Malaysia Airlines MH17: Die Absturzstelle Ein Bild des Grauens

Weizenfelder in der ukrainischen Einöde - und dazwischen: Leichen von Männern, Frauen, Kindern. Habseligkeiten der toten Passagiere, Spielkarten, Handys, ein Kinderbuch. Die Absturzstelle von Flug MH17 bietet entsetzliche Bilder. Die Separatisten wollen nun Ermittler zum Trümmerfeld vorlassen.

AP/dpa

Brüssel/Moskau/Hrabowe - Das Trümmerfeld ist zehn bis 15 Quadratkilometer groß: Aus einer Höhe von mehr als zehntausend Metern stürzte Flug MH17 zu Boden - auf Weizenfelder in der Nähe der Ortschaft Hrabowe, nur wenige Kilometer von der russisch-ukrainischen Grenze entfernt. Offenbar brach das Flugzeug schon in der Luft auseinander, Rettungskräfte zählten mehr als 60 Trümmerteile.

Flugroute von Malaysia Airlines MH17

Flugroute von Malaysia Airlines MH17

Trotz der Explosion beim mutmaßlichen Abschuss der Boeing 777 und dem Aufprall auf dem Boden schienen die meisten Todesopfer fast unversehrt. Das schildern Augenzeugen, die kurz nach der Katastrophe am Unglücksort eintrafen. Viele Tote saßen noch angeschnallt in ihren Flugzeugsitzen. "Ein Mann lag auf dem Feld, seinen rechten Arm auf dem Bauch als ruhe er sich aus", berichtet Sabrina Tavernise in der "New York Times" vom Unglücksort. "Ein junger Mann in blauen Shorts lag da mit ausgestreckten Armen und Beinen, das iPhone an seiner Seite. Ein zehnjähriger Junge in rotem T-Short mit der Aufschrift 'Don't Panic!'"

Auch die Habseligkeiten der Passagiere lagen verstreut auf dem Trümmerfeld - ein pinkfarbenes Kinderbuch, Parkscheine, Spielkarten. "Ein Fahrrad lag im Gras, nahezu unbeschädigt", schildert Tavernise. Bilder zeigten einen Reiseführer für Bali und Lombok, der in den Trümmern lag (siehe Fotostrecke). Selbst Stunden nach der Katastrophe lag der Geruch von verbranntem Gummi und Kerosin in der Luft über Hrabowe.

Anwohner berichten, dass sie am Donnerstagnachmittag um kurz nach 16 Uhr Geräusche gehört hatten. Sie glaubten zunächst an einen Bombenangriff der ukrainischen Armee.

Fotostrecke

20  Bilder
Absturz von Malaysia Airlines MH17: Trümmer, Opfer, Folgen
Inzwischen sind mindestens 121 Leichen geborgen worden. Die Bergung weiterer Opfer geht mit verstärkten Kräften weiter. Zusätzlich zu den ukrainischen Rettungskräften und Polizisten vor Ort helfen nun auch Minenarbeiter bei den Arbeiten. Sie durchsuchten das Gebiet rund um die Unfallstelle östlich von Donezk nach Opfern und Wrackteilen, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

Die Linienmaschine von Malaysia Airlines war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur, als sie in dem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet abstürzte. Nach Angaben der Fluggesellschaft waren insgesamt 298 Insassen an Bord, darunter 189 Niederländer, 27 Australier und vier Deutsche.

Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine sicherten zu, Ermittler zu der Absturzstelle von Flug MH17 zu lassen. Das teilte die Ukraine-Kontaktgruppe mit Vertretern aus Kiew, Moskau und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit. Die Aufständischen würden die Absturzstelle überdies abriegeln und den lokalen Behörden ermöglichen, die Leichen zu bergen.

Die Rettungstrupps haben inzwischen auch den zweiten Flugschreiber der Maschine sichergestellt. Das meldet Reuters in Berufung auf einen Kameramann. Die Separatisten sagten, sie hätten eine Black Box der Maschine gefunden, die sie nach Moskau bringen wollten. Die ukrainische Regierung und die Rebellen werfen sich gegenseitig vor, das Flugzeug abgeschossen zu haben.

Die US-Geheimdienste sind überzeugt, dass die Maschine von einer Rakete russischer Bauart getroffen wurde. "Alle Wege führen in gewissem Maße zu den Russen", sagte ein US-Regierungsbeamter dem "Wall Street Journal". Das ukrainische Außenministerium verbreitete überdies Gesprächsmitschnitte, auf denen angeblich Separatisten zu hören waren, die darüber sprachen, dass sie ein Flugzeug abgeschossen hätten - und dann feststellten, dass es sich dabei um eine Zivilmaschine handelte. Russlands Präsident Wladimir Putin machte hingegen die Ukraine verantwortlich, da die Katastrophe "auf ihrem Territorium passiert" sei.

Verfolgenden Sie die weiteren Ereignisse im Liveticker hier.

syd/vks/AP/Reuters/dpa/AFP

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