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Papstbesuch mit Nebenwirkungen: Kuba feiert ausnahmsweise Karfreitag

Da sage noch einer, Papstreisen seien reiner Glaubens-Tourismus: Die Kubareise von Papst Benedikt XVI. verpuffte nicht wirkungslos. Auf Bitte des Papstes hat Kubas kommunistischer Präsident Raúl Castro den Karfreitag ausnahmsweise und zunächst einmalig zum Feiertag erklärt.

Papst in Kuba: Messe mit 200.000 Menschen Fotos
DPA

Havanna - Unmittelbar nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Kuba hat Präsident Raúl Castro dessen Wunsch erfüllt und den bevorstehenden Karfreitag zum offiziellen Feiertag erklärt. Wie die Zeitung der Kommunistischen Partei Kubas, "Granma", in ihrer Samstagsausgabe berichtete, gilt die Entscheidung der Regierung ausnahmsweise, "zu Ehren ihrer Heiligkeit", dem Papst, zunächst nur für dieses Jahr. Es liege beim Parlament, eine endgültige Entscheidung zu dieser Frage zu treffen.

Der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi, nannte die Entscheidung ein "sehr positives Zeichen". "Der Heilige Stuhl hofft, dass dies die Teilnahme an religiösen Feiern und am Osterfest begünstigen wird", erklärte er.

Vorläufig? War Weihnachten auch einmal

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Papst durch eine Kubareise die Zahl der dortigen Feiertage vermehrt hat. Der Vorgänger des jetzigen Papstes, Johannes Paul II., hatte vor seinem Kuba-Besuch im Januar 1998 angeregt, Weihnachten zum Feiertag in Kuba zu erklären. Diesem Wunsch war der damalige Präsident, Fidel Castro, nachgekommen. Der 25. Dezember 1997 wurde zum Feiertag erklärt, und seitdem ist Weihnachten auf Kuba ein gesetzlicher Feiertag.

Das einst von spanischen Eroberern entvölkerte und sodann kolonialisierte Kuba war bis zur Revolution von 1959 wie viele Staaten Lateinamerikas und der Karibik vor allem katholisch geprägt. Seitdem ist es eine sozialistische Republik - eine der letzten ihrer Art und zudem direkt vor der Haustür der USA gelegen. Im Kalten Krieg spielte Kuba deshalb eine strategische Schlüsselrolle und wurde von der Sowjetunion, aber auch der DDR lange Zeit logistisch und finanziell unterstützt.

Seit dem Zusammenbruch des so genannten Ostblocks ab 1989 ist das seit nun mehr als 50 Jahren unter strengen Embargos westlicher Staaten stehende Kuba verarmt. Von einer akut verschärften, durch die katastrophal verlaufende Hurrikansaison 2008 eingeleiteten Wirtschaftskrise hat sich Kuba noch immer nicht erholt. Seit 2010 leitete der amtierende Präsident Raúl Castro erste Wirtschaftsreformen ein, die sich unter anderem am Modell Chinas orientieren und die staatliche Lenkung der Wirtschaft ein wenig aufgelockert haben. Hoffnungen verbindet Kuba auch mit einer Intensivierung des seit einigen Jahren wieder auflebenden Tourismus.

pat/AFP

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