Religiöse Indoktrinierung Katholikin gefeuert, weil sie keine Scientology-Videos gucken wollte

In Las Vegas ist eine Frau entlassen worden, weil sie sich weigerte, Werbevideos der umstrittenen Scientology-Kirche zu gucken. Die Katholikin klagt gegen den republikanischen Firmenboss.

Scientology-Hauptquartier in Clearwater im US-Bundesstaat Florida
AFP

Scientology-Hauptquartier in Clearwater im US-Bundesstaat Florida


Grecia Echevarria-Hernandez war froh, als sie einen Job beim Trinkwasserabfüller "Real Alkalized Water" in Las Vegas fand. Dort sollte sie als "Markenbotschafterin" tätig sein. Die Firma verkauft Trinkwasser, das "mit Elektronen versetzt" wurde, um "das körperliche Gleichgewicht wieder herzustellen" und damit der Konsument sein "volles Potenzial erreichen kann".

Doch die Freude währte nicht lange: Die gesamte Belegschaft wurde laut Echevarria-Hernandez gezwungen, an Seminaren der hoch umstrittenen Scientology-Kirche teilzunehmen. Sie habe Videos anschauen müssen, ihr sei versprochen worden, dass jeder absolvierte "Besserungskurs" ihr eine Lohnerhöhung von 25 Cent in der Stunde einbringen werde, berichtete Echevarria-Hernandez.

Als die gläubige Katholikin ihrem Vorgesetzten unmissverständlich klarmachte, dass sie nicht die Absicht habe, sich indoktrinieren zu lassen und an Scientology-Kursen teilzunehmen, wurde sie entlassen. Offizielle Begründung: Ihre Leistungen seien nicht ausreichend gewesen.

Echevarria-Hernandez ließ sich nicht einschüchtern und ging vor Gericht. Sie verklagte das Unternehmen auf Schadensersatz wegen Diskriminierung und unerlaubter Entlassung.

"Die Klägerin fühlte sich von den anderen Angestellten ausgegrenzt, weil diese demselben Glauben anhingen und nicht damit einverstanden waren, dass sie nicht an den Kursen teilnehmen wollte", heißt es in der Klageschrift. Die Entlassung sei nicht auf schlechte Leistungen zurückzuführen, sondern auf die Tatsache, dass man sie aufgrund ihrer kritischen Haltung gegenüber Scientology habe loswerden wollen.

Abgeordneter Brent Jones aus dem US-Bundesstaat Nevada
AP

Abgeordneter Brent Jones aus dem US-Bundesstaat Nevada

Das Unternehmen "Real Alkalized Water" gehört dem republikanischen Abgeordneten Brent Jones aus dem US-Bundesstaat Nevada. Sein Sohn Blain Jones führt die Geschäfte und hat ebenfalls politische Ambitionen. Beide äußerten sich bisher nicht zu den Vorwürfen. Jones Senior macht aus seiner Verbindung zur Scientology kein Geheimnis und hat auch öffentlich darüber gesprochen.

Das Verfahren wurde noch nicht eröffnet. Eine gerichtliche Entscheidung werde aber ganz wesentlich vom Inhalt der im Unternehmen gezeigten Videos abhängen, sagte der Arbeitsrechtler Ruben Garcia. Es müsse geklärt werden, wie missionarisch die Botschaft gewesen sei.

ala/AP



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