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Love-Parade-Ordner Fatale Funkstille im Chaos

Ordner bei der Love Parade: Überfordert und unterbezahlt?Zur Großansicht
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Ordner bei der Love Parade: Überfordert und unterbezahlt?

2. Teil: Wie viele Ordner waren im Einsatz?

Es gibt Hinweise, dass der Veranstalter insgesamt weniger Security-Leute einsetzte als versprochen, doch geklärt ist das noch nicht. "Da die Party erst kurz vor knapp genehmigt wurde, kann ich mir gut vorstellen, dass auch bei den Ordnern geschlampt wurde", sagte ein Polizist. "Wer hätte denn merken können, wenn statt 1000 nur 600 Ordner aufschlagen?"

Die Sicherheitsfirmen weisen diesen Vorwurf zurück. Ihre Leute hätten sich zentral registrieren müssen, wenden sie ein. "Ich war bei dem Verfahren dabei", so R.A.D.-Geschäftsführer Jan-Ole Dietrich zu SPIEGEL ONLINE. Die Registrierung sei zwingend erforderlich für die Abrechnung mit dem Kunden. In den Listen sei nachvollziehbar, wer seinen Dienst angetreten habe und wer nicht. "Es ist unmöglich, Leute in Rechnung zu stellen, die nicht da waren", sagte Dietrich. Die Prüfung, ob die Zahl der Ordner korrekt war, oblag nach Angaben der Polizei der Stadtverwaltung. Ob sie stattfand, ist unklar.

Anders als Politik und Veranstalter, die sich aus der Verantwortung zu stehlen scheinen, sind die Sicherheitsfirmen um Schadensbegrenzung bemüht. Eine Katastrophe wie bei der Love Parade bedeutet für die Firmen einen unkalkulierbaren Imageverlust. Nach eigenen Angaben mussten sich inzwischen viele Unternehmen vor ihren Stammkunden rechtfertigen. Wer will sein Event schon von Leuten sichern lassen, die im Verdacht stehen, auf fatale Weise versagt zu haben? Je länger die Verantwortlichkeit hin- und hergeschoben wird, desto mehr Kunden drohen abzuspringen.


Zwei Tage nach der Katastrophe schrieben die R.A.D.-Chefs auf ihrer Homepage: "Wir (...) distanzieren uns ausdrücklich von den sicherheits- und ordnungsdienstlichen Konzepten und Maßnahmen, welche die Besucherführung und die Ein- und Auslasskontrollen (…) betroffen haben."

Dennoch versichert der R.A.D.-Geschäftsführer Robert Ahrlé inzwischen, das in drei Monaten entwickelte Sicherheitskonzept sei "in der Theorie absolut tragfähig" gewesen. Alle Firmen, die zu einem Gespräch mit SPIEGEL ONLINE bereit waren, sind im Rückblick der Ansicht, dass der Plan hätte aufgehen können - wenn die Absprachen im Eingangsbereich funktioniert hätten und eng zusammengearbeitet worden wäre, untereinander sowie mit der Polizei.


Auch der Frankfurter Sicherheitsforscher Rainer Könneke geht davon aus, dass die schlechte Abstimmung der Sicherheitskräfte entscheidend für das Desaster war. "Die Katastrophe von Duisburg ist ein Beispiel dafür, dass die Koordination nicht geklappt hat." Dabei müsse gerade dann alles reibungslos funktionieren, wenn man sich - wie hier geschehen - auf einen kombinierten Zu- und Abgang einlasse.

Nach Ansicht Könnekes, der zurzeit an einem wissenschaftlichen Projekt zur Sicherheit bei Großveranstaltungen arbeitet, müsse geklärt werden, ob die Kommunikation funktioniert habe und ob die Situation vor Ort tatsächlich dem Lagestab gemeldet worden sei.

Die Sicherheitsfirmen machen jedenfalls eine mangelnde Kommunikation im Einlassbereich für das Desaster verantwortlich. Während auf der Rampe nichts mehr voranging, strömten immer mehr Menschen ungehindert in die Sackgasse. Einer der eingesetzten Ordner bekannte, es habe an der Verständigung mit der Einsatzleitung gehapert: "Alle warteten auf Befehle, aber es kamen keine."

Gab es ein Funkloch?

Feuerwehrleute und Polizisten, die am Samstag in Duisburg Dienst taten, beklagten sich über Schwierigkeiten mit ihren analogen Funkgeräten. Die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften sei zumindest schwierig, zeitweise sogar unmöglich gewesen. Gab es ein Funkloch? Wussten die Sicherheitskräfte an den Tunneleingängen im entscheidenden Moment nicht, dass sich die Menschen längst auf der Rampe drängten?

Die Funkgeräte "sind teilweise so alt, dass man keine Ersatzteile mehr dafür bekommt", sagte Andreas Nowak von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Nordrhein-Westfalen. Immer wieder komme es vor, dass sich Beamte mit den Geräten im sogenannten Funkschatten befänden und in gefährlichen Situationen nicht erreichbar seien. "Es ist häufig so, dass Polizisten ihr privates Handy mitbringen, falls sonst gar nichts mehr geht", so Nowak.

Doch am Samstagnachmittag waren auch die Handy-Netze zusammengebrochen. Und es scheint, als sei es zur Tragödie gekommen, weil Polizei wie Ordner mit der Zahl der Menschen auf engstem Raum überfordert waren, weil niemandem mehr Raum blieb, die Massen aufzuhalten, und nicht alle stets wussten, was die anderen gerade taten. Chaos könnte man das nennen, tödliches Chaos.

Hinweis der Redaktion: Einen Tag nach der Veröffentlichung dieses Artikels meldet sich das Kölner Sicherheitsunternehmen SMS Security zu Wort: Man habe - anders als hier dargestellt - auf der Love Parade in Duisburg nicht den "Head of Security" gestellt, teilt die Firma mit.

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insgesamt 6344 Beiträge
Hovac 25.07.2010
Wenn auch nur ein Mensch stirbt war es ein Fehler. Sowas darf in Deutschland doch nicht mehr passieren, wozu wird man von Formularhaufen für die kleinsten Anlässe erdrückt wenn es dann doch nicht sicher ist.
Zitat von sysopDie Entscheidung war umstritten, es gab Zweifel am Konzept, dann kam es zur Katastrophe - war es ein Fehler, die Love Parade auf diesem Gelände in Duisburg abzuhalten?
Wenn auch nur ein Mensch stirbt war es ein Fehler. Sowas darf in Deutschland doch nicht mehr passieren, wozu wird man von Formularhaufen für die kleinsten Anlässe erdrückt wenn es dann doch nicht sicher ist.
lawinchen 25.07.2010
Ein Gelände, das max. 500.000 Besucher aufnehmen kann und dessen Zugangswege derart beschränkt sind, ist fraglos für eine Veranstaltung wie die Love Parade geeignet, denn die Love Parade ist dafür bekannt, weniger als 500.000 [...]
Zitat von sysopDie Entscheidung war umstritten, es gab Zweifel am Konzept, dann kam es zur Katastrophe - war es ein Fehler, die Love Parade auf diesem Gelände in Duisburg abzuhalten?
Ein Gelände, das max. 500.000 Besucher aufnehmen kann und dessen Zugangswege derart beschränkt sind, ist fraglos für eine Veranstaltung wie die Love Parade geeignet, denn die Love Parade ist dafür bekannt, weniger als 500.000 Besucher anzuziehen. Duisburg mag pleite sein und die zusätzlichen Einnahmen begrüßen, aber auf diesem Gelände mit diesen Zugangswegen hätte eine solche Veranstaltung niemals stattfinden dürfen: Ich hoffe, der Link wird dargestellt, ansonsten hilft eine Google-Maps-Suche nach "Karl-Lehr-Straße, Duisburg". Das Gelände befindet sich nördlich der L237. http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=Love-Parade,+Duisburg&sll=51.151786,10.415039&sspn=21.231081,67.631836&ie=UTF8&hq=Love-Parade,&hnear=Duisburg,+Nordrhein-Westfalen&ll=51.422882,6.770582&spn=0.010276,0.033023&t=h&z=16 Polizeipräsidium und Staatsanwalt befinden sich gleich um die Ecke, ich hoffe, sie nutzen die Nähe.
xkultx 25.07.2010
Egal wo ob in Duisburg, Essen oder Berlin zu solchen tragischen Zwischenfällen kann es leider überall kommen. Es ist nur immer sehr einfach alles auf die Veranstalter abzuschieben, dabei wird allzu oft vergessen wer hier der wahre [...]
Egal wo ob in Duisburg, Essen oder Berlin zu solchen tragischen Zwischenfällen kann es leider überall kommen. Es ist nur immer sehr einfach alles auf die Veranstalter abzuschieben, dabei wird allzu oft vergessen wer hier der wahre Auslöser des Dilemmas ist, war und bleiben wird - Alkohol, Drogen, Egoismus und Rücksichtlosigkeit. Wenn es nicht weiter geht - schiebt man nicht!!! Wo gesunder Menschenverstand aufhört, kommen die verschiedensten Schuldzuweisungen - Klar der Veranstalter ist Schuld - Klar die Stadt Duisburg ist schuld. Leute packt Euch mal an den Kopf und fangt an zu denken! Wenn ich mit 2 Promille in eine 30 Zone aus der Kurve fliege - ist dann auch die Stadt Duisburg Schuld oder der Hersteller meines Autos oder die Brauerei, warum bauen die denn dort eine Kurve hin, warum fährt mein Auto wenn ich getrunken habe?
waffenstillstand 25.07.2010
Ja, sicher. Es war vorher schon bekannt, dass das Gelände höchstens 500.000 Menschen aufnehmen kann, man wusste, dass annähernd 1.000.000 Menschen kommen würde (tatsächlich kamen sogar 1.400.000). So gesehen war es allzu sehr [...]
Zitat von sysopDie Entscheidung war umstritten, es gab Zweifel am Konzept, dann kam es zur Katastrophe - war es ein Fehler, die Love Parade auf diesem Gelände in Duisburg abzuhalten?
Ja, sicher. Es war vorher schon bekannt, dass das Gelände höchstens 500.000 Menschen aufnehmen kann, man wusste, dass annähernd 1.000.000 Menschen kommen würde (tatsächlich kamen sogar 1.400.000). So gesehen war es allzu sehr leichtsinnig, die Veranstaltung überhaupt stattfinden zu lassen.
gisu 25.07.2010
Schuld haben die Organisatoren, von deren Seite wurden ehr die Befürchtungen laut das eventuell zu wenig Menschen erscheinen würden, da hat man Zweifel am Gelände und den eingeschränkten Möglichkeiten außer acht gelassen. Wer mit [...]
Schuld haben die Organisatoren, von deren Seite wurden ehr die Befürchtungen laut das eventuell zu wenig Menschen erscheinen würden, da hat man Zweifel am Gelände und den eingeschränkten Möglichkeiten außer acht gelassen. Wer mit solchen Menschenmassen plant, der muss auch verstärkt auf die Sicherheit achten, und beim kleinsten Zweifel entweder umplanen oder die Sache ganz abblasen. Mein Beileid an die Opfer und deren Angehörigen.
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Die Love Parade
Die Love Parade findet seit 1989 statt, zunächst über viele Jahre in Berlin. 2007 zog die Veranstaltung dann ins Ruhrgebiet um, mit der Premiere in Essen. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. 2009 sagte Bochum die Techno-Party ab, weil die Stadt keine Chance sah, den Besucherandrang zu bewältigen und einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. 2010 endete die Love Parade in einer Tragödie: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.




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