Les Moonves CBS-Chef tritt nach Missbrauchsvorwürfen zurück

Sechs weitere Frauen erheben schwere Vorwürfe gegen den Chef des US-Medienkonzerns CBS, es geht um Gewalt und erzwungenen Oralsex. Nun verlässt Leslie Moonves das Unternehmen mit sofortiger Wirkung.

Les Moonves (Januar 2010)
REUTERS

Les Moonves (Januar 2010)


Der Chef des US-Medienkonzerns CBS tritt wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe ab. Leslie Moonves verlasse das Unternehmen "mit sofortiger Wirkung", teilte der Sender am Sonntagabend mit. CBS und Moonves spenden demnach 20 Millionen Dollar - umgerechnet etwa 17,3 Millionen Euro - für "eine oder mehrere Organisationen, die die #MeToo-Bewegung unterstützen und sich für die Gleichberechtigung von Frauen am Arbeitsplatz einsetzen".

Vorwürfe gegen Moonves waren erstmals Ende Juli aufgekommen: Damals berichteten sechs Frauen im "New Yorker" von sexueller Belästigung, es ging dabei etwa um unerwünschte Küsse oder Grapschen. Am Sonntag veröffentlichte das Magazin einen zweiten Artikel des Journalisten Ronan Farrow über Moonves - in dem weitere sechs Frauen Vorwürfe erheben, die noch schwerer wiegen. Die Rede ist von Exhibitionismus, sexueller Nötigung und erzwungenem Oralsex. Moonves soll gewalttätig geworden sein, Frauen eingeschüchtert und teils ihre Karrieren behindert haben. Die Vorfälle sollen sich zwischen den Achtziger- und den Nullerjahren zugetragen haben.

Moonves wies die Anschuldigungen laut Farrow zurück. Er habe vor etwa 25 Jahren mit drei der sechs Frauen einvernehmliche Beziehungen geführt, sagte er, ohne Einzelheiten zu nennen. Dass solche Anschuldigungen erst Jahrzehnte später ans Licht kämen, sei Teil einer Kampagne, um seinen Namen, seinen Ruf und seine Karriere zu zerstören.

Moonves war seit 1995 bei CBS, er gilt in der Branche als extrem einflussreich. Nach seinem Rückzug werde CBS-Geschäftsführer Joseph Ianniello Moonves' Position im Konzern übernehmen, bis eine permanente Lösung gefunden sei, teilte das Unternehmen mit. Moonves ist in zweiter Ehe mit Moderatorin Julie Chen verheiratet, die ebenfalls bei CBS arbeitet.

Farrow war einer der Journalisten, die erstmals die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein publik machten - und damit maßgeblich zum Fall des ehemaligen Hollywoodproduzenten sowie zum Erstarken der #MeToo-Bewegung beitrugen.

aar/dpa/AFP

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