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25. Juni 2012, 15:15 Uhr

Leipzig

Behörden untersuchen Tod von Mutter und Kind

Sind vor dem Tod einer drogensüchtigen Mutter und ihres Sohnes in Leipzig Fehler passiert? Die zuständigen Ämter haben sich zur Krisensitzung getroffen. Staatsanwäte prüfen, ob es Anhaltspunkte für Pannen bei den Behörden gibt.

Leipzig - Nach dem qualvollen Tod eines zweijährigen Jungen neben der Leiche seiner drogensüchtigen Mutter in Leipzig stecken die zuständigen Ämter in Erklärungsnot. Antworten gab es am Montag noch keine, aber Vertreter von Jugend- und Gesundheitsamt, Drogenhilfe und Allgemeinem Sozialdienst (ASD) trafen zu einer Krisensitzung - hinter verschlossenen Türen.

Es werde versucht zu klären, was zwischen dem letzten Jugendamtskontakt am 10. April und dem Tod von Mutter und Sohn passiert ist, sagte Leipzigs Stadtsprecher Matthias Hasberg. Für die 26 Jahre alte Frau, die seit ihrem 16. Lebensjahr wegen ihrer Drogenprobleme bekannt war, sei das Gesundheitsamt zuständig gewesen; für das Wohl ihres zwei Jahre alten Sohnes das Jugendamt. Normalerweise gebe es zwischen den Ämtern ein "geregeltes Austauschverfahren", sagte Hasberg.

Zugleich kritisierten die Ämter, dass sie von der Polizei erst fünf Tage nach dem Fund der Leichen über den Fall informiert worden waren. Mutter und Sohn waren in der Nacht zum 17. Juni tot in ihrer Wohnung gefunden worden. Nachbarn hatten Alarm geschlagen, weil Verwesungsgeruch aus der Erdgeschosswohnung in einem gutbürgerlichen Wohnviertel drang.

Die Untersuchungen zur Todesursache dauerten an, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig, Ricardo Schulz. "Es kann noch mehrere Wochen dauern, bis ein Ergebnis vorliegt." Nach bisherigen Erkenntnissen war der Junge wahrscheinlich neben seiner toten Mutter verdurstet. Wann genau die 26-Jährige und ihr Sohn starben, ist weiter unklar.

Die Ermittler wollen außerdem klären, ob den Ämtern Fehler unterlaufen sind. "Wir prüfen, ob es Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Versäumnisse gibt", sagte Schulz. In dieser Hinsicht sei aber noch alles "vollkommen offen".

siu/dpa

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