Country-Musiker in Las Vegas "Wir hatten Waffen. Sie waren nutzlos"

Sein Leben lang war Caleb Keeter nach eigener Auskunft ein Verfechter des US-Waffenrechts. Nun wurde der Country-Musiker Zeuge des Massenmords in Las Vegas - und hat seine Meinung offenbar geändert.

Caleb Keeter (Archiv)
Getty Images

Caleb Keeter (Archiv)


Immer wieder nach sogenannten Mass Shootings, nach Angriffen in Schulen oder am Arbeitsplatz, wird in den USA über das Waffenrecht diskutiert. Also alle paar Monate, denn leider kommt es in den Vereinigten Staaten in fürchterlicher Regelmäßigkeit zu Schießereien mit vielen Toten.

Allein: Es ändert sich nichts. Die Waffenlobby verweist stets auf ihren Standpunkt, dass mehr Waffen auch mehr Sicherheit bedeuteten. Zu einem Schlagwort in der Debatte ist das Second Amendment geworden - der zweite Zusatzartikel der US-Verfassung, der es verbietet, das Recht der Bürger auf Waffen einzuschränken.

"Ich bin mein ganzes Leben lang ein Befürworter des Second Amendment gewesen", schrieb nun der Musiker Caleb Keeter auf Twitter. "Bis letzte Nacht. Ich kann nicht ausdrücken, wie falsch ich lag."

Keeter ist Gitarrist der Josh Abbott Band, die am Wochenende auf dem "Route 91 Harvest Festival" in Las Vegas spielte. Dort, wo der 64-jährige Stephen Paddock aus einem Hotelzimmer heraus auf Konzertbesucher schoss, mindestens 59 Menschen tötete und mehrere Hundert verletzte.

"Crewmitglieder von uns haben Waffenlizenzen", schrieb Keeter. Sie hätten sogar Waffen im Bus gehabt. "Sie waren nutzlos."

"Wir nahmen die Waffen nicht, weil wir Angst hatten, die Polizei würde uns für Täter halten", so Keeter weiter. "Ein Mann konnte eine Stadt verwüsten, weil er eine wahnsinnige Menge an Feuerkraft hatte, während mutige Polizisten verzweifelt zu helfen versuchten."

Fotostrecke

16  Bilder
Las Vegas: Schüsse aus dem Hotelzimmer

Er habe sich schon von seinen Eltern sowie der Liebe seines Lebens verabschiedet und ein Testament gemacht, schrieb Keeter. Er habe nicht geglaubt, die Nacht zu überleben. Jedes Maß sei verloren gegangen. "Die Geschosse waren so stark, dass Splitter meine Freunde trafen, die in der Nähe eines Opfers standen, das dieser verdammte Feigling getroffen hat."

Genug sei genug, so Keeter. "Wir brauchen ein Waffengesetz. Jetzt."

Er bedauere, dass er erst angesichts der eigenen Bedrohung zu dieser Einsicht komme. "Ich und meine Freunde hatten unfassbares Glück, dass wir nicht zu den Menschen gehörten, die dieser Verrückte getötet oder schwer verletzt hat."

Der Beitrag des Musikers erregte großes Aufsehen - wahrscheinlich auch, weil sich ausgerechnet ein Mitglied einer texanischen Country-Band so entschlossen äußert. Deren Fans stammen üblicherweise aus dem republikanischen Milieu, in dem das Waffenrecht als unverzichtbar erachtet wird. Der Twitter-Beitrag wurde tausendfach kommentiert und mehr als 50.000-mal geteilt.

Darauf angesprochen, dass er erst die Feuerwehr rufe, wenn es vor seiner eigenen Haustüre brenne, erwiderte Keeter: "Ihr habt recht. Ich habe jahrelang zugesehen und nichts getan. Aber jetzt will ich alles tun, was in meiner Macht steht."

Lesen Sie hier einen Kommentar zur verlogenen Debatte um das US-Waffenrecht.

hut/AP

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.