Katholische Kirche Schwindel-Priester verkaufte angebliche Pilgerreise zum Papst

In Los Angeles ist ein vermeintlicher Priester aufgeflogen, der jahrelang katholische Gläubige betrogen haben soll. Sein letzter Coup brachte die Polizei auf seine Spur.

Falscher Priester Erwin Mena: "Er hat uns bestohlen"
LAPD

Falscher Priester Erwin Mena: "Er hat uns bestohlen"


Er trug eine Soutane, feierte Messen und hielt Grabreden. Er vollzog Taufen, nahm die Beichte ab und soll mindestens einmal auch eine Ehe geschlossen haben. Kurzum - Erwin Mena tat alles, was ein Priester so tut. Nur leider war er gar kein Priester.

Am Dienstag nahm die Polizei von Los Angeles den 59-Jährigen fest. Der Vorwurf: Er soll nicht nur unter falschen Voraussetzungen ein Amt ausgeübt haben, sondern sich auch Tausende Dollar erschlichen haben, indem er nicht vorhandene Tickets für den USA-Besuch von Papst Franziskus verkaufte.

Mena äußerte sich bisher nicht zu den Vorwürfen. Er sitzt in Untersuchungshaft. Die Liste der Anklagepunkte ist lang: 30 Vergehen werden ihm vorgeworfen, darunter schwerer Diebstahl, Urkundenfälschung sowie die illegale Ausübung einer ärztlichen Tätigkeit, weil er nebenher "ein eigenes System" zur Behandlung kranker Gläubiger entwickelt haben soll.

CDs, Bücher und eine Pilgerreise

Seit Januar 2015 soll "Padre Mena" in der Gemeinde St. Ignatius of Loyola im Nordosten von Los Angeles als stellvertretender Priester fungiert haben. Er fuhr durch die Gemeinden und verkaufte CDs sowie ein Buch, als dessen Autor er sich ausgab: "Geständnisse eines abtrünnigen katholischen Priesters".

Dann verkaufte er Tickets für eine Pilgerreise nach New York, wo Papst Franziskus im September erwartet wurde.

Gläubige wie Michelle Rodriguez zahlten mehr als 950 Dollar für den Trip, Anreise und Unterbringung inklusive. Doch der fand nie statt. "Wir hatten gedacht, wir sehen den Papst und es wird eine großartige Erfahrung werden", sagte die 60-Jährige. "Aber er hat uns nur benutzt, er hat uns bestohlen, das ist alles."

Mena war der Kirche als Schwindler bekannt

Anfang Juni meldete der Pastor von St. Ignatius den umtriebigen Stellvertreter bei der Polizei. Die Kirche erklärte, Mena habe in der Diözese seit 1990 in verschiedenen Gemeinden gearbeitet, obwohl er gar kein Priester war. So berichtet es die "Los Angeles Times" unter Berufung auf Gerichtsdokumente. Sobald Mena enttarnt wurde, habe er sich aus dem Staub gemacht, heißt es. Den Behörden zufolge war er in katholischen Gemeinden und Gebetsgruppen in San Bernardino, Stockton, Fresno und im Orange County tätig.

Betrüger in den Reihen von Geistlichen scheinen in Los Angeles keine Seltenheit zu sein: Der "LA Times" zufolge existiert eine kircheninterne Liste mit den Namen von 95 Personen, die ohne Vollmacht als Priester oder Diakone gearbeitet haben. Das Erstaunliche: Menas Name soll seit 2008 auf der Liste geführt worden sein.

Normalerweise muss ein Priester in seiner neuen Diözese ein Empfehlungsschreiben und einen Brief seines Bischofs vorzeigen, außerdem einen Brief, der seine Identität bestätigt. Laut Vorschrift müssen die Dokumente überprüft werden - in der Praxis scheint dies aber lax gehandhabt zu werden.

Mena soll sich laut Polizei außerdem Geld von Bekannten geliehen haben. Eine christliche Gruppe gab ihm 16.000 Dollar, damit er seine CDs produzieren konnte. Einige Opfer des falschen Priesters sind durch die Kirche entschädigt worden, andere hoffen noch darauf. Alle, die fälschlicherweise durch Mena Sakramente erhalten haben, könnten sie noch einmal erhalten, ließ eine Sprecherin der Diözese Los Angeles wissen.

ala/AP

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