Landbevölkerung in Burma Opium, die einzige Chance

Opium ist für viele Landbewohner in Burma Lebensgrundlage. Seit einigen Monaten kämpft die Regierung verstärkt gegen das Rauschgift, zerstört Anbaufelder. Eine Fotoreportage zeigt, dass viele Familien damit vor dem Nichts stehen - und sich die Frage stellen, wie es weitergehen soll.

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Rangun - "Bisher war alles in Ordnung", sagt Moe Mohm und fängt an zu weinen. Die Bauersfrau aus Burma sitzt in ihrer Hütte. Ihr Mann ist gestorben. Mohm ist allein mit ihren sechs Töchtern - und muss Schlafmohn anbauen, um die Familie durchzubringen. Dann kam die Polizei, zerstörte mit Stockschlägen ihr Feld mit den Pflanzen, deren Saft die Grundlage für Opium ist. "Ich weiß nicht weiter, was ich tun soll, wie ich meine Kinder ernähren soll", sagt Mohm.

Seit Jahren versucht die Regierung in der Region, die Opiumproduktion zu unterbinden. Vergeblich - zerstörte Felder sind bald wieder bebaut oder lokale Milizen vertreiben die Polizei. Derzeit herrscht zwar eine Art Waffenruhe. Aber die Frage ist, was danach kommen soll. Wenn die Leute aufhören sollen, Schlafmohn anzubauen, muss man ihnen in dem gespaltenen und gemarterten Land etwas bieten.

Frieden allein reicht nicht, die Menschen brauchen ein Einkommen. Mit Schlafmohnanbau verdienen die Dorfbewohner drei- bis viermal so viel wie mit dem Anbau von Kartoffeln. Ohne die Opiumproduktion haben sie nicht genug Geld, um Lebensmittel zu kaufen.

Eine mögliche Alternative wäre Knoblauch. Aber dafür sind die Transportkosten so hoch, dass sich der Anbau nicht lohnt. Die Leute lassen Knoblauch einfach auf den Feldern verrotten. Bei Opium hingegen gibt es dieses Problem nicht. Käufer auf Motorrädern fahren bis ins Dorf und bezahlen bar. So kommt Frau Mohm an ihr Geld für Essen, den Schulbesuch ihrer Töchter und Opfergaben für die Götter.

Opium bedeutet Überleben

Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) bemüht sich, neue Lösungen anzubieten, den Menschen eine Perspektive zu verschaffen für die Zeit, wenn die Mohnfelder zerstört worden sind. Die internationale Gemeinschaft will die sachte, allmähliche demokratische Öffnung des Landes unterstützen.

Die Uno-Delegation trifft sich mit Dorfbewohnern, den Milizen, buddhistischen Mönchen. Sie verspricht Hilfe - die Einheimischen hören zu, machen aber keine Zusagen. Man müsste in der Tat erst einmal in Vorleistung gehen - die Regierung treibt die Zerstörung der Mohnfelder und damit der Lebensgrundlage voran. In den vergangenen drei Monaten wurden viermal mehr Mohnfelder zerstört als im Rest des Jahres 2011.

Viele der Menschen haben ihr Leben lang nichts anderes gemacht, als Opium herzustellen. Für sie ist es schwer zu verstehen, dass das auf einmal illegal sein soll. Opium bedeutet Überleben, ist oftmals die einzige Medizin, die es gibt.

Der Wandel Burmas ist in den ländlichen Gebieten häufig noch nicht recht angekommen. In den Opiumdörfern gibt es kein Bild von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi. Fälle wie die von Frau Mohm zeigen: Der Weg zu Frieden und Aufschwung in Burma verläuft durch die Schlafmohnfelder.

Damir Sagolj, Reuters

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