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Vor Lampedusa: Männer sollen viele Flüchtlinge an Bord ermordet haben

Auf der Überfahrt von Tunesien nach Italien soll es im Juni an Bord eines Flüchtlingsbootes zu einem Massaker gekommen sein. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen.

Hamburg - Auf einem Flüchtlingsboot drängen sich Hunderte Menschen, plötzlich bricht Panik und Streit zwischen ihnen aus - dann kommt es zu einer Messerstecherei: Diese dramatischen Szenen sollen sich laut italienischen Medien an Bord eines Flüchtlingsbootes abgespielt haben, das vor wenigen Tagen vor Lampedusa mit 560 Menschen an Bord gerettet wurde. Nun hat die Polizei fünf Männer festgenommen. Sie sollen Dutzende Menschen erstochen und über Bord geworfen haben.

Demnach brach der Streit zwischen zwei Flüchtlingsgruppen aus, als das Schiff bei der Überfahrt von Tunesien nach Italien in stürmischer See zu sinken begann. Augenzeugen berichteten, im Innern des Schiffes eingeschlossene Flüchtlinge seien wegen der Hitze und Enge in Panik geraten, hätten die Tür zum Deck aufgebrochen und seien auf die Brücke gestürmt. Dort sei es zu Handgemengen gekommen. Laut der Polizei wurden dabei 50 Menschen über Bord geworfen und 60 weitere erstochen und dann ins Meer geschmissen.

Die italienische und maltesische Marine entdeckte auf dem völlig überladenen Schiff die Leichen von 30 Menschen, die offenbar von der Besatzung im Schiffsinnern eingeschlossen worden waren und dort der Hitze erlagen oder an Abgasen erstickten. Laut den Medienberichten geht die Polizei aber davon aus, dass insgesamt mehr als 140 Menschen auf dem Schiff ums Leben kamen. Die meisten der Flüchtlinge an Bord waren Syrer.

Drei der fünf Verdächtigen wollten den Medienberichten zufolge fliehen und hätten bereits Bustickets nach Mailand in der Tasche gehabt. Zuvor seien drei tunesische Schmuggler festgenommen worden, die offenbar nichts unternommen hätten, um die Gewalt zu stoppen.

Italien rechnet bis Jahresende mit insgesamt 100.000 Flüchtlingen, weil das Mittelmeer während des Sommers besonders ruhig ist. Die meisten Menschen kommen aus Afrika und der Nahost-Region und fliehen vor Armut und Kriegen Richtung Europa.

vks/AFP

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