Krise der katholischen Kirche: In Afrika regt sich Widerstand gegen Benedikt XVI.

Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt

Mitgliederschwund, Priestermangel? In der katholischen Kirche Afrikas sind das Fremdworte. Die Zahl der Gläubigen wächst rasant. Dennoch gibt es Probleme, das größte heißt Aids. Viele Kleriker tragen Roms rigiden Kurs gegen Verhütung nicht mit. Und auch in der Missbrauchsdebatte fallen klare Worte.

Der Papst und Afrika: "Blind gegenüber der Lebenswirklichkeit" Fotos
REUTERS

Es ist ein Ritual, das in keiner Heiligen Messe fehlt: Auch an diesem Osterfest schloss die deutschsprachige katholische Gemeinde am Kap Papst Benedikt XVI. in ihre Gebete mit ein. "Manchen von uns geht das quer runter", bekennt ein Gemeindeglied. "Wir fühlen uns vom Papst und von unserer deutschen Kirche allein gelassen."

Denn seit einem halben Jahr ist die kleine Gemeinde verwaist, ohne einen Seelenhirten: Der Vertrag des Auslandssekretariats der Deutschen Bischofskonferenz mit Stefan Hippler, der sie zwölf Jahre lang betreut hatte, war Ende September vergangenen Jahres nicht mehr verlängert worden.

Der streitbare Priester hatte einen Tabubruch begangen: In seinem Buch "Gott, Aids, Afrika" hatte er die katholische Morallehre angegriffen, eine Aids-Theologie gefordert und selbst Papst Benedikt XVI. von seiner Kritik nicht verschont.

Die Gebote der geltenden, auch vom deutschen Papst vehement verfochtenen Sexuallehre könnten in Afrika "einem Todesurteil gleichkommen", schrieb Hippler. Es würde Millionen von Aidstoten nicht mehr helfen, wenn die katholische Kirche "in fünfzig Jahren wieder ein offizielles Schuldbekenntnis" ablegen müsse. Sie müsse jetzt handeln.

Hippler weiß, wovon er spricht: Nachdem er 1997 von seiner Kirche ans Kap versetzt worden war, hat er das HIV/Aids-Vorzeigeprojekt HOPE aufgebaut. Mit seiner Kritik am Papst war er allerdings zu unbequem geworden und musste gehen.

Zwischen Prinzipientreue und Nächstenliebe

Auch sein Heimatbistum Trier wollte ihn nicht zurückhaben. Und im März besuchte der Leiter des katholischen Auslandsekretariats, Peter Lang, die deutschsprachigen Katholiken am Kap und überbrachte ihnen die Nachricht, dass sie sich einen südafrikanischen Priester suchen müssten. Einen Hippler-Nachfolger werde es nicht geben.

Vor zwei Jahren sah die Welt noch ganz anders aus: Die Gemeinde feierte ihr 50-jähriges Bestehen. Langs Vorgänger, Prälat Peter Prassel, verkündete den Gläubigen am Kap, die deutsche Kirche habe nicht die Absicht, Stefan Hippler abzuberufen. Im Gegenteil: Prälat Prassel lobte den aufsässigen Gottesmann für seinem Kampf gegen die tödliche Seuche in den höchsten Tönen. Da war Hipplers Streitschrift, in der er auch vehement für den Gebrauch von Kondomen eintritt, allerdings erst ein paar Monate auf dem Markt.

Der Konflikt zwischen moraltheologischer Prinzipientreue und von Nächstenliebe getragener Seelsorge treibt die katholischen Priester Afrikas seit Jahren in einen inneren Zwiespalt. Auf keinem anderen Kontinent tragen so viele Menschen das tödliche Virus in sich, nirgends sonst sterben so viele an der Seuche.

"Blind gegenüber der Lebenswirklichkeit"

UNAIDS, das Aidsprogramm der Vereinten Nationen, schätzt in seiner jüngsten Statistik, dass Ende 2008 von den weltweit 33,4 Millionen HIV-Positiven 22,71 Millionen allein in Afrika lebten. 1,4 Millionen Afrikaner seien in einem einzigen Jahr an Aids gestorben, 14,1 Millionen Kinder zu Aidswaisen geworden.

Der katholische Bischof im südafrikanischen Rustenburg, Kevin Dowling, hielt seiner Kirche bereits am Welt-Aidstag 2003 vor, sie sei "blind gegenüber der Lebenswirklichkeit von Millionen von Armen". Die Menschen in Afrika "leben, leiden und sterben wegen dieser Krankheit".

Doch Rom verharrt in seiner starren Haltung: Seit der Enzyklika "Humanae Vitae" von 1968 lehnt der Vatikan den Gebrauch von Kondomen strikt ab. Nicht einmal bei einem verheirateten Paar, bei dem ein Partner infiziert ist, will die Amtskirche den Gebrauch der lebensrettenden Gummis erlauben.

Dowling schert das nicht. In seinem Bistum hat er hautnah erlebt, wie in den Arbeitercamps der Minenstadt Rustenburg die Menschen reihenweise an Aids sterben. "Ich bin der Meinung, dass Menschen, die unter solchen Umständen mit HIV leben, aufgefordert werden müssen, ein Kondom zu benutzen, um die Übertragung einer Tod bringenden Krankheit auf eine andere Person zu verhindern oder sich selbst zu schützen, insbesondere in Beziehungen, die von Missbrauch und Zerstörung bestimmt sind", verkündet er ungerührt im Widerspruch zu Roms Lehrmeinung.

Und er fährt fort: "Wenn wir lediglich die Botschaft verkünden, dass Kondome unter keinen Umständen gebraucht werden sollen, dann werden es die Menschen meines Erachtens schwer haben daran zu glauben, dass wir als Kirche denen, die unter oft entsetzlichen Lebensumständen leiden, mitfühlend und als Seelsorger helfen wollen."

Papst Benedikt: "Kondome verschlimmern das Problem"

Doch Benedikt XVI. verschließt die Ohren vor der Gewissensnot seiner Priester und Gläubigen. Im Gegenteil: Bei seiner ersten Afrika-Reise goss er im März vergangenen Jahres Öl ins Feuer - und enttäuschte die Hoffnungen vieler afrikanischer Katholiken auf ein erlösendes Wort. Der Gebrauch von Kondomen sei keine Lösung, erklärte er vor Journalisten auf dem Flug nach Kamerun im Papst-Jet. "Im Gegenteil, er verschlimmert das Problem."

Das südafrikanische Aidshilfswerk Treatment Action Committee, das von der Bischofskonferenz der katholischen Kirchen im südlichen Afrika gefördert wird, kommentierte kurz und vernichtend: "Unverantwortlich." Dabei hatte Benedikt vor seiner Reise noch getönt: "Mit diesem Besuch will ich den ganzen afrikanischen Kontinent geistlich umarmen", die "Opfer von Hunger, Krankheiten, Ungerechtigkeit, Krieg und Gewalt".

Die Perspektiven für den ersten Pastoralbesuch des deutschen Papstes schienen auch besser als in jedem anderen Erdteil: Nirgends sonst hat die katholische Kirche solchen Zulauf wie auf dem schwarzen Kontinent. Nach Angaben des Vatikans ist die Zahl der katholischen Christen in Afrika seit 1978 von 55 auf 146 Millionen gestiegen.

"Wir haben Mühe, die Seminaristen unterzubringen, die Priester werden wollen"

Der Grund: "In Afrika ist die Kirche eine Art sozialer Bewegung, sie ist politisch", sagt der ugandische Theologieprofessor Emmanuel Katongale. Sie sei die Stimme derer, die sich nicht selbst artikulieren könnten. "Wir haben auch keinen Priestermangel", sagte er im März bei einem Symposion in San Diego stolz. "Wir haben eher Mühe, die Seminaristen unterzubringen, die Priester werden wollen."

Umso größer war die Enttäuschung nach der Afrika-Reise des Papstes. "Es hat sich nichts geändert", sagt ein afrikanischer Priester bestürzt. "Benedikt XVI. hat schon vor seiner Wahl zum Pontifex Maximus als Chef der Glaubenskongregation die kirchenpolitischen Weichen gestellt. Und es wird sich mit ihm auch nichts ändern."

Aber der Widerstand gegen Benedikt wächst auch in Afrika.

Vor allem in der Aidspolitik machen führende Kleriker offen Front gegen Rom. Nicht nur Dowling befürwortet inzwischen offen den Gebrauch von Kondomen. Sogar der ghanaische Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, der im Oktober 2009 von Benedikt zum Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden ernannt wurde, plädiert für eine vorsichtige Abkehr von der bisherigen starren Anti-Kondom-Haltung, fügt aber warnend hinzu: "In Afrika sind sie von schlechter Qualität. Sie schützen daher nicht ganz vor der Krankheit."

Auch in der Missbrauchsdiskussion finden vor allem die Bischöfe im südlichen Afrika klare Worte. Während der Theologieprofessor Katongole im März noch abwiegelte und eine Schwächung der moralischen Integrität der Kirche rundweg abstritt, hat der Präsident der katholischen Bischofskonferenz für das südliche Afrika, Erzbischof Buti Tlhagale, in seiner Osterbotschaft offen zugegeben: "Ich weiß, dass die Kirche in Afrika von derselben Plage heimgesucht wird." Er sagte klar heraus: "Ich wünschte, ich könnte sagen, es sind nur einige faule Äpfel. Aber die Empörung rund um uns zeigt, dass es mehr als nur ein paar faule Äpfel sind."

Stimme der Kirche geschwächt

Tlhagale beklagte, dass es bisher "an einer angemessenen Antwort" auf die weltweiten Missbrauchsvorwürfe fehle. Die Stimme der Kirche als moralische Institution werde durch die derzeitige Diskussion geschwächt.

Dabei ist die Zahl der bisher bekannt gewordenen Missbrauchsfälle im südlichen Afrika nach Angaben der Bischofskonferenz vergleichsweise klein: 40 Fälle in den vergangenen 40 Jahren, einige davon liegen offenbar schon Jahrzehnte zurück. Ende der neunziger Jahre hatte es allerdings immer wieder nie geklärte Gerüchte gegeben, dass Priester in Afrika, die bis dahin eher die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen hätten, angesichts der Ausbreitung von HIV/Aids zunehmend junge Nonnen missbrauchten - auch wenn sie selbst das Virus bereits in sich trügen.

Stefan Hippler, der streitbare Pfarrer vom Kap, hat inzwischen ein neues Betätigungsfeld gefunden: Seit Anfang Oktober 2009 setzt er als "Fidei Donum", als "Geschenk des Glaubens" im Sinne der Missionsenzyklika von Papst Pius XII. nicht nur seine HIV/Aids-Arbeit in der Diözese Kapstadt fort.

Mit dem Segen des Erzbischofs von Kapstadt leitet Hippler zusätzlich eine neue Arbeitsgruppe, die sich um "HIV-positive Priester und Ordensleute" kümmert. Hipplers trockener Kommentar zu seinem neuen Betätigungsfeld: "Wir zeigen damit, dass wir als Kirche auch proaktiv an brenzlige Themen herangehen können."

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1. Dumm gelaufen
ntholeboha 08.04.2010
Zitat von sysopMitgliederschwund, Priestermangel? In der katholischen Kirche Afrikas sind das Fremdworte. Die Zahl der Gläubigen wächst rasant. Dennoch gibt es Probleme, das größte heißt Aids. Viele Kleriker tragen Roms rigiden Kurs gegen Verhütung nicht mit. Und auch in der Missbrauchsdebatte fallen klare Worte. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,687732,00.html
Bisher war ja noch alles gut. Quasi Glaeubige im Ueberfluss und abgesehen von Aids und dieser vatikanaeren Haltung zum Kondomgebrauch sah die glorreiche Kirche ueber Christlichkeit gepaart mit teils traditionellen Riten gern darueber hinweg. Bloed ist eigentlich nur, das der roemische Klerus bisher uebersah, dass moderne Komunikationsmedien sich rasant auch auf dem afrikanischen Kontinent verbreiten. In wiederholten Gespraechen mit Einheimischen wird mehr und mehr deutlich, dass der christliche Glaube in der Tat tief verwurzelt ist. Andererseits mehren sich Stimmen die Glaube und Anpassung an die Bedingungen der Moderne fordern und es gibt Aussagen, die sich durchaus auch zunehmend mit den Missbraeuchen befassen. Die Angst vor diesem gehoernten Antichrist ist allgegenwaertig aber man beginnt zu begreifen, zunehmend zu realisieren: Glaube und Kirche bauen Fragezeichen gegeneinander auf und Sir Teufel ist ueberall, auch in der rkK. Der internationale Missbrauch wird sehr genau verfolgt - die Tage werden kuerzer im Winter und fuer die rkK und das ist gut so.
2. d
Klo 08.04.2010
Zitat von sysopMitgliederschwund, Priestermangel? In der katholischen Kirche Afrikas sind das Fremdworte. Die Zahl der Gläubigen wächst rasant. Dennoch gibt es Probleme, das größte heißt Aids. Viele Kleriker tragen Roms rigiden Kurs gegen Verhütung nicht mit. Und auch in der Missbrauchsdebatte fallen klare Worte. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,687732,00.html
Afrika kann es sich leisten, die Wahrheit auszusprechen. Dort verliert der Katholizismus täglich mehr Mitglieder als anderswo auf der Welt - nicht nur durch Austritte infolge Ablebens, sondern durch Abwanderung zu den liberaleren Freikirchen.
3. Diktator Benedikt ?
MyDocAngel 08.04.2010
Wer (zu recht) kritisiert wie dieser Pfarrer in Afrika - wird vom Papst fallen gelassen - in die Armut, Arbeitslosigkeit. Überall in der Diktatur der katholischen Kirche werden Pfarrer so unter Druck gesetzt und - schweigen - ganz abgesehen vom Schweigegelübde - sie schweigen zu allen Missbräuchen und kriminellen Handlungen in den eigenen Reihen - und das Oberhaupt Benedikt der XVI macht es ihnen vor...
4. unverantwortlich
Power_Shifter 08.04.2010
Die Worte des Papstes sind mehr als unverantwortlich. Man kann diesem schon fast böse Absicht unterstellen. Wie kann ein studierter Mensch allen Ernstes behaupten, das benutzen von Condomen, würde das Aids Prolem noch verschlimmern. Diese Einstellung klingt nach "Aids ist die gerechte Strafe für alle Menschen, derer der körperlichen Sünde verfallen sind. Tragen diese das Virus in sich, sind Sie des Todes geweiht und dürfen von keinem Menschen mehr geliebt werden. Sonst soll auch diesen Sündigern die tödliche Seuche heimsuchen." Nur weil dieses arme S...... in Apstinez leen muss, darf er den Menschen doch den Spass nicht verderen ;-) Spass beiseite, ich halte die katholische Kirche überflüssig wie ein Krebsgeschwür. Es wird Zeit für Reformen. Das gerade die ärmsten der armen dieser intitution hinterherlaufen ist ein sehr häufig auftretendes Phänomen unserer Menschheit. Hat man nichts, lässt man sich das Leben noch schwerer machen durch Regeln und Gesetze ,welche von irgendwelchen Greisen im Vatikan aufgelegt worden sind. Nur aufgrund des idiotischen Gedankens nach befolgung dieser Regeln in den Himmel zu kommen und für dieses jämmerliche Leben im diesseits, auf Kosten des westlichen Reichtums, entlohnt zu werden.
5. Hier ist doch der Casus Knacktus
Koda 08.04.2010
Zitat von Power_ShifterDie Worte des Papstes sind mehr als unverantwortlich. Man kann diesem schon fast böse Absicht unterstellen. Wie kann ein studierter Mensch allen Ernstes behaupten, das benutzen von Condomen, würde das Aids Prolem noch verschlimmern. Diese Einstellung klingt nach "Aids ist die gerechte Strafe für alle Menschen, derer der körperlichen Sünde verfallen sind. Tragen diese das Virus in sich, sind Sie des Todes geweiht und dürfen von keinem Menschen mehr geliebt werden. Sonst soll auch diesen Sündigern die tödliche Seuche heimsuchen." Nur weil dieses arme S...... in Apstinez leen muss, darf er den Menschen doch den Spass nicht verderen ;-) Spass beiseite, ich halte die katholische Kirche überflüssig wie ein Krebsgeschwür. Es wird Zeit für Reformen. Das gerade die ärmsten der armen dieser intitution hinterherlaufen ist ein sehr häufig auftretendes Phänomen unserer Menschheit. Hat man nichts, lässt man sich das Leben noch schwerer machen durch Regeln und Gesetze ,welche von irgendwelchen Greisen im Vatikan aufgelegt worden sind. Nur aufgrund des idiotischen Gedankens nach befolgung dieser Regeln in den Himmel zu kommen und für dieses jämmerliche Leben im diesseits, auf Kosten des westlichen Reichtums, entlohnt zu werden.
Es geht bei der Liebe doch nicht primär um Spaß am Sex, sondern um Sex mit jemandem, den man auch innerlich liebt. Von daher kann man sich auch lieben, ohne dauernd Sex zu haben. Abgesehen davon, dass die Bibel und damit auch jede Kirche eine andere Liebe predigt als die zu seinem Partner - oder dies zumindest tun sollte. Daher sollte im Gegensatz zur Liebe mitteils Steigerung der Promiskuität die platonische Liebe zu den Menschen stehen. ALLERDINGS: an der Realität geht dies nun mal vorbei; wer glücklich verheiratet ist, will auch miteinander Sex haben- trotz HIV-Infektion - und wer unglücklich verheiratet ist (oder "verpartnert") und sich noch voll im Saft sieht, sucht sich jemanden. Und dann spätestens dann sind Kondome dringend notwendig. Ein Diokon in spe sagt mir immer zu der Kondomfrage in der kath. Kirche: der Papst und die Kirche können ja dagegen sein; sie verdammen aber die Nutzung der Kondome nicht. D.h. wer Kondome benutzt, handelt zwar nicht kirchenkonform, begeht aber keine Sünde.
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Der Papst und die Piusbruderschaft
Papst
Der Papst ist das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und des Staates Vatikanstadt . Als Völkerrechtssubjekt wird das Kirchenoberhaupt Heiliger Stuhl genannt. Zur Leitung und Verwaltung der Kirche sind dem Papst verschiedene kirchliche Behörden unterstellt, die zusammen die römische Kurie bilden.
Der Papst wird im Konklave , einer Versammlung von Kardinälen , auf Lebenszeit gewählt – als Stellvertreter Jesu Christi auf Erden.
Amtssitz des Papstes ist der Vatikan. Seit 1871 residiert er im Apostolischen Palast neben dem Petersdom .
Römische Kurie
Die wichtigste politische Einrichtung der römischen Kurie ist das Staatssekretariat , das die gesamte Tätigkeit der Kurie und der außenpolitischen Beziehungen des Heiligen Stuhls koordiniert. Es ist in zwei Abteilungen – eine Art Innen- und ein Außenministerium – gegliedert. Beide leitet der Kardinalstaatssekretär – derzeit Tarcisio Bertone . Er wird vom Papst eingesetzt.
Die höchsten Verwaltungsbehörden sind die neun Kurienkongregationen , die nach Sachgebieten gegliedert sind – so gibt es eine für die Glaubenslehre, eine für Gottesdienst und die Sakramente, eine für die Ostkirchen, eine für die Mission etc.
Zur Kurie gehören auch drei Gerichtshöfe für katholisches Kirchenrecht: der Oberste Gerichtshof der Apostolischen Signatur , die Apostolische Pönitentiarie und die Rota Romana .
Außerdem setzt der Heilige Stuhl Päpstliche Räte ein, die keine Regierungsfunktion haben, sondern der Information und der Kontaktpflege auf verschiedenen Gebieten dienen. So befasst sich ein Päpstlicher Rat mit den Laien, einer mit der Einheit der Christen, der Interpretation von Gesetzestexten usw.
Ämter der Kurie sind die Apostolische Kammer , die Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls und die Präfektur für die Wirtschaftsangelegenheiten des Heiligen Stuhls .
Mit der römischen Kurie verbunden sind verschiedene Institutionen, darunter das Vatikanische Archiv , die Vatikanische Bibliothek und Radio Vatikan .
Piusbrüder
Die Piusbruderschaft ist eine der bedeutenderen Abspaltungen der katholischen Kirche . Sie wurde 1970 von dem konservativen und später exkommunizierten Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und lehnt ab, zentrale Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils umzusetzen: Sie verweigert sich gegen die Anpassung an die moderne Welt, weshalb die Piusbrüder ihre Messen bis heute auf Latein lesen, und lehnt Religionsfreiheit und Ökumene ab. Nach jahrelangem Streit mit Rom kam es 1988 zum Schisma . Papst Johannes Paul II. exkommunizierte den Gründer Lefebvre und vier weitere Bischöfe. Im Januar hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation auf.
Antisemitismus
Leitende Brüder der konservativen Piusbruderschaft halten daran fest, dass die Juden kollektiv schuld am "Gottesmord" , der Kreuzigung Jesu Christi, sind – ein zentrales Motiv des Antisemitismus .
Indem Papst Benedikt XVI. die Piusbrüder zurück in den Schoß der katholischen Kirche aufnahm, geriet er selbst unter Antisemitismusverdacht.
Besonders belastet wurde die Beziehung zwischen Vatikan und jüdischen Organisationen jedoch durch einen Ausspruch des britischen Piusbruders Bischof Richard Williamson : Er hatte in einem TV-Interview den Holocaust und die Existenz von Gaskammern geleugnet.