London: "Schlampen" protestieren gegen sexuelle Gewalt

"Es ist ein Kleid, kein Ja": In London haben Tausende Frauen für ihr Recht auf sexy Kleidung demonstriert. Zugleich wandte sich der "Slutwalk" dagegen, Opfern sexueller Gewalt wegen aufreizender Outfits eine Mitschuld an den Übergriffen zu geben.

"Slutwalk": Für das Recht auf sexy Kleidung Fotos
Reuters

London - Sie trugen Plakate, auf denen "Nein heißt nein" und "Mein kleines schwarzes Kleid bedeutet nicht ja" stand: Tausende Frauen haben am Samstag in London gegen sexuelle Gewalt demonstriert. Beim so genannten " Slutwalk" - "Marsch der Schlampen" traten sie für das Recht ein, sich so zu kleiden, wie sie möchten. Die meisten Teilnehmerinnen trugen dabei normale Alltagskleidung, einige aber auch knappe und aufreizende Kostüme. Die Organisatoren hatten 3000 bis 5000 Teilnehmer erwartet.

Die Proteste wenden sich gegen die Haltung, dass Opfern sexueller Gewalt wegen ihrer Kleidung eine Mitschuld an den Angriffen gegeben wird. In London trugen die Demonstrationsteilnehmer Plakate mit Aufschriften wie "Frauen gegen Vergewaltigung". Auf einem Schild war "Wir sind alle Zimmermädchen" zu lesen - in Anspielung auf den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung gegen den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn. Er soll ein New Yorker Hotel-Zimmermädchen zum Sex gezwungen haben.

Seinen Ursprung hat der "Slutwalk" im kanadischen Toronto. Dort zogen am 3. April statt der erwarteten hundert Teilnehmer kamen 3000 durch die Stadt. Manche hatten sich quer über den nackten Bauch das Wort "Schlampe" gepinselt. Auf Schildern stand: "Ob du es glaubst oder nicht: Mein kurzer Rock hat nichts mit dir zu tun."

Anlass war die Bemerkung des Polizeibeamten Michael Sanguinetti. Er hatte im Januar einen Vortrag über Sicherheit im Alltag vor einigen Studenten in Toronto gehalten. "Mir wurde empfohlen, dies besser nicht zu sagen", begann er, sagte es dann aber doch: "Frauen sollten vermeiden, sich als Schlampen zu kleiden, um nicht zu Opfern zu werden."

Bis mindestens September findet jedes Wochenende irgendwo auf der Welt ein Slutwalk statt. Auch in Berlin gibt es kommende Woche ein Treffen, um den ersten deutschen Slutwalk zu planen. Ein Datum steht aber noch nicht fest.

Fotostrecke

11  Bilder
Slutwalks: Aufreizend gegen Belästigung

ulz/AFP

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insgesamt 204 Beiträge
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1. ...
bef, 11.06.2011
Zitat von sysop"Es ist ein Kleid, kein Ja": In London haben Tausende Frauen für ihr Recht auf sexy Kleidung demonstriert. Zugleich wandte sich der "Slutwalk" gegen die Haltung, Opfern sexueller Gewalt wegen aufreizender Kleidung eine Mitschuld an den Übergriffen zu geben. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,768088,00.html
Diese Idiotendemo ist an Blödheit kaum zu überbieten. Sexuelle Übergriffe werden mit und ohne Beweise aufs schärfste verfolgt (siehe Kachelmann, der sass unschuldig im Knast). Trotzdem: wer sich entsprechend kleidet, steuert das Risiko. Idiotendemo hin oder her. Das gleiche gilt auch für Männer, die mit einer teuren Uhr ins Armenviertel laufen. Es ist aber beachtlich, wie man im Facebook für jeden Quatsch gleich eine Demo organisieren kann. Ich frage mich, wann der Spiegel darin die wahre Gefahr erkennt.
2. .
Schweizer, 11.06.2011
Die eigentliche Frage scheint mir zu sein: a: Wie viele Frauen werden wg der sexy Kleidung zusätzlich vergewaltigt? b: Wenn die Männer, die sich nicht im Griff haben bzw. so kriminell veranlagt sind Frauen so oder so vergewaltigen, dann gäbe es durch aufreizende Klamotten keine Vergewaltigung zusätzlich, aber die Opfer wären vermutlich eher die mit weniger Stoff. So oder so, wären Frauen in aufreizender Kleidung häufiger Opfer. Recht haben nutzt den Opfern aber nichts... Aufreizende Kleidung steigert das Risiko. Meine Meinung. Mit Recht oder Unrecht hat das nichts zu tun. Ob eine Frau dieses Risiko tragen will muss Sie selber entscheiden. So wie sich jeder tagtäglich in verschiedenen Situationen zwischen unterschiedlich gefährlichen Möglichkeiten entscheidet. Und die Männer, die eine Frau vergewaltigen, werden sich durch keine Diskussion ändern, die sind krank und müssen in Therapie. In diesen Sinne halte ich die Demos für überflüssig.
3. ... es gibt wichtigeres als Frauen.
nic, 11.06.2011
... tja, wäre natürlich interesant zu wissen für wen oder was genau sich Frauen anreizend anziehen? Ist auch egal: es heißt ja sowieso nicht "Ja" (zu was auch immer).
4. .......
KardinalLandrut 11.06.2011
Unbegreiflich wie ein paar Wörtchen wieder so eine Superempörung auslösen. Ist die Aussage des Polizisten (sein Ratschlag) nicht auch mal wieder aus dem Zusammenhang gerissen um sie plakativer zu machen? Wird nicht wieder das verstanden was man da verstehen will? Wahrscheinlich wurde das Ganze vorangetrieben von feministischen Grüppchen. Diese ideologischen Verbohrtheiten können einem nur noch auf den Keks gehen.
5. Die Steinzeitfrau Damals und Heute
artusdanielhoerfeld 11.06.2011
Solange Frauen auf die Zurschaustellung ihrer Sexualmerkmale fixiert sind, werden Männer auch hauptsächlich nur deren Körper und das zu erwartende sexuelle Vergnügen mit ihnen wahrnehmen. Der weibliche Anspruch, dass alle Männer sie zwar begehren sollen, aber die in 99,9% der Fälle eintretende Zurückweisung akzeptieren müssen, erzeugt eine Situation von gleichzeitiger Anziehung und Abweisung. Wer sich als Mann dieser weiblich beherrschten Ambivalenz unterwirft, gibt jedes Recht auf eigene Entscheidungs- und Handlungsfreiheit auf, und wird zum Frauenknecht. Fatal ist hierbei der Umstand, dass Frauen zwar auf die männliche Unterwerfung bestehen, aber dadurch mittel- bis langfristig auch jeden Respekt vor dem ausgewählten Partner verlieren. Denn was kann er in der feindlichen Außenwelt noch taugen, wenn er sich bereits durch seine Frau kleinkriegen lässt? Männer spüren zwar die schwindende Zufriedenheit der Partnerin mit ihnen, doch da sie sich ihren Frauen bereits vollständig unterworfen haben, bleibt ihnen keine Handlungsalternative, um in ihrem Ansehen zu steigen. So können sie lediglich hoffen, als nützlicher Hampelmann in der Beziehung geduldet zu werden.
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