Love-Parade-Katastrophe: Sauerland entschuldigt sich, endlich

Das Unglück bei der Love Parade in Duisburg kostete 21 Menschen das Leben, mehr als 500 Personen wurden verletzt. Knapp ein Jahr nach der Katastrophe entschuldigt sich Oberbürgermeister Adolf Sauerland - und erklärt sein langes Zögern.

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Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland: "Übernahme moralischer Verantwortung"

Duisburg - Er wendet sich an die Verletzten und die Angehörigen der Opfer: Knapp ein Jahr nach dem Unglück bei der Love Parade in Duisburg hat Oberbürgermeister Adolf Sauerland um Verzeihung gebeten. "Die Übernahme moralischer Verantwortung, sich bei den Angehörigen der Opfer zu entschuldigen", das hätte von ihm kommen müssen. Es tue ihm unendlich leid, dass er es nicht sofort getan habe, sagte der CDU-Politiker in einem Interview mit dem WDR, das am 13. Juli ausgestrahlt wird und über das das "Zeit Magazin" vorab berichtet. Am 24. Juli 2010 waren auf der Love Parade 21 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden.

Sauerland war nach der Love Parade kritisiert worden - weil er als Leiter der genehmigenden Behörde und als Stadtoberhaupt die Verantwortung an dem Unglück von sich gewiesen hatte, einen Rücktritt ablehnte und sich bei den Opfern zunächst nicht entschuldigte. Im dem Interview räumte er nun ein, geglaubt zu haben, dass er im Falle einer Entschuldigung juristisch zur Verantwortung gezogen werde. "Und das hat dazu geführt, dass man sprachlos wurde."

In Duisburg sammelt eine Bürgerinitiative derzeit noch immer Stimmen für die Abwahl des Oberbürgermeisters, der bis 2015 gewählt ist. Mit Ausnahme der CDU und eines Teils der Grünen unterstützen auch die Duisburger Parteien das Vorhaben.

Es ist der erste Versuch in Nordrhein-Westfalen, einen Oberbürgermeister unter Anwendung neuer, erst kürzlich vom Landtag verabschiedeter Bestimmungen der Gemeindeordnung durch eine Initiative aus der Bürgerschaft abzusetzen. Demnach sind rund 55.000 Unterschriften zur Durchsetzung einer Abstimmung über das politische Schicksal des Stadtoberhauptes erforderlich.

Noch immer steht nicht fest, wer Schuld an dem Unglück trägt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 16 Beschuldigte: einen Polizisten, vier Personen vom Veranstalter, elf Personen aus der Duisburger Stadtverwaltung. Sauerland steht nicht auf der Liste.

wit/dapd

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insgesamt 35 Beiträge
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1. verständlich ist es schon,
adam68161 06.07.2011
wenn man befürchten muss, eine Entschuldigung werde als strafrechtlich relevantes Geständnis gewertet. Gilt übrigens auch für Jörg K., den Vater des Amokläufers von Winnenden. Hier verhindert unser Justizsystem eigentlich selbstverständliche menschliche Verhaltensweisen.
2. Eine Sauerei jagt die andere.
Schwede2 06.07.2011
Zitat von sysopDas Unglück bei der Love Parade in Duisburg kostete 21 Menschen das Leben, mehr als 500 Personen wurden verletzt. Knapp ein Jahr nach der Katastrophe entschuldigt sich Oberbürgermeister Adolf Sauerland - und erklärt sein langes Zögern. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,772749,00.html
Adolf S. ist politisch klar verantwortlich. Aber zuerst haut er auf angebliche Fehlleistungen der privaten Sicherheits-Ordner ein, die angeblich das Desaster verschuldet hätten. Hilfreich zur Seite stand im die Gewerkschaft der Polizei und der Innenminister, die in die gleiche Kerbe gehauen haben. Wider besserem Wissen!! Heute steht zweifelsfrei fest, dass die Veranstaltung unter keinen Umständen hätte genehmigt werden dürfen und die Polizei als Organisation taktisch und logistisch auf ganzer Linie versagt hat. Nur dem Engagement weniger Personen bei der Polizei und den privaten Sicherheitskräften ist es unter eigener Lebensgefahr zu verdanken, dass es in diesem selbstgebrauten Hexenkessel nicht noch mehr Tote gab. Ich habe kein Verständnis dafür, dass irgendwer, der hier in der Verantwortungskette gesessen hat, noch auf seinem Posten ist. Die hätten alle schon lange entlassen gehört.
3. Entscheidend ist das Verhalten eines Menschen und seine Taten
Tottiso 06.07.2011
Herr Sauerland' s Verhalten enttarnt eine weit verbreitete Politikerkaste, die gar nichts interessiert außer ihr Ego. Was diese Menschen für sich als legitim und erstrebenswert halten ist inhuman wie asozial und einfach dumm. Ein Politiker der sich kümmert und nahe am Volk ist, der geht hin, damit er weiß wovon er redet und Verantwortung übernehmen kann. All die Sauerlands praktizieren exakt das Gegenteil und die Mehrheit der Bevölkerung toleriert das sogar; vielleicht weil sie genauso ticken. Verwalten kann jeder, Verantwortung übernehmen nur einige wenige. Is ja 'ne tolle Gesellschaft, sozusagen ehrenwert.
4. Sehe ich auch so
iketchup 06.07.2011
Zitat von adam68161wenn man befürchten muss, eine Entschuldigung werde als strafrechtlich relevantes Geständnis gewertet. Gilt übrigens auch für Jörg K., den Vater des Amokläufers von Winnenden. Hier verhindert unser Justizsystem eigentlich selbstverständliche menschliche Verhaltensweisen.
Unser menschliches Verhalten ist durch dieses Justizsystem mitgeprägt worden, leider.
5. Kein Niveau der Mann !
gaga007 06.07.2011
Im "Zeit Magazin" räumte er nun ein, geglaubt zu haben, dass er im Falle einer Entschuldigung juristisch zur Verantwortung gezogen werde. "Und das hat dazu geführt, dass man sprachlos wurde." Was für ein feiger Mensch - keinen Mut Verantwortungs zu übernehmen, weder politisch, strafrechtlich noch moralisch. Jeder Mann mit Rückgrad hätte sich zu seinem Handeln gestellt, aber Sauerland hat sich mehr um seine Pensionsansprüche gekümmert, als um die Angehörigen der Opfer. Dass die Ermittlungen derartig durch die Behörden "verschleppt" werden, dient ebenfalls nur der Absicherung des Bürgermeisters - die gesamte Stadtverwaltung und politische Führung Duisburgs bietet ein erbärmliches Bild des Versagens ! Alle feige nd denken nur an ihre materialistische Absicherung !
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