Lawinenunglück am Mont-Blanc-Massiv Alle vermissten Alpinisten leben

Am Mont-Blanc-Massiv hat es ein schweres Lawinenunglück gegeben: Neun Alpinisten kamen dabei ums Leben, darunter auch drei Deutsche. Vier Menschen galten einen Tag lang als vermisst. Sie wurden inzwischen lebend gefunden.

AFP

Hamburg - Bei einem der schwersten Unglücke in den französischen Alpen hat eine Lawine am Mont-Blanc-Massiv neun Menschen in den Tod gerissen, mindestens neun Menschen erlitten Verletzungen. Unter den Todesopfern sind auch drei Deutsche, entsprechende Berichte hat das Auswärtige Amt in Berlin inzwischen bestätigt.

Vier Menschen galten nach dem Vorfall als vermisst, bis zum Abend konnten sie alle lebend gefunden werden. Zwei von ihnen hätten eine andere Route genommen, sagte die französische Polizei der Nachrichtenagentur AFP in Chamonix. Zwei weitere haben die Tour demnach gar nicht erst angetreten. "Es bleibt bei neun Todesopfern", sagte Emmanuel Vegas von der Polizei in Chamonix. "Auf der Liste der Vermissten ist keiner mehr."

Das Unglück hatte sich am Mont Maudit ereignet, einem mehr als 4400 Meter hohen Berg der Mont-Blanc-Gruppe, übersetzt bedeutet der Name "verfluchter Berg". Nach Angaben der Präfektur von Chamonix hatte sich ein 40 Zentimeter dicker Eisblock gelöst und war den Hang hinabgerutscht - dadurch sei ein zwei Meter dickes und 50 Meter langes Schneebrett entstanden.

Nach Einschätzung des Colonel der Brigade Haute-Savoie könnte ein Bergsteiger die Lawine losgetreten und damit die Tragödie selbst entfesselt haben. "Der Hang ist an dieser Stelle wirklich sehr, sehr steil."

Die Lawine soll zwei internationale Seilschaften mit insgesamt 28 Bergsteigern mitgerissen haben. Dabei waren die Alpinisten gut ausgerüstet, betont der Bürgermeister von Chamonix, Eric Fournier. Auch professionelle Hochgebirgsführer waren bei der Tour dabei. Die Route sei eine der beliebtesten, um den Mont Blanc zu besteigen.

Alarmiert wurden die Retter gegen 5.25 Uhr von einem der Verletzten. Die Behörden leiteten umgehend einen Großeinsatz ein. Die französische Gendarmerie durchkämmte mit Lawinensuchhunden den Unglücksort, zwei Helikopter spähten von der Luft aus nach den Verschütteten, zahlreiche freiwillige Helfer aus dem Tal schlossen sich der Suche an. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht. Neben den drei Deutschen sind nach Angaben der Präfektur von Chamonix auch ein Schweizer, drei Briten und zwei Spanier gestorben.

Bergsteiger hatten bereits in den vergangenen Tagen von Schneebrettern in der Gegend berichtet. Vor fünf Tagen twitterten Kletterer über heftigen Regen in Chamonix, der in 3000 Metern Höhe zu Schnee wurde. Die örtlichen Behörden hatten Bergsteiger jüngst zur Vorsicht gemahnt, da das Frühjahr ungewöhnlich schneereich war und die Gefahr von Lawinen daher groß sei. Nach Angaben des Wetterdienstes Météo France gab es starke Winde in dem Gebiet.

Laut Behörden war es das schlimmste Unglück seit mehreren Jahren im Mont-Blanc-Massiv. Im August 2008 waren dort acht Bergsteiger durch eine Lawine getötet worden - vier Deutsche, drei Schweizer und ihr österreichischer Bergführer.

Der 4465 Meter hohe Mont Maudit liegt in der Mont-Blanc-Gruppe am Nordostgrat. Die Talorte für Besteigungen des Gipfels sind das französische Charmonix und Courmayeur in Italien. Die drei Berge Mont Blanc du Tacul, Mont Maudit und Mont Blanc sind als Ziel bei Alpinisten im Sommer sehr beliebt. Der Montblanc ist mit 4810 Metern der höchste Berg der Alpen.

aar/dpa/AFP



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