L'Oréal-Milliardenstreit Tochter scheitert im Prozess gegen Clan-Chefin

Die Tochter der greisen L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt ist vor Gericht mit dem Versuch gescheitert, die Vormundschaft für ihre Mutter zu übernehmen. Anlass des Streits waren Zuwendungen der 87-Jährigen an einen jüngeren Mann.

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Paris - Die künftige Erbin des milliardenschweren Kosmetikkonzerns L'Oréal hat im Streit mit ihrer Mutter eine juristische Niederlage erlitten.

Ein Gericht im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine lehnte ihren Antrag auf Vormundschaft für die 87-jährige Liliane Bettencourt ab, wie der Anwalt der Tochter am Mittwoch mitteilte. Françoise Bettencourt-Meyers klagt derzeit auch gegen einen Fotografen, den ihre Mutter reich beschenkte.

Der zuständige Richter habe Bettencourt-Meyers' Antrag auf Vormundschaft abgewiesen, weil ihm kein medizinisches Gutachten zu der L'Oréal-Haupteignerin vorliege, sagte Rechtsanwalt Olivier Metzner. "Das Problem ist, dass Liliane Bettencourt ein medizinisches Gutachten immer abgelehnt hat."

Seine Mandantin will ihre Mutter - eine der reichsten Frauen der Welt - entmündigen lassen, weil sie Freunden jahrzehntelang millionenschwere Geschenke gemacht hatte.

Am Freitag soll ein Gericht im Großraum Paris darüber entscheiden, ob der Klage von Bettencourt-Meyers gegen den französischen Künstler François-Marie Banier stattgegeben wird.

Die Tochter der Milliardärin wirft dem 62-Jährigen vor, die Unzurechnungsfähigkeit ihrer Mutter ausgenutzt zu haben, um sich Geschenke zu erschleichen. Banier soll im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte Bargeld, Gemälde und Lebensversicherungen im Wert von fast einer Milliarde Euro von seiner Gönnerin bekommen haben.

"Alles, was sie mir geschenkt hat, ist nichts im Vergleich zu dem, was sie mir beigebracht hat", sagte Banier im Gespräch mit "Le Monde", seinem ersten Interview zu der Angelegenheit. "Nichts neben dem Schatz an Zuversicht, Hoffnung und Eleganz, der mir zuteil wurde." Sollte es zu einem Verfahren kommen, werde sich zeigen, "wer unter wessen Einfluss stand", sagte der Fotograf und Schauspieler, der Bettencourt nach eigenen Worten seit 1969 kennt. Die L'Oréal-Erbin sei "vollkommen klar" im Kopf.

Bettencourt selbst hatte vergangenes Jahr in einem Interview gesagt, gemessen an ihrem Vermögen seien die Geschenke "nicht sehr teuer" gewesen.

pad/AFP



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