Stehlen zum Überleben: Einsiedler hauste 27 Jahre im Wald

Einsiedler von Maine: Leben im Wald Fotos
REUTERS/ Maine State Police

Im Alter von 19 Jahren verließ er seine Mitbürger und zog in den Wald: Im US-Bundesstaat Maine hat die Polizei einen Einsiedler festgenommen, der für mehr als tausend Einbrüche verantwortlich sein könnte. Angeblich sprach er in den neunziger Jahren zum letzten Mal mit einem anderen Menschen.

Rome - Er hatte sich aus der Zivilisation verabschiedet und kehrte nur zurück, um Essen zu stehlen: Im US-Bundesstaat Maine hat die Polizei den 47-jährigen Christopher K. festgenommen, der seit 27 Jahren wie ein Einsiedler im Wald gelebt haben soll. Auf die Schliche kamen ihm die Ermittler mit einem Überwachungssensor.

Ein Wildhüter hatte die Überwachungstechnik im Pine Tree Camp installiert - einer Ferienanlage für Jugendliche und Menschen mit Behinderung. Dort soll K. seit Jahren immer wieder eingebrochen haben. "Er hat uns wie seinen örtlichen Walmart benutzt", sagte Hausmeister Harvey Chesley. K. wurde geschnappt, als er den Kühlraum des Feriencamps verließ - mit einem Rucksack voller Lebensmittel.

Laut Behörden verließ er mit etwa 19 Jahren sein Zuhause und bezog ein Lager im Wald. In der Gegend war der Einsiedler seit langem bekannt. Manche Besitzer einer Ferienhütte sollen extra Lebensmittel vor die Tür gestellt haben, damit K. nicht bei ihnen einbricht. Andere hielten den Mann im Wald nur für einen Mythos.

Wildhüter Terry Hughes war ihm seit langem auf der Spur. K. habe selbst in den kalten Wintertagen kein Feuer gemacht, um die Position seines Lagers nicht zu verraten, so Hughes. Das gestohlene Propangas habe er nur zum Kochen verwendet. Den Behörden zufolge benutzte K. mehrere Schlafsäcke, um sich warmzuhalten.

Bei seiner Festnahme in der vergangenen Woche habe K. einen durchaus gepflegten Eindruck gemacht: rasiert, die Haare kurz geschnitten, immer noch die Brille aus den achtziger Jahren auf der Nase. Seine Behausung bestand aus einem Zelt, darüber Planen, die zwischen Bäumen gespannt waren. Im Lager fanden die Ermittler auch ein batteriebetriebenes Radio und ein Bett.

In seiner Vernehmung sagte K. laut Polizei, er habe in den neunziger Jahren zum letzten Mal mit einem anderen Menschen gesprochen. Ein paar Grußworte bei einer zufälligen Begegnung auf einem Wanderpfad, mehr nicht.

Insgesamt könnte K. für tausend Einbrüche verantwortlich sein, so die Behörden. Vorgeworfen wird ihm derzeit nur der letzte ins Pine Tree Camp. Momentan wird er im Kennebec County Jail festgehalten. Gegen eine Kaution von 5000 Dollar könnte er freikommen. Der Wert seiner Beute: 238 Dollar.

hut/AP

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1. Wow
PeterPan95 11.04.2013
Ein Rucksack voller Lebensmittel für 238$ - also entweder hatte er einen sehr großen Rucksack dabei, oder in diesem Feriencamp gibt es sehr erlesene Speis' und Trank.
2. Laßt ihn gehen!
hi-ob 11.04.2013
Was soll das denn für ein Verbrechen sein? Nehmen vom Überfluß. Weder ist der Knastaufenthalt billiger für die US Gesellschaft noch für ihn, der Mensch geblieben ist, ein förderlicher Umgang. An dieser Stelle lieber mal die Frage stellen, was die o. einen Menschen in die Wälder treibt?
3. Naja, Schlüssel wird er nicht benutzt haben
iffel1 11.04.2013
also wahrscheinlich noch erhebliche Sachbeschädigung, denn nicht umsonst haben Leute Essen vor die Tür gestellt. Also Mitleid habe ich nicht.
4. Thoreau
hi-ob 11.04.2013
Zitat: Durch Armut, das heißt durch ein einfaches Leben und wenig Zwischenfälle, festige und kristallisiere ich mich wie Dunst oder Flüssigkeit durch Kälte. Es ist eine einzigartige Konzentration von Kraft, Energie und Aroma. Enthaltsamkeit ist ein ständiges Bekenntnis zum All. Mein zerstreutes, nebelhaftes Leben wird wie die Eisblumen und Frostnadeln, die an einem Wintermorgen an den Krautern und Stoppeln wie Edelsteine glitzern. Ihr glaubt, daß ich mich selbst arm mache, indem ich mich von den Menschen zurückziehe, aber in meiner Einsamkeit habe ich mir ein seidenes Gewebe wie eine Schmetterlingspuppe gesponnen, und gleich einer Nymphe werde ich in Bälde als ein vollkommeneres Wesen hervorgehen, einer höheren Gesellschaft würdig. Durch Einfachheit, gewöhnlich Armut genannt, ist mein Leben konzentriert und damit organisiert, ein Kosmos, während es vorher unorganisch und knotig war. Henry David Thoreau (1817 - 1862), US-amerikanischer Philosoph, Naturalist, Schriftsteller und Mystiker
5. Wenn er...
invictus 11.04.2013
...schlau ist, schreibt er ein Buch über das Überleben im Wald. Essensdiebstahl hin oder her. Alleine ohne Heizung über ein Viertel Jahrhundert klar zu kommen ist schon eine Leistung für sich. Von dem Geld für das Buch kann er die 238 Dollar locker bezahlen.
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