Nach Veganer-Kritik an Kinderlied Der Fuchs darf in Limburg wieder die Gans stehlen

Riesigen Wirbel gab es in Limburg, als das Kinderlied "Fuchs du hast die Gans gestohlen" aus dem Repertoire des örtlichen Glockenspiels gestrichen wurde. Jetzt kommt der Fuchs zurück - trotz Protests einer Veganerin.

Fuchs auf einem Feld
DPA

Fuchs auf einem Feld


In Limburg spielte das Glockenspiel des Rathausturms schöne alte Weisen, unter anderem das Kinderlied "Fuchs, du hast die Gans gestohlen". Im Februar entspann sich aus dieser Tatsache ein skurriler Streit: Eine vegane Limburgerin störte sich an der Zeile "Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr" und verlangte, dass das Lied aus der 33 Stücke umfassenden Hitliste genommen werde.

Und siehe da: Die Stadtverwaltung von Bürgermeister Marius Hahn (SPD) willigte ein, "aus Nettigkeit, als Geste", wie es hieß. Der Shitstorm war programmiert. Fleischesser empörten sich über die Eingabe der Veganerin, die Kommune wurde scharf kritisiert, sogar Rücktrittsforderungen an den Bürgermeister wurden laut.

Jetzt ist wieder Normalität eingekehrt in Limburg, zumindest was das öffentliche Liedgut angeht. Der Fuchs darf sehr bald wieder die Gans stehlen und der Jäger wieder schießen.

Rathaus in Limburg an der Lahn
DPA

Rathaus in Limburg an der Lahn

"Nach der in jeglicher Hinsicht entbehrungsreichen Fastenzeit ist doch der Dienstag nach Ostern der beste Zeitpunkt, den Hausmeistern anheim zu stellen, den Fuchs wieder zurück ins Glockenspiel zu holen", sagte Bürgermeister Hahn. Die Absetzung des Liedes war also tatsächlich nur vorübergehend.

Wie grotesk die Aufregung um die Limburger Posse war, zeigte sich Mitte Februar: Da sagte die vegan lebende Frau einem Blog, dass ihre Forderung an die Stadtverwaltung als Scherz gemeint gewesen sei. Sie sei schlichtweg von der Melodie des Liedes genervt gewesen und habe sich daher an Bürgermeister Hahn gewandt, mit dem sie auf Facebook befreundet sei. Als die Geschichte bundesweit Aufregung erregt habe, habe sie sogar Morddrohungen erhalten.

Der Bürgermeister sieht das völlig anders. Es sei zu keinem Zeitpunkt klar geworden, dass es sich angeblich um einen Scherz gehandelt habe, sagte er dem SPIEGEL. Die Frau habe unter anderem geschrieben, es sei "hardcore", die Melodie des Kinderlieds zu hören. "Die Anfrage", so Hahn, "ist keineswegs scherzhafter Natur gewesen, sondern war eine klar formulierte und dringende Bitte."

ala/mxw/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.