Junge Menschen mit Krebsdiagnose "Sterben, das kommt nicht infrage"

Sie wollen ihr Abitur machen, studieren, eine Familie gründen - dann kommt die Diagnose: Krebs. 15.000 junge Erwachsene in Deutschland sind jährlich davon betroffen.

SPIEGEL TV

Von Liz Wieskerstrauch


"Hallo Freunde", ruft Marlene Bierwirth in ihr Smartphone, "die nächste Chemo habe ich an meinem 19. Geburtstag. Hoffentlich vertrage ich sie gut. Ich halte euch auf dem Laufenden." Sie tippt auf das Handy und lacht. Schon ist die Nachricht auf Instagram erschienen, mehr als 90.000 Menschen folgen Bierwirth und fühlen mit. Mit ihren Botschaften will Bierwirth zeigen, dass sie trotz Krebs eine lebensfrohe junge Frau ist und viele schöne Dinge erlebt. Und sie erhält jede Menge Anerkennung für ihren Mut, den Kampf gegen den Krebs öffentlich zu machen.

Als sie mit 17 die Diagnose Medulloblastom - Hirntumor - bekam, sagten Ärzte, sie müsse jetzt tapfer sein und kämpfen. Was damit gemeint war, verstand sie zunächst nicht. Inzwischen weiß sie es. "Immer nach vorne schauen und sich nicht davon runterziehen lassen. Egal was für ein schlechter Tag kommt. Nach den schlechten Tagen können nur gute Tage kommen. Es geht bergauf!"

Dass Bierwirth so positiv mit ihrer Situation umgeht, hilft auch ihren Eltern, die Angst um ihr Kind haben. Sie wissen, dass Marlenes Überlebenschancen statistisch bei etwa 80 Prozent liegen. Aber das sind nur Zahlen. Es ist Bierwirth selbst, die mit ihrer besonderen Haltung zu der Krankheit ihr Umfeld beruhigt. Auch die Geschwister, ihre Freundinnen und ihren Freund.

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Junge Erwachsene: Marlene und Erik, Krebspatienten

Der teilt mit Bierwirth das Hobby, Fotos auf Instagram zu veröffentlichen, vom Schnappschuss bis zu sehr künstlerischen Aufnahmen. Mit und ohne Perücke. Mit und ohne Tücher auf dem Kopf. Marlene steht zu ihrer Glatze und streicht mit der Hand vorsichtig über ihren Hinterkopf, fühlt nach ihrer Operationsnarbe. Lachend schildert sie, wie sie während der ersten Chemotherapie ihre Mutter weinend bat, ihre schulterlangen Haare abzuschneiden und ihr eine Glatze zu rasieren. Ihr Freund hielt ihr dabei die Hand.

Bierwirth schreibt auch ein eigenes Blog, in dem sie genau schildert, was sie erlebt, wie die Behandlung funktioniert, ob sie Schmerzen hat; wie sie drauf ist, was als Nächstes auf sie zukommt. Damit ist sie keine Ausnahme. Viele junge Menschen teilen ihre Erfahrungen mit Krebs in den sozialen Medien, anders als frühere Generationen, die die Krankheit häufig tabuisierten.

Heute gibt es große Facebook-Gruppen von Betroffenen und die Internetplattform der Berliner Stiftung "Junge Erwachsene mit Krebs". Hier kann man sich austauschen, auch mal ausheulen und jede Menge Informationen finden. Auch darüber, wie man sich seine Fruchtbarkeit trotz Chemotherapie erhalten kann. Bierwirth hat sich zur Sicherheit Eizellen entnehmen und einfrieren lassen. Für sie ist klar, dass sie später Kinder haben will. "Sterben, das kommt nicht infrage."

Eine Studie zur Situation weltweit ergab, dass Frauen bei 20- bis 39-Jährigen überproportional häufig an Krebs erkranken. Von den rund 480.000 Menschen, bei denen in Deutschland jährlich Krebs diagnostiziert wird, sind 15.000 in dieser Altersgruppe, wie die Stiftung "Junge Erwachsene mit Krebs" berichtet. Sie widmet sich genau dieser Patientengruppe.

"Akzeptiere die Diagnose, aber niemals die Prognose"

Einer der Betroffenen in Deutschland ist Erik Klimmek, 28. Er schreibt wie Marlene Bierwirth ein Blog. "Das ist so ein Geben und Nehmen - ein Vorteil, wenn man auf die Leute zugeht, statt einfach vor sich hin zu 'depressivieren' - das Wort sollte in den Duden", sagt er. Und wenn es dann bergab geht mit ihm, wird er auch das öffentlich machen. "Sonst kommt es auf einmal wie ein Schlag und keiner hat's kommen sehen, das wäre auch blöd."

Er war 27, als sein Krebs diagnostiziert wurde, ein Glioblastom, eine bösartige Variante eines Hirntumors, die trotz Operation und Chemotherapie wiederkommen wird. Jetzt gilt er als austherapiert. Man kann nichts weiter zur Heilung tun, nur helfen, die Schmerzen zu lindern, sobald sie auftreten.

Statistisch gesehen leben Krebskranke wie Klimmek noch ein halbes bis anderthalb Jahre. Zwölf Monate hat er schon überlebt. Und es geht ihm - dank Cannabis-Behandlung - gut. Er freut sich über jeden Tag, den er noch hat. Ohne jedes Selbstmitleid oder Bedauern. "Man kann es ja nicht ändern", sagt er. "Also ich hab's akzeptiert. Ich sage, akzeptiere die Diagnose, aber niemals die Prognose."

Er unternimmt noch letzte Reisen und trifft sich oft mit seinen Freunden. Die sagen: "Vorher hat er nur Party gemacht. Und erst als der Krebs losging, hat er angefangen, sich Ziele zu setzen. Und ist richtig aufgeblüht. Er hat sein Leben noch mal richtig in die Hand genommen." Die Freunde fürchten sich vor dem Tag, an dem sie Klimmek beerdigen werden müssen.

Für Marlene Bierwirth ist Sterben keine Option. Sie holt jetzt ihre Abiturprüfungen nach. Die Chemotherapie - selbst an ihrem Geburtstag - ist für sie schon Routine geworden. Ihr Vater kommt immer mit, Händchen halten.


"Zu jung zum Sterben. Junge Menschen kämpfen gegen Krebs": Freitag, 2. Februar, 19.40 Uhr, arte



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Seite 1
joG 02.02.2018
1. Das ist tatsächlich interessant....
....und es entstehen Fragen. Ich sah gerade, dass es eine neue Behandlung in den USA gibt, die pro Heilung ca neunhunderttausend Dollars kostet. Will die Krankenkasse das für junge Menschen zahlen?
mullertomas989 02.02.2018
2. Es geht auch anders - zumindest manchmal
Ein A380-Pilot von Air France hat sich druch Fasten und eine Ernährungsumstellung selbst geheilt. Und danach eine große Konferenz in Paris veranstaltet mit vielen Fachleuten, die er inzwischen kennengelernt hatte. Ohne diese "Therapie" würde er wohl nicht mehr leben. Heute fliegt er wieder.... https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/therapie/ernaehrung-gegen-den-krebs-mehr-fett-weniger-zucker-die-anti-krebs-diaet-staerkt-patienten-und-hungert-tumore-aus_id_7351909.html
writing-angel 02.02.2018
3. WELTKREBSTAG 2018 - am 4. Februar
"Heute gibt es große Facebook-Gruppen von Betroffenen und die Internetplattform der Berliner Stiftung "Junge Erwachsene mit Krebs". Hier kann man sich austauschen, auch mal ausheulen und jede Menge Informationen finden." Nach einer Krebserkrankung bei mir im letzten Jahr, die zum Glück mit 4 Operationen zu beseitigen war, bin ich durch zwei Pharmazeuten auf eine sehr wichtige Information gestoßen, die ich jetzt zum Weltkrebstag am 4.2. mit allen Betroffenen teilen möchte. Bin selbst in einer Facebook-Gruppe aktiv und habe eine eigene Blogseite dafür angelegt: Die Krebsheilungsrate könnte bei jungen wie alten Menschen deutlich gesteigert werden - und zwar mit dem vor 3 Jahren mit dem Medizin-Nobelpreis an Prof. Tu Youyou ausgelobten "Artemisia annua" (AA) - damals ging es allerdings um die Wirkung auf Malariaerreger -, einer seit 3000 Jahren in China wohlbekannten Heilpflanze! Inzwischen existieren aber über 450 peer-reviewed Studien über die Wirkung des Hauptwirkstoffes Artemisinin bzw. Artesunate auf Krebszellen - gesammelt an der University of Washington. Es gibt so gut wie keine Nebenwirkungen, besonders wenn Artemisinin zusammen mit einem Vollextrakt der Pflanze appliziert wird. 98% aller Krebszellen sind in vitro innerhalb von 18 Stunden getötet! Und in vivo tritt sehr häufig eine Totalremission der Tumore und Metastasen. Dieser Effekt betrifft aber nur mäßig bis sehr schnelle, aggressive Krebsarten mit einem gegenüber normalen Körperzellen stark erhöhten Eisengehalt. Als zweite bedeutende Wirkung kommt eine massive Hemmung der Angiogenese, also der pathologischen Ausbildung eines kapillaren Blutversorgungsnetzwerkes, den die Tumore sich selbst anlegen, hinzu. Kurz gesagt: AA verbrennt die CA-Zellen kalt und hungert die Tumore aus. Natur-heilt-alles Das Internet ist voll mit Infos über die Effekte von Artemisia annua auf die meisten Krebsarten, aber bisher wissen noch zu wenige Ärzte und Krankenhäuser darüber Bescheid. Dass AA das Malaria-Mittel Nr. 1 ist, weiß hingegen fast JEDER Arzt, die Wirkung auf mäßig und schnell wachsende Krebsarten ist hingegen noch weitgehend unbekannt, eher nur Insidern, die auch Alternativen zulassen, vertraut... p.s. man kann die Pflanze sogar im eigenen Garten anbauen, was in Afrika - wo es vor allem als Antimalaria Mittel fungiert -, weit verbreitet ist. Natur-heilt-alles
writing-angel 02.02.2018
4.
Zitat von writing-angel"Heute gibt es große Facebook-Gruppen von Betroffenen und die Internetplattform der Berliner Stiftung "Junge Erwachsene mit Krebs". Hier kann man sich austauschen, auch mal ausheulen und jede Menge Informationen finden." Nach einer Krebserkrankung bei mir im letzten Jahr, die zum Glück mit 4 Operationen zu beseitigen war, bin ich durch zwei Pharmazeuten auf eine sehr wichtige Information gestoßen, die ich jetzt zum Weltkrebstag am 4.2. mit allen Betroffenen teilen möchte. Bin selbst in einer Facebook-Gruppe aktiv und habe eine eigene Blogseite dafür angelegt: Die Krebsheilungsrate könnte bei jungen wie alten Menschen deutlich gesteigert werden - und zwar mit dem vor 3 Jahren mit dem Medizin-Nobelpreis an Prof. Tu Youyou ausgelobten "Artemisia annua" (AA) - damals ging es allerdings um die Wirkung auf Malariaerreger -, einer seit 3000 Jahren in China wohlbekannten Heilpflanze! Inzwischen existieren aber über 450 peer-reviewed Studien über die Wirkung des Hauptwirkstoffes Artemisinin bzw. Artesunate auf Krebszellen - gesammelt an der University of Washington. Es gibt so gut wie keine Nebenwirkungen, besonders wenn Artemisinin zusammen mit einem Vollextrakt der Pflanze appliziert wird. 98% aller Krebszellen sind in vitro innerhalb von 18 Stunden getötet! Und in vivo tritt sehr häufig eine Totalremission der Tumore und Metastasen. Dieser Effekt betrifft aber nur mäßig bis sehr schnelle, aggressive Krebsarten mit einem gegenüber normalen Körperzellen stark erhöhten Eisengehalt. Als zweite bedeutende Wirkung kommt eine massive Hemmung der Angiogenese, also der pathologischen Ausbildung eines kapillaren Blutversorgungsnetzwerkes, den die Tumore sich selbst anlegen, hinzu. Kurz gesagt: AA verbrennt die CA-Zellen kalt und hungert die Tumore aus. Natur-heilt-alles Das Internet ist voll mit Infos über die Effekte von Artemisia annua auf die meisten Krebsarten, aber bisher wissen noch zu wenige Ärzte und Krankenhäuser darüber Bescheid. Dass AA das Malaria-Mittel Nr. 1 ist, weiß hingegen fast JEDER Arzt, die Wirkung auf mäßig und schnell wachsende Krebsarten ist hingegen noch weitgehend unbekannt, eher nur Insidern, die auch Alternativen zulassen, vertraut... p.s. man kann die Pflanze sogar im eigenen Garten anbauen, was in Afrika - wo es vor allem als Antimalaria Mittel fungiert -, weit verbreitet ist. Natur-heilt-alles
Bei meinem Krankenhausaufenthalt in einem großen Klinikum in meiner Heimatstadt kam der leitende Onkologe, ein in DE sehr bekannter Fachmann, an mein Bett. Ich durfte ihn über meine damals aktuellen, leider etwas zu spät gekommenen Informationen über Artemisia annua und Krebs informieren. Er hörte mir aufmerksam zu. 2 Wochen später schickte er mir diese E-mail: "Sehr geehrter Herr Hxxxx das ist in der Tat eine sehr interessante Substanz; ich habe noch etwas darüber gelesen und schicke Ihnen in der Anlage noch 2 Arbeiten. Alles Gute und einen schönen Tag. Ihr YYYY XXX
le.toubib 02.02.2018
5. Nungut.
Zitat von mullertomas989Ein A380-Pilot von Air France hat sich druch Fasten und eine Ernährungsumstellung selbst geheilt. Und danach eine große Konferenz in Paris veranstaltet mit vielen Fachleuten, die er inzwischen kennengelernt hatte. Ohne diese "Therapie" würde er wohl nicht mehr leben. Heute fliegt er wieder.... https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/therapie/ernaehrung-gegen-den-krebs-mehr-fett-weniger-zucker-die-anti-krebs-diaet-staerkt-patienten-und-hungert-tumore-aus_id_7351909.html
Unerklärliche Spontanremissionen sind nichts Ungewöhnliches, wenn auch selten. Ich glaube kaum, dass Fasten und Ernährungsumstellung hier das Heilmittel war. Aber - auch wenn es neulich hier auf SpOn einen Beitrag gab, dass "positives Denken" nichts bringen würde -, ich persönlich halte das für falsch! Und dieses Fasten etc. löste mit Sicherheit eine Art des "positiven Denkens" aus. Aber ich möchte bei diesem Anlass einmal anmerken, was Prof. Roland Mertelsmann uns immer wieder lehrte und das immerhin als *der* damals führende Onkologe Deutschlands: "Es gibt viel mehr Krankheiten, an denen man wesentlich qualvoller stirbt, als Carcinomata."
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