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Loblied: Papst preist Afrika als "spirituelle Lunge der Welt"

Warme Worte für den schwarzen Kontinent: In Rom hat Papst Benedikt XVI. die geistigen Schätze Afrikas gewürdigt und gleichzeitig die reichen Länder aufgefordert, ihrem andauernden Kolonialismus in der Region abzuschwören.

Wetterte gegen den neuzeitlichen Kolonialismus der reichen Länder: Papst Benedikt XVI. Zur Großansicht
REUTERS

Wetterte gegen den neuzeitlichen Kolonialismus der reichen Länder: Papst Benedikt XVI.

Vatikanstadt - Mit einer Messe im Petersdom hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag die zweite Afrika-Synode der katholischen Kirche eröffnet. Knapp 250 Teilnehmer, darunter 197 afrikanische Bischöfe, waren nach Rom gekommen, um in den kommenden drei Wochen über die Zukunft des Kontinents zu sprechen.

Glaubt man dem Pontifex, ist Afrika von "zwei gefährlichen Krankheiten" bedroht. Eine davon sei der neuzeitliche Kolonialismus der reichen Länder. Noch heute würden die Reichtümer des Kontinents geplündert und gleichzeitig "geistiger Giftmüll" dorthin exportiert, sagte Benedikt. Wenn von den Schätzen Afrikas die Rede sei, gehe es vorrangig um wertvolle Ressourcen, was zu Ausbeutung, Konflikten und Korruption führe. Der Kolonialismus sei zwar politisch Vergangenheit, "ansonsten aber nie ganz beendet worden".

Neben der Verbreitung spirituellen Giftmülls gebe es ein weiteres "Virus", das des religiösen Fundamentalismus, der sich vermenge mit politischen und wirtschaftlichen Interessen, wetterte der Papst. Afrika verfüge aber über einen anderen Reichtum, der kultureller und geistiger Natur sei, und diesen brauche die Menschheit noch mehr als die Bodenschätze, mahnte das Kirchenoberhaupt.

In seiner Predigt würdigte der Pontifex Afrika als "spirituelle Lunge" der Welt. Angesichts einer zunehmenden Glaubens- und Hoffnungskrise sei die Menschheit auf die geistigen Schätze dieses Kontinents angewiesen, erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Dass auch das Oberhaupt der katholischen Kirche Interesse an vielen Millionen potentiellen Glaubensbrüdern im Land hat, wurde explizit nicht erwähnt. Laut Vatikan hat sich die Zahl der katholischen Christen in Afrika seit 1978 von 55 auf 146 Millionen fast verdreifacht. Inzwischen bekennen sich mehr als 17 Prozent der afrikanischen Bevölkerung zum katholischen Glauben - obwohl es ihnen der Heilige Vater nicht immer leicht macht. Noch immer lehnt der Papst die Verwendung von Kondomen rigoros ab, obwohl der gesamte Kontinent mit den höchsten HIV-Infektionsraten der Welt zu kämpfen hat.

Laut Unicef leben weltweit 33 Millionen Menschen mit HIV/AIDS - davon 15,5 Millionen Frauen und zwei Millionen Kinder. Zwei Drittel der Infizierten leben in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Bei seiner Afrika-Reise im März hatte der Papst bereits ein Arbeitspapier für die Synode veröffentlicht, das als Grundlage der Beratungen zum Thema "Die Kirche in Afrika im Dienst von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden" dienen soll. 1994 hatte der damalige Papst Johannes Paul II. erstmals zu einer Afrika-Synode eingeladen.

Benedikt XVI. äußerte sich in seiner Predigt auch zu der gewaltsamen Auflösung einer Demonstration von Oppositionellen in Guinea, bei der Ende September der Uno zufolge mehr als 150 Menschen ums Leben kamen. Er habe die Ereignisse "mit Beunruhigung" verfolgt, sagte der Papst. Er sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus und rief die Konfliktparteien zum Dialog auf.

ala/dpa/AP

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