Margot Käßmann "Ich muss bei den besorgten Mitbürgern immer ein wenig lächeln"

Ex-Bischöfin Margot Käßmann wendet sich mit deutlichen Worten an selbsternannte Verteidiger des Abendlands. "Gehen Sie sonntags in die Kirchen, dann müssen Sie keine Angst vor vollen Moscheen haben."

Ex-Bischöfin Käßmann: "Gehen Sie sonntags in die Kirchen"
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Ex-Bischöfin Käßmann: "Gehen Sie sonntags in die Kirchen"


Als Angela Merkel (CDU) jüngst in der Schweiz auf einem Podium saß, stellte ihr eine Zuhörerin eine provokante Frage: Was die Kanzlerin denn tun wolle, um Europa vor einer zunehmenden Islamisierung zu schützen. Merkels Antwort war bemerkenswert.

Sie mache niemandem einen Vorwurf, der sich zum islamischen Glauben bekenne, sagte Merkel. Die Christen könnten sich ebenso engagiert zeigen. "Haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind."

In die Diskussion schaltete sich jetzt die ehemalige hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann ein. "Ich muss bei den besorgten Mitbürgern immer ein wenig lächeln", sagte die 57-Jährige der "Hamburger Morgenpost". "Ich sage denen gern: Gehen Sie sonntags in die Kirchen, dann müssen Sie keine Angst vor vollen Moscheen haben."

Bekannt für Provokationen

Käßmann sagte, sie nehme Menschen mit Sorgen vor einer Islamisierung zwar ernst - "aber ich stelle ihnen in Abrede, dass sie für das christliche Abendland sprechen". Die Theologin ist für provokante Wortmeldungen bekannt. Anfang 2010 löste sie eine Debatte aus, als sie in ihrer Neujahrspredigt den Bundeswehreinsatz in Afghanistan scharf kritisierte.

Die Islamisierungsdebatte nimmt vor dem Hintergrund steigender Flüchtlingszahlen Fahrt auf. In diesem Jahr dürften bis zu 800.000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen, viele von ihnen sind Muslime.

Fast jeder fünfte Bundesbürger (18 Prozent) hat schon einmal etwas unternommen, um Flüchtlingen zu helfen, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov. 23 Prozent gaben an, sie hätten das vor. Mit Nein antworteten 59 Prozent der Befragten.

Von den Bürgern, die Flüchtlinge bereits unterstützt haben, gaben die weitaus meisten eine Sachspende. Daneben kümmerten sich Befragte etwa um Behördengänge oder schulische Hilfe. Nur ein ganz geringer Teil der 18 Prozent, die einem Flüchtling schon einmal geholfen haben, haben Menschen aufgenommen.

sms/dpa



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