Boeing-Absturz Unglücksflugzeug in Kuba war fast 40 Jahre alt

Nach dem Absturz einer Boeing 737-200 in Kuba mit mehr als 100 Todesopfern werden Details bekannt. Sie werfen ein Licht auf die desolate Lage der heimischen Luftfahrt, die ohne ausländische Hilfe nicht mehr existieren könnte.

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Es war um kurz nach Zwölf am Freitagmittag Ortszeit, als der Pilot von Flug DMJ 0972 die Kontrolle über seine Boeing 737-200 verlor. Die Maschine hatte gerade vom internationalen Flughafen José Martí in Havanna in Richtung Holguín abgehoben, einem Touristenzentrum im Osten Kubas, 670 Kilometer von Havanna entfernt. 104 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder waren an Bord, als der Flieger der mexikanischen Chartergesellschaft Dahmoj gleich nach dem Start an Höhe verlor.

Um 12.08 Uhr stürzte die Boeing, die im Auftrag der staatlichen kubanischen Fluglinie "Cubana" flog, auf ein Süßkartoffelfeld kurz hinter dem Flughafen, nur 200 Meter von Wohnanlagen entfernt. Die Maschine brach in mehrere Teile und ging in Flammen auf. Vom Airport in Havanna aus war eine dichte und dicke schwarze Rauchwolke zu sehen, wo die Maschine abgestürzt war. An Bord waren hauptsächlich Kubaner sowie fünf Ausländer, darunter Mexikaner und ein argentinisches Ehepaar. Auch fünf Kinder befinden sich unter den Opfern. Die Besatzung stammte aus Mexiko.

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Kuba: "Hohe Zahl an Opfern"

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel, der erst im April das Amt von Raul Castro übernommen hatte, eilte zur Unfallstelle. Augenzeugen berichteten, die Maschine sei kurz nach dem Start "plötzlich in der Luft stehengeblieben" und dann wie ein Stein heruntergefallen. Feuerwehr, Polizei und rund 20 Ambulanzen waren rasch an der Unglücksstelle rund 20 Kilometer außerhalb von Havanna. Drei Frauen und ein Mann konnten zunächst lebend gerettet werden und wurden in das Hospital Calixto García der kubanischen Hauptstadt gebracht. Dort verstarb der männliche Überlebende kurz nach der Einlieferung.

Wer steckt hinter Damojh-Air?

Wenige Stunden nach dem Unglück konzentrierten sich die Ermittler auf den Zustand des Flugzeugs und die Einzelheiten zu der Airline. Warum flog eine mexikanische Chartergesellschaft für Cubana? Wer steckt hinter Damojh-Air? Und warum war eine Boeing noch im Einsatz, die 1979 in Betrieb gestellt worden war? Boeing kündigte noch am Freitagabend an, ein Expertenteam nach Kuba zu entsenden, was trotz des jahrzehntealten Embargos der USA gegen die Insel möglich sei.

Cubana de Aviación, die Staatslinie der kommunistischen Karibikinsel, hat seit Längerem Probleme mit der eigenen Flotte und chartert daher verstärkt Maschinen, die bestimmte nationale und internationale Routen abdecken. Ende März stellte Cubana vorübergehend alle Inlandsflüge ein, weil die Flieger technische Probleme hatten. Derartige Ausfälle sind bei Cubana häufig. Allein auf der Route zwischen Holguín und Havanna sind nach Angaben lokaler Medien 2016 mehr als die Hälfte der Flüge verspätet gewesen oder wurden gestrichen. Erst am Donnerstag hatte sich Staatsmedien zufolge Vizepräsident Salvador Valdés Mesa mit den Cubana-Chefs getroffen, um sich über die Probleme bei der Wartung der Flugzeuge der Fluggesellschaft zu informieren.

Planmäßige Großinspektion Ende November

Aerolíneas Damojh S.A. de C.V., die in ihrem Heimatland Mexiko auch schlicht als "Global Air" bekannt ist, verfügte bis zum Unglück vom Freitag über drei Flugzeuge. 2011 besaß die Airline, die 1990 in Guadalajara gegründet worden war, noch neun Flugzeuge. Sie war darauf spezialisiert, ihre Maschinen an kleine und finanziell nicht so üppig ausgestattete Gesellschaften vor allem in Lateinamerika zu verchartern. Nach Angaben der mexikanischen Flugaufsicht und Berichten lokaler Medien besaß Global Air die notwendigen Zulassungen zum Verchartern ihrer Flugzeuge. Auch die letzte Großinspektion an dem Unglücksflieger sei Ende November planmäßig vorgenommen worden. Von Global Air war bisher nur ein Zwischenfall bekannt. 2010 musste eine der Boeings 737 im mexikanischen Urlaubsort Puerto Vallarta wegen eines Problems am Fahrwerk notlanden.

Der letzte größere Unfall einer Passagiermaschine auf Kuba datiert von 2010. Damals war ein Flugzeug der Airline Aerocaribbean mit Touristen an Bord auf dem Weg vom Santiago de Cuba am östlichen Ende der Insel nach Havanna abgestürzt. Alle 68 Insassen, darunter zwei Deutsche, starben. Das jüngste Unglück ereignete sich vor 13 Monaten, als ein Militärflieger russischer Bauart nahe Havanna gegen einen Berg flog. Damals starben acht Soldaten.



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