Toter Blauhai auf Mallorca "Aber klar, einschläfern kommt billiger"

Auf Panik folgt die Empörung: Der Blauhai, der an einem Strand von Mallorca für Angst gesorgt hat, wurde eingeschläfert. Die vermeintliche Erlösung sorgt für wütende Reaktionen.


Vor Mallorca haben mehrere Blauhai-Sichtungen für Unruhe gesorgt. Am Sonntagabend ging der spanischen Küstenwache ein Tier ins Netz, das kurz darauf einschläfert wurde. Der Hai habe wegen einer schweren durch einen Angelhaken verursachten Kopfverletzung erlöst werden müssen, erklärten Meeresbiologen des Palma Aquariums dem "Diario de Mallorca" zufolge. Diese Vorgehensweise kommt nicht überall gut an.

Auf den Webseiten verschiedener Regionalzeitungen regten sich viele Nutzer über den Tod des Blauhais auf. Die Reaktionen reichen von wütenden Beschimpfungen bis hin zu Sarkasmus. Ein Leser klagt bei der Zeitung "Última Hora", man hätte das Tier ins Aquarium von Palma bringen und es zwei Tage lang behandeln können: "Aber klar, einschläfern kommt billiger." Ein weiterer Leser vermutet, der Hai habe sterben müssen, weil er es gewagt habe, die "Bojen der Hoteliers zu passieren".

Dass das Tier eingeschläfert werden musste, bestätigte allerdings auch die regionale Tierschutz- und Umweltorganisation GOB. "Solche Hochseehaie nähern sich der Küste nur dann, wenn sie gravierende Gesundheitsprobleme haben", sagte GOB-Sprecher Toni Muñóz der Deutschen Presse-Agentur. In diesem Fall habe der Haken wohl schwere innere Verletzungen verursacht.

Keine wirkliche Gefahr für Menschen

Die drei Blauhai-Sichtungen vor der Mittelmeerinsel Mallorca vom Wochenende seien nichts Besonderes, sagte Muñóz. Im Mai 2016 sei ein noch größerer Blauhai bei Palma gesichtet, gefangen und ins offene Meer zurückgebracht worden. "Solche Tiere stellen keine wirkliche Gefahr für Menschen dar." Überhaupt sorgten Haie nur äußerst selten für erwähnenswerte Attacken auf Menschen. "In ganz Spanien wurden seit 1847 insgesamt nur sechs schwere Haiangriffe auf Menschen registriert", sagte Muñóz. Kleinere Beißattacken gebe es zwar, die seien aber ungefährlicher "als etwa Stiche von Rochen".

Muñóz und andere Experten wollen klarmachen: Opfer sind nicht die Badegäste oder gar die Hoteliers, sondern es ist der verwirrte und verletzte Blauhai. Und die Übeltäter seien nicht die Meeresbiologen, sondern die Fischereiflotten mit ihren umstrittenen Fangmethoden. Haie, Meeresschildkröten und andere Tiere fallen oft den Tausenden Angelhaken, die an Schleppleinen durchs Meer gezogen werden, zum Opfer. "Es gibt sehr viele weitere verletzte Haie", sagt Muñóz.

Auch WWF-Experte Jörn Ehlers sieht die Haie als Opfer. "Sie können ganz beruhigt baden gehen", sagte er dem Fernsehsender N24. Da gebe es schlimmere Gefahren - die "Plastiknetze, in denen Sie sich verheddern könnten. Aber meistens passiert das den Haien".

Gerhard Wegner, Chef der internationalen Haischutzorganisation Sharkproject, zeigte sich entsetzt über die Reaktionen auf die Sichtung des "unterernährten, desorientierten, verwundeten" Blauhais. "Dass es nach 20 Jahren Aufklärungsarbeit diese Panikreaktionen gibt, ist schon Wahnsinn." Der Blauhai ist eine von insgesamt rund 50 Haiarten, die im Mittelmeer leben. Er gehört zu den Hochseehaien, die nur selten ihren Lebensraum verlassen. Angriffe sind deshalb äußerst selten.

asz/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.