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Kritik an Benedikt-Rede: Ranke-Heinemann wirft Papst Homosexuellen-Hatz vor

"Abwegig, hetzerisch, unverantwortlich" - Schwulenverbände und Politiker üben heftige Kritik an einer Festtagsrede des Papstes. Er hatte die Homo-Ehe als widernatürlich verdammt. Die Theologin Uta Ranke-Heinemann fühlt sich sogar an kirchlich verordnete Homosexuellen-Verbrennungen erinnert.

Theologin Ranke-Heinemann: "Drohbotschaft gegen Homosexuelle"
DPA

Theologin Ranke-Heinemann: "Drohbotschaft gegen Homosexuelle"

Hamburg/Vatikan-Stadt - "Völlig unverantwortlich", "eine Drohbotschaft gegen Homosexuelle": Papst Benedikt XVI. hat mit seiner Ansprache zum Jahresende, in der er sich gegen Geschlechtsumwandlungen und die Homo-Ehe wandte, scharfe Kritik ausgelöst.

Der Grünen-Parlamentarier Volker Beck sprach von "hetzerischen Worten". Die Papst-Kritikerin Uta Ranke-Heinemann bezeichnete die Rede des katholischen Kirchenoberhauptes als "Drohbotschaft gegen die Homosexuellen". Sie dürfe "nicht unwidersprochen bleiben", sagte Ranke-Heinemann SPIEGEL ONLINE. Die Geschichte der Homosexuellen im Christentum sei "eine zu bittere Geschichte."

"Das Christentum hat, sobald es zur Macht kam, versucht, die Homosexuellen auszurotten", sagte die Theologin, die weltweit als erste Frau eine Professur für katholische Theologie erhielt. Die Christen hätten eineinhalb Jahrtausende "auf päpstlichen Befehl die Homosexuellen verbrannt".

Auch Homosexuellenverbände äußerten sich empört: Die Aussagen des Papstes seien "völlig unverantwortlich", sagte am Dienstag die Vorsitzende der christlichen Schwulen- und Lesbenvereinigung in Großbritannien, Sharon Ferguson.

Der Vorsitzende der Vereinigung Inclusive Church in England, Giles Fraser, erklärte, der Papst verbreite mit seinen Worten "die Furcht, dass die Homosexuellen den Planeten bedrohen". Dies sei "völlig abwegig", fügte Franser hinzu.

"Die Natur gibt andere Antworten als der Papst", empört sich Aurelio Mancuso. Der Vorsitzende des italienischen Homosexuellenverbands "Arcigay" zeigt sich beunruhigt ob dieser kirchlichen Diskriminierung: "Wir sind sehr besorgt, denn das vergangene Jahr war für die Homosexuellen in Italien schon schlimm genug", sagte er SPIEGEL ONLINE. Die Zahl der gewaltsamen Übergriffe auf Schwule und ihre Organisationen sei immens gestiegen, die Community zu Recht verunsichert: "Die Zeichen stehen auf Konfrontation - die Leute haben wirklich Angst", so Mancuso.

Wenn der Papst in einem solchen Moment die gleichgeschlechtliche Liebe als unnatürlich bezeichne, sei dies ein "ebenso persönliches wie politisches Statement". "Damit stellt er sich in eine Reihe mit der Regierung von Berlusconi und der in Sachen Bürgerrechte untätigen linken Opposition im Land."

Der Papst hatte sich am Montag vor der Kurie mit der Gender-Theorie auseinandergesetzt, nach der die Zuordnung von weiblichen und männlichen Rollen weitgehend gesellschaftlich bestimmt und nicht von der Natur vorgegeben ist. Dahinter stehe ein Versuch des Menschen, sich von der Schöpfung zu emanzipieren, sagte Benedikt XVI. Die Gender-Theorie stelle die "Natur des menschlichen Wesens als Mann und Frau" in Frage.

Die lebenslange Verbindung von Mann und Frau sei ein "Sakrament der Schöpfung", erklärte der Papst - und erteilte damit jeder anderen Form des ehelichen Zusammenlebens, also vor allem der Homo-Ehe, eine Absage.

Die Menschheit solle auf "die Stimme der Schöpfung" hören, um die vorgegebenen Rollen von Mann und Frau zu verstehen. Alles andere käme "einer Selbstzerstörung des Menschen und der Zerstörung von Gottes Werk selbst" gleich.

Die katholische Kirche vertritt die Auffassung, dass Homosexualität keine Sünde darstellt - der homosexuelle Geschlechtsakt hingegen schon. Erst im Oktober hatte ein führendes Mitglied des Vatikans die gleichgeschlechtliche Liebe als "Abweichung und Unregelmäßigkeit" bezeichnet.

hen/alaAFP/Reuters

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