1977 entführte Lufthansa-Maschine Die "Landshut" kommt nach Friedrichshafen

Heimkehr einer Zeugin der Zeitgeschichte: Das Auswärtige Amt hat die "Landshut" gekauft. Im Dornier-Museum am Bodensee soll die Lufthansa-Maschine aus dem "Deutschen Herbst" eine Heimat finden.

imago/ Agencia EFE

Für viele ist sie das Symbol des "Deutschen Herbstes", doch auf einem Flugplatz im brasilianischen Fortaleza rottet sie vor sich hin: Nach langen Verhandlungen hat die Bundesregierung die ehemalige, einst von palästinensischen Terroristen entführte Lufthansa-Maschine "Landshut" nun für rund 20.000 Euro gekauft - um sie in einem Museum im baden-württembergischen Friedrichshafen auszustellen. Der Preis entspreche dem von einem Gutachter errechneten Schrottwert, heißt es.

"Die 'Landshut' ist wichtige Zeugin der deutschen Zeitgeschichte, gerade angesichts des nahenden Jahrestags der Entführung", begründet das Auswärtige Amt seinen Entschluss für einen Kaufvertrag mit dem Flughafenbetreiber Infraero. "Für uns stand fest: Das Flugzeug gehört nicht in die Schrottpresse, sondern nach Deutschland."

Vier palästinensische Terroristen hatten die "Landshut", Flug LH 181 von Palma de Mallorca nach Frankfurt am Main am 13. Oktober 1977 gekapert. So wollten die Terroristen unter anderem den Druck auf Kanzler Helmut Schmidt erhöhen, im Austausch für den damals von der "Roten Armee Fraktion" (RAF) entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer inhaftierte Gesinnungsgenossen freizulassen - und 15 Millionen Dollar Lösegeld zu zahlen.

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Die "Landshut" in Brasilien: Rostige Reminiszenz

86 Touristen und fünf Besatzungsmitglieder erlebten in der "Landshut" ein Martyrium, Pilot Jürgen Schumann wurde erschossen. Erst nach fünf Tagen endete die Entführung mit der Befreiung durch die damals neue Spezialeinheit GSG9 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Drei der vier Terroristen starben dabei, sämtliche Passagiere wurden gerettet. Terroristen töteten daraufhin Schleyer - und die inhaftierten RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe nahmen sich das Leben. (Lesen Sie hier ein Protokoll der Ereignisse.)

Nachdem die Maschine in Brasilien wiederentdeckt worden war, gab es um die Rückholung einen monatelangen Wettlauf. Mehrere deutsche Städte bekundeten Interesse an dem Flugzeug. Außer Friedrichshafen wollten etwa auch Initiativen aus Flensburg, dem hessischen Griesheim sowie aus Landshut die Maschine ausstellen - oder ihr sogar ein eigenes Museum bauen.

Der frühere Co-Pilot der "Landshut", Jürgen Vietor, hätte wiederum einen ganz anderen Standort bevorzugt: Das Haus der Geschichte in Bonn. "Hier wurden in unmittelbarer Nachbarschaft Entscheidungen über Leben und Tod getroffen", hatte der 74-Jährige im Frühjahr gesagt. Doch das Museum winkte ab. Kein Platz, hieß es.

"Wir haben alle Optionen geprüft", heißt es nun aus dem Auswärtigen Amt. Das Museum in Friedrichshafen biete die richtigen Rahmenbedingungen. "Die Dornier-Stiftung hat den Platz und die Räumlichkeiten, um die Geschichte der 'Landshut' würdigen zu können."

Seit 2008 steht die ausrangierte Boeing 737 in Fortaleza. Die 1970 in Dienst gestellte Maschine ist in einem sehr schlechten Zustand. Die Außenhaut ist verwittert, Kabinenfenster sind zugeklebt, die Reifen platt, die Turbinen beschädigt. Ein Team der Lufthansa soll die "Landshut", die zuletzt als Frachtmaschine im Einsatz war, nun demontieren. Per Flugzeug soll sie laut Amt so bald wie möglich nach Deutschland transportiert werden.

apr

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