Weltuntergang: Katastrophenschutzminister muss Russen beruhigen

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Der Maya-Kalender endet, viele Russen erwarten deswegen auch gleich das Ende der Welt. Geschäfte sind leer gekauft, besonders beliebt sind Notfall-Ausrüstungen mit Wodka, Instant-Nudeln und Kondomen. Der Katastrophenschutzminister sucht das Volk zu entspannen.

Weltuntergang in Russland: Das Leben geht weiter, versprochen! Fotos
dapd

Vergangene Woche hat der russische Katastrophenschutzminister zu seinen Bürgern gesprochen. Er wisse, was auf der Erde passiere, sagte er. Er habe Zugang zu Methoden, die das überwachen. Deswegen könne er mit Zuversicht sagen: Die Welt wird im Dezember nicht untergehen.

Der Minister Vladimir Puchkov versucht, wie viele andere auch, die Russen zu beruhigen. Natürlich seien die Russen verletzlich, räumte der Minister laut der "New York Times" ein. Schnee und Eis, Überschwemmungen und Tornados könnten das Volk gefährden, aber nicht der Maya-Kalender. Wer sich trotzdem ängstige, dürfe natürlich die Hotline des Ministeriums anrufen und über seine Sorgen sprechen.

Viele Russen glauben fest an das, was der Kalender der Maya angeblich prophezeit. Demnach naht das Ende der Welt. Denn in diesem Jahr, am 21. Dezember, endet ein Zyklus im historischen Maya-Kalender. Deswegen gilt dieser Tag vielen als Doomsday, als Tag des letzten Gerichts.

Es ist nicht der erste Doomsday in der Geschichte der Menschheit. Der US-Prediger Harold Camping beispielsweise hat schon mehrmals das Ende der Welt kommen sehen, erstmals im Jahr 1988. Als die Katastrophe ausblieb, rechnete er weiter: 21. Mai 2011. Und weiter: 21. Oktober 2011. Inzwischen ist er des Weltuntergangs müde: "Wir müssen offen zugeben, dass wir keine neuen Hinweise auf das Ende der Welt haben", teilte der 90-Jährige Anfang des Jahres auf seiner Webseite mit.

Abgeordnete baten die Medien: Hört auf zu berichten!

Den 21. Dezember 2012 kommentierte Camping nicht. Dieser Tag ist tatsächlich eine Zäsur im Maya-Kalender. Aber droht uns deswegen ein Supervulkanausbruch? Gammastrahlen? Kehrt sich das Magnetfeld der Erde um? Definitiv nicht, sagen Forscher heute. Und auch kein Maya hätte je mit dem Untergang der Welt an diesem Tag gerechnet.

Richtig ist, dass die Maya jeden Tag einzeln zählen, die Tage teilen sie in Zyklen ein. Für sie gibt es unter anderem den 20-Tage-Zyklus, den 360-Tage-Zyklus und den 7200-Tage-Zyklus. Und 144.000 Tage, gleich 400 Jahre, sind ein bak'tun. Gegenwärtig befindet sich die Menschheit demnach im 13. bak'tun. Und dieser endet am 21. Dezember 2012. Das ist alles.

Und deswegen drehen manche Russen durch.

Politiker und Ärzte wenden sich an die aufgeregten Bürger. Der Vorsitzende des Duma-Komitees für Wissenschaft und Technik verkündete öffentlich, dass es keine Apokalypse geben werde. Mit Sicherheit nicht. Abgeordnete der Duma haben sogar einen offenen Brief an die Medien geschrieben, berichtet "Russia Today". Sie sollen doch bitte nichts mehr über Prophezeiung berichten. Sie flehten vergebens. Zu kurios ist das, was derzeit in Russland passiert.

Notfallsets, Trips in den Himmel, Weltuntergangskurse

In einem Frauengefängnis nahe der chinesischen Grenze sollen Gefangene eine gemeinsame Psychose erlebt haben, schreibt die "New York Times". Irgendwann riefen die Wächter einen Priester herbei, er sollte die Frauen beruhigen. In einer russischen Stadt sollen Menschen einen riesengroßen Torbogen aus Eis im typischen Maya-Stil bauen. Hinzukommen all die leeren Supermarktregale in vielen Städten. Kerzen? Ausverkauft! Heizöl? Mangelware!

Manch einer greift auch auf eine der Notfallausrüstungen zurück, die findige Geschäftsleute derzeit verkaufen, in der Hoffnung, so den Weltuntergang zu überleben. Darin - je nach Anbieter -: Wodka für die Männer, Champagner für die Damen, Messer, Instant-Nudeln, Fischkonserven, Shampoo, Seife, Kerzen und Kondome.

Dabei kämpft bei weitem nicht nur Russland mit panischen Menschen. In Frankreich wollen Behörden den Weg nach Bugarach versperren, ein 200-Einwohner-Dorf am Fuße der französischen Pyrenäen. Verschwörungstheoretiker glauben, dass ihnen hier das Fegefeuer erspart bleibt. Denn in dem Pic de Bugarach, dem 1230 Meter hohen Hausberg der Gemeinde, schlummern angeblich Außerirdische, die am 21. Dezember zum Leben erwachen. Sie sollen die Auserwählten - also all jene, die im Ort leben - vor dem Inferno retten. In Mexiko und Guatemala bieten Reiseagenturen Touren an: "Das Ende der Welt mit Maya". Die russische Nachrichtenagentur "Ria Novosti" berichtet von wesentlich interessanteren Trips, die in der Ukraine thematisch passend zum Weltuntergang angeboten werden: wahlweise in den Himmel oder in die Hölle. Die Himmelfahrt kostet 15 (rund 11,50 Euro), der Höllentrip 18 Dollar (rund 13,80 Euro).

Das sei alles nur ein Scherz gewesen, versicherte eine Mitarbeiterin der Agentur. Viele hätten sich darüber amüsiert, viele aber auch geärgert: Die Agentur habe viele Anrufe von jenen Menschen bekommen, die an die Apokalypse glauben, sagte die Mitarbeiterin. Sie hätten sich dadurch angegriffen gefühlt. Allzu sehr sollten sie sich aber nicht grämen: Auch für sie gibt es passende Angebote. Ein kostenloser Kurs beispielsweise, der in der Ukraine auf das Ende der Welt vorbereitet.

Aber längst nicht alle Menschen in Russland hyperventilieren derzeit. Mehr als 200 Russen allein in der Stadt Krasnojarsk dachten sich offenbar: Gibt es einen besseren Start in die Ehe als an diesem Tag zu heiraten? 112 Paare, berichtet die "Prawda", werden an diesem Tag, dem Doomsday, dem Tag des letzten Gerichts, dort ihre Hochzeit feiern. Sie werden auf eine harmonische, glückliche, erfüllende Ehe anstoßen. Bis dass der nächste Weltuntergang sie scheidet.

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1. Wehe sie geht doch unter.
prontissimo 02.12.2012
Zitat von sysopAPDer Maya-Kalender endet, viele Russen erwarten deswegen den Weltuntergang. Geschäfte sind leer gekauft, besonders beliebt sind Notfall-Ausrüstungen mit Wodka, Instant-Nudeln und Kondomen. Der Katastrophenminister sucht das Volk zu beruhigen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/maya-kalender-russen-fuerchten-sich-vor-dem-weltuntergang-a-870496.html
Dann kan sich Vladimir Puchkov aber auf Putins Donnerwetter gefasst machen.
2.
meinmein 02.12.2012
Man braucht gar nicht nach Russland schauen, hier im Forum spuken genug Maya-Gläubige herum. Ganz bestimmt auch in diesem thread.
3.
Obi-Wan-Kenobi 02.12.2012
Zitat von sysopAPDer Maya-Kalender endet, viele Russen erwarten deswegen den Weltuntergang. Geschäfte sind leer gekauft, besonders beliebt sind Notfall-Ausrüstungen mit Wodka, Instant-Nudeln und Kondomen. Der Katastrophenminister sucht das Volk zu beruhigen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/maya-kalender-russen-fuerchten-sich-vor-dem-weltuntergang-a-870496.html
Kondome wären so ziemlich das letzte, was ich vor dem Weltuntergang kaufen würde. Lieber etwas mehr Vodka. :-)
4. es lebe das 19. Jahrhundert
keksguru 02.12.2012
scheinbar sind viele Russen immer noch im 19. Jahrhundert - die Kirche fürs Geistliche, den Aberglauben für alles, wofür die Kirche keine Erklärung hat. In keinem anderen Land der Welt kann man mit Aberglauben SOOOOO gute Geschäfte machen.
5.
Atheist_Crusader 02.12.2012
Zitat von sysopAPDer Maya-Kalender endet, viele Russen erwarten deswegen den Weltuntergang. Geschäfte sind leer gekauft, besonders beliebt sind Notfall-Ausrüstungen mit Wodka, Instant-Nudeln und Kondomen. Der Katastrophenminister sucht das Volk zu beruhigen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/maya-kalender-russen-fuerchten-sich-vor-dem-weltuntergang-a-870496.html
Wozu doch gleich Kondome? Die bringen vielleicht was wenn nur die Zivilisation untergeht... aber wenn die ganze Welt untergeht, ist Verhütung da doch eher die kleinere Sorge. Naja, ich wette, im August-September 2013 werden eine ganze Menge Kinder geboren werden. ^^
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