Urteil in Straßburg Leihmutterschaft darf verboten bleiben

Elternschaft nur bei biologischer Verwandtschaft: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das Verbot von Leihmutterschaft in Italien bestätigt.

Schwangere (Symbolbild)
DPA

Schwangere (Symbolbild)


Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Position von Ländern gestärkt, in denen Leihmutterschaft verboten ist. Die Straßburger Richter lehnten die Klage eines italienischen Paares ab, das in Russland ein Kind von einer Leihmutter zur Welt hatte bringen lassen, sowohl die Eizelle als auch der Samen stammten von Unbekannten. Um ohne langwierige Adoptionsverfahren ein Kind zu bekommen, hatte das Paar einen Leihmutterschaftsvertrag in Moskau geschlossen.

Die Behörden in Italien durften dem Paar das Kind daraufhin wegnehmen, um das nationale Leihmutterschafts-Verbot durchzusetzen, entschied der Gerichtshof. Zum einen seien weder der Mann noch die Frau mit dem Kind biologisch verwandt. Da der Junge zum anderen erst wenige Monate bei den Wunscheltern gelebt hatte, überwiege das Interesse des Staates, "Unordnung zu verhindern", so das Urteil.

Kind landete in Waisenhaus und Pflegefamilie

Das Kind kam in ein Waisenhaus, später zu einer Pflegefamilie. Vor dem Menschenrechtsgerichtshof hatte das Paar versucht, dagegen vorzugehen. Doch in Italien bleibt - wie in Deutschland - die Leihmutterschaft verboten. "Der Gesetzgeber befürchtet eine Kommerzialisierung", erklärte der Medizinrechtler Hans-Georg Koch die Probleme. "Denn die Frau, die das Kind über neun Monate lang austrägt, muss ja irgendwie entschädigt werden."

Darüber hinaus gebe es zahlreiche ungelöste Fragen. Was passiert, wenn das Kind nicht wie vorgestellt ausfällt - es behindert ist oder Zwillinge geboren werden? Oder die Leihmutter es sich anders überlegt und das Kind behalten will? Russland erlaubt trotz allem - wie etwa auch die Ukraine oder die USA - unter bestimmten Umständen die Praxis.

In der ersten Instanz hatte der Menschenrechtsgerichtshof noch das Kindeswohl in den Vordergrund gerückt. Ein Kind aus einer Familie zu nehmen, sei eine extreme Maßnahme, die nur als letztes Mittel in Betracht kommen dürfe, hieß es in der damaligen Entscheidung.

Aktenzeichen: EGMR 25358/12

apr/dpa



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