt. Als Fanatiker sieht er sich aber nicht. "Ich würde die Abneigung gegen Hunde immer mit einem Augenzwinkern kundtun."

Genau das soll "Kot & Köter" schaffen. Das zeigt sich, wenn er von möglichen Themen spricht: "Nuttenpudel und Ludendogge: Die Rolle des Hundes im Rotlichtmilieu", "Aussetztipps in der Ferienzeit: Die besten Raststätten im Test" oder "Der tut nichts, der will nur spielen: Die Phrasen der Hundehalter und zwanzig schlagkräftige Antworten".

Mit der Kneipenidee zu "Schreinemakers live"

Beleites ist sich bewusst, dass derlei Späße das Humorzentrum vieler Menschen verfehlen werden. In Deutschland leben rund fünf Millionen Hunde, so genau weiß das niemand. Etwa zehn Millionen Menschen wohnen in Haushalten, in denen es mindestens einen Hund gibt. Das ist eine beachtliche Zahl von Leuten, die Beleites gegen sich aufbringen könnte. Zum Vergleich: Der DFB hat knapp sieben Millionen Mitglieder, der ADAC rund 16 Millionen.

Beleites ist trotzdem nicht bang. Der 66-Jährige weiß, worauf er sich einlässt. Die zu erwartende Empörung hat er schließlich schon einmal erlebt.

Und das alles, weil er 1992 mit ein paar Freunden in der Kneipe saß und überlegte, welche "überfällige und überflüssige" Zeitschrift den deutschen Markt noch bereichern könnte. Es brauchte ein paar Biere, dann war der Titel "Kot & Köter" gefunden. Beleites ließ sich den Titel schützen, es war mehr ein Gag. Doch der entwickelte ein Eigenleben.

Radiosender riefen an, Zeitungen, das Privatfernsehen. Von 1992 bis 1998 tingelte Beleites als Chefredakteur von "Kot & Köter" durch die Talkshows, von "Arabella" über "Schreinemakers live" bis "Sonja" - ohne dass jemals ein Heft erschienen wäre. Beleites glänzte mit vermeintlichem Fachwissen, fabulierte von einer Kot-Formel, "Körpergewicht mal drei durch 50".

"Man kann mit jeder verrückten Idee Geld machen"

Bald verlangte er 1000 statt 500 Mark für einen Auftritt, weil er merkte, dass er in der Rolle des Hundefeindes genau der Böse war, den eine Talkshow für die Dramaturgie brauchte. "Für mich war das jedes Mal ein Spaß, aber auch schwere Arbeit. Ich musste eine Rolle spielen und mich darauf konzentrieren."

Wenn Beleites im Hotel zum Frühstück mit anderen Talkshow-Gästen kam, wurde er mit eisigem Schweigen bedacht. Er bekam anonyme Drohanrufe, hatte Angst, wenn er mit seinen kleinen Kindern aus dem Haus ging. Nach sechs Jahren verlor er die Lust und enthüllte seine Masche.

Beleites' Streifzug durch die Talkshows lehrte ihn zweierlei: In Talkshow-Redaktionen wurde nicht recherchiert. Es war egal, wenn die Story nicht stimmte. Hauptsache, sie war heiß und die Rollen Gut und Böse waren klar verteilt. Die zweite Lehre: "Man kann mit jeder verrückten Idee Geld machen."

Nun will Beleites der verrückten Idee der Zeitschrift für Hundefeinde zum journalistischen Durchbruch verhelfen, dieses Mal ernsthaft, wie er beteuert. Auf der Website Krautreporter hat er einen Spendenaufruf gestartet. 7000 Euro will er einsammeln. Wenn das klappt, wird er eine erste Ausgabe von "Kot & Köter" produzieren, die Nullnummer. Dafür würde er gerne das in den Neunzigern entworfene Titelblatt nehmen, auf dem noch 7,80 Mark als Verkaufspreis angegeben sind.

"Es gibt genug Hundegegner, Hundefeinde, Hundehasser"

"Kot & Köter" soll "aggressiv, witzig, pseudoernst, (real)satirisch" sein. Und so viele Leute begeistern, dass anschließend jährlich vier Hefte produziert werden können. Rund 5000 Abonnenten wären notwendig, das zu finanzieren.

Am 25. November läuft die Frist für Spenden bei den Krautreportern aus. Dienstagabend hatte Beleites 375 Euro eingesammelt. Er bleibt optimistisch. Marktforschung hat er nicht betrieben, aber er ist überzeugt: "Es gibt genug Hundegegner, Hundefeinde, Hundehasser, die würden sich freuen, wenn für sie mal eine Zeitschrift da wäre."

Das will er sich und der Branche zeigen. Seit Jahrzehnten ist Beleites Journalist, aktuell auch Mitglied im Bundesvorstand der Gewerkschaft Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union. Er will beweisen, dass man inmitten des "Gejammers vom Sterben des Printmediums" eine neue Zeitschrift etablieren kann. Ihm gefällt eine derbere Formulierung: Dass man mit Scheiße, wenn man es klug anstellt, Geld machen kann.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 220 Beiträge
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Seite 1
hermes69 07.11.2013
1. Es gibt Dinge in diesem Land
da ist selbst kopfschütteln noch zuviel.
sverris 07.11.2013
2. Muss ja eher heißen:
Hundebesitzerhasser.
Kurbelradio 07.11.2013
3. verständlich
Zitat von sysopKot im Sandkasten, nächtliches Gebell, Bissattacken: Es gibt viele Gründe, Hunde nicht zu mögen. Ein Journalist aus Hamburg sammelt Geld, um daraus eine Zeitschrift zu machen. Er will den Hundefeinden endlich eine Stimme geben. "Kot & Köter": Journalist Beleites plant Zeitschrift für Hundehasser - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/kot-koeter-journalist-beleites-plant-zeitschrift-fuer-hundehasser-a-932169.html)
Ich bin Hundeliebhaber, hatte auch Hunde und nach meinem letzten Hund schaffte ich mir keinen Neuen an. Warum? weil mich die Hundebesitzer nerven. Wobei ich das jetzt milde ausdrücke. Ich traf Menschen, die ihren Hunden frisches Hackfleisch zubereiten, ihren Kindern allerdings eine Dose Ravioli vorsetzen. Ich traf Menschen, die sich als Mama oder Papa ihres Hundes vorstellten. Ich traf Menschen, die, wenn ihr Hund sich rüpelhaft benahm damit erklärten dass er a) in der Pubertät sei b) gerade beleidigt sei c) das noch nicht richtig umsetzen kann Ich traf Menschen, die ihre Hunde zutexten, das Kommando dabei unterging und der Hund machte was er wollte. Ich traf Menschen, die schon mehrfach von ihrem Hund gebissen wurden, und das mit der Eigenschaft eines Hundes gleichsetzten. Ich traf Menschen, die ihre Hunde nicht zurückrufen, wenn der einen anspringt usw. usf. Daher: Ich will kein Hundebesitzer mehr sein. Das ist mir zu blöd. Da trifft man zum großen Teil Leute, die nicht ganz dicht sind. Mir taten ihre Hunde meistens leid. Es gab natürlich auch ein paar, wenige Ausnahmen unter den Besitzern.
Ole Neet 07.11.2013
4. na sowas!
Das ist doch der junge Horst Schlemmer! http://www.kotundkoeter.de/video/der-film.mp4
micromiller 07.11.2013
5. der gewerkschaftler will endlich auch geld verdienen
und hat eine irre idee. es gibt ja noch viele tolle geschaeftsideen fuer nicht so erfolgreiche journalisten.. der grosse hundefutter test, ratten nein danke, wie ich einen hund biss usw
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