Krawalle in London: Tottenham brennt

Plünderungen, brennende Autos, verletzte Beamte: In der Nacht zu Sonntag hat London die schwersten Ausschreitungen seit 25 Jahren erlebt - bis in die Morgenstunden dauerten die Krawalle an. Auslöser ist der Tod eines Mannes, der am Donnerstag bei einem Polizeieinsatz erschossen worden war.

Unruhen in London: Krawalle nach Polizeieinsatz Fotos
DPA

Hamburg/London - London erinnerte in der Nacht zu Sonntag an ein Bürgerkriegsszenario: Eine aufgebrachte Menschenmenge setzte mehrere Polizeifahrzeuge, einen Doppeldeckerbus sowie mehrere Gebäude in Brand. Polizisten wurden mit Molotow-Cocktails und Ziegelsteinen beworfen, acht von ihnen wurden verletzt, einer schwer am Kopf.

Zentrum der Krawalle war der Stadtteil Tottenham. Hier versammelten sich rund 200 Menschen vor einer Polizeiwache. Spezialeinheiten versuchten in der Nacht, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Sperren wurden errichtet, berittene Beamte versuchten, die Menge auseinanderzutreiben.

Aufgebrachte Bewohner setzten in der Nacht zum Sonntag mindestens zwei Polizeiwagen, einen Doppeldeckerbus sowie ein Gebäude in Brand. Schaufenster wurden eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Die Sicherheitskräfte forderten Verstärkung an, in vielen Teilen der Stadt waren Polizeisirenen zu hören.

Der BBC zufolge dauerten die Krawalle auch im Tageslicht an. "Es sieht wirklich schlimm aus", sagte der 46-jährige Anwohner David Akinsanya. "Da brennen zwei Polizeiautos, ich fühle mich unsicher." In den Straßen machten sich Plünderer mit Einkaufswagen voller gestohlener Sachen davon. Gegen Mittag meldete die Polizei, sie habe die Lage weitgehend wieder unter Kontrolle.

Auslöser der gewalttätigen Auseinandersetzungen war ein noch nicht vollständig aufgeklärter Polizeieinsatz am Donnerstag, an dessen Ende ein 29-Jähriger von einer Polizeikugel getötet worden war. Nach Darstellung der Polizei hatte der vierfache Vater zuerst geschossen. Ein Polizist überlebte demnach nur durch Glück, weil die Kugel des in einem Taxi sitzenden Schützen vom Funkgerät des Beamten aufgehalten worden war. Wie die Londoner Polizei mitgeteilt hat, habe es sich um einen Einsatz bei Ermittlungen in der organisierten Bandenkriminalität gehandelt.

Tödliche Ausschreitungen im Jahr 1985

Die Krawalle sind die schwersten in London seit 25 Jahren. Brodeln tut es in der britischen Hauptstadt allerdings schon etwas länger. Als Ende letzten Jahres bekannt wurde, dass die Studiengebühren erhöht werden sollen, gingen die Studenten auf die Straße und stürmten dabei auch Polizei- und Regierungsgebäude.

Tottenham liegt im Norden der britischen Hauptstadt und ist als sozialer Brennpunkt bekannt. Immer wieder schlagen dort Spannungen, bei denen zum Teil auch Rassismus im Spiel ist, in Gewalt um.

Die schlimmsten Ausschreitungen brachen im Jahr 1985 aus, nachdem eine Frau während einer Razzia der Polizei in ihrem Haus an einem Schlaganfall starb. Ein Polizist, der eine Gruppe Feuerwehrmänner schützen wollte, wurde damals von einem wütenden Mob zu Tode geprügelt. Etwa 60 weitere Beamte mussten mit zum Teil schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Etwas mehr als zehn Kilometer von der Londoner Innenstadt entfernt, zählt Tottenham zu den ärmsten Gegenden Großbritanniens. Fast die Hälfte aller Kinder lebt hier Untersuchungen zufolge in Armut. Der Anteil der Ausländer zählt zu den höchsten im ganzen Land.

Scotland-Yard-Sprecher Stephen Watson bezeichnete die Vorfälle als besorgniserregend und erklärte, die öffentliche Sicherheit habe höchste Priorität. Die Polizei sei sich im Klaren über die "gestiegenen Spannungen (...), die verständlich sind nach dem tragischen Tod".

cbu/amz/dpa/Reuters

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insgesamt 367 Beiträge
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1. Video
kurtwied, 07.08.2011
Damit man sich einen besseren Eindruck machen kann - hier ein Newsbericht http://www.youtube.com/watch?v=DS4Jid1jEzM&feature=player_embedded#at=62
2. sogenannter demokr...Staat?
leberknecht 07.08.2011
Zitat von sysopBrennende Autos, verletzte Polizisten: In der Nacht zu Sonntag erlebte London die schwersten Ausschreitungen seit 25 Jahren. Auslöser für die Unruhen war der Tod eines Mannes, der am Donnerstag bei einem Polizeieinsatz erschossen worden war. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,778808,00.html
Seltsam? In Europa heißt das: Krawalle und Ausschreitungen!? In anderen Städten wiederum: Aufstand,Widerstand oder Rebellion... Wir lieben unsere Medien!
3. tz
Lochblech.19 07.08.2011
Der Artikel gibt etwas zu wenig Informationen preis: Weshalb gab es einen Polizeieinsatz gegen einen Taxikunden? Wieso Bandenkrieg? Wie konnte es zum brennenden Tottenham kommen, weshalb eskaliert eine Verbrechensbekämpfung? Waren die Polizeimaßnahmen angemessen? etc. Es ist von Interesse etwas genauer hinzuschauen. Läßt sich daraus für unsere Großstatdt lernen?
4. Ehrliche Antwort würde doch sowieso zensiert
hausmeister hempel 07.08.2011
Zitat von sysopBrennende Autos, verletzte Polizisten: In der Nacht zu Sonntag erlebte London die schwersten Ausschreitungen seit 25 Jahren. Auslöser für die Unruhen war der Tod eines Mannes, der am Donnerstag bei einem Polizeieinsatz erschossen worden war. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,778808,00.html
Was soll man dazu sagen? Nein, es sind keine sozialen Spannungen, es ist mehr! Bloß mehr darf man nicht sagen, weil das sowieso zensiert würde..... Ja, die Welt ist eine andere, als die Medien versuchen darzustellen. Ideologien, die sich nicht an Naturgesetzen orientieren, brechen irgendwann in sich zusammen. ...
5. ...
Hook_ 07.08.2011
Zitat von sysopBrennende Autos, verletzte Polizisten: In der Nacht zu Sonntag erlebte London die schwersten Ausschreitungen seit 25 Jahren. Auslöser für die Unruhen war der Tod eines Mannes, der am Donnerstag bei einem Polizeieinsatz erschossen worden war. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,778808,00.html
Was wird aus diesen weltweit stärker werdernden Protesten, die immer weniger die Authoritätder Gewalten respektieren, erwachsen? Im besten Fall eine Neuordnung zum Wohle der Mehrheit. Im schlechtesten, leider wohl auch wahrscheinlichsten Falle, die Schwächung der Staatsmachten zugunsten von global agierenden Mächten. Denn obwohl ich auch gerne gegen die Regierungen "wettere", der Staat ist der einzige und beste Schutz der Bevölkerungen vor globalen Heuschrecken. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht das Kinde mit dem Bade ausschütten. Es geht nicht um weniger Staatsmacht, es geht um einen Gesinnungs und Loyalitätswandel derselben. Im Idealfall beschützt der Staat seine Bürger und nicht die Wirtschaft/"Elite".
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