Trotz Todesfall RWE will Hambacher Forst weiter roden

"Die Annahme, dass der Forst gerettet werden kann, das ist Illusion": Bei "Maybrit Illner" hat RWE-Chef Schmitz erklärt, warum die Rodung im Hambacher Forst trotz des Todesfalls weitergehen soll.

Unfallstelle im Hambacher Forst
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Unfallstelle im Hambacher Forst


Nach dem Unfalltod eines Journalisten im Hambacher Forst gehen Forderungen und Schuldzuweisungen hin und her. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) warf einigen Waldbesetzern vor, die Unterbrechung der Räumungsarbeiten für den Bau neuer Baumhäuser zu nutzen. Er forderte die Aktivisten am Donnerstag auf, die Häuser zu verlassen. Eine Sprecherin der Waldbesetzer lehnte das ab. Wenn die Räumungen fortgesetzt würden, werde man sie weiter behindern, kündigte sie an. Der "Irrsinn dieses Einsatzes" müsse aufhören.

Die Polizeiaktion im Hambacher Forst läuft seit einer Woche. Bis Mittwoch waren nach Polizeiangaben 39 von 51 Baumhäusern geräumt worden. Die Waldbesetzer protestieren gegen das Vorhaben des Energiekonzerns RWE, weite Teile des Hambacher Forstes zur Braunkohlegewinnung abzuholzen.

Konzernchef Rolf Martin Schmitz sagte am Donnerstagabend bei "Maybrit Illner", man wolle den Hambacher Forst trotz des Todesfalls weiter für die Braunkohleförderung roden. "Die Annahme, dass der Forst gerettet werden kann, das ist Illusion. Und ich bin tief betroffen, dass für eine solche Illusion, für ein solches Symbol gestern ein Mensch gestorben ist."

Am Mittwoch war ein 27 Jahre alter Journalist aus Leverkusen durch die Bretter einer Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gebrochen und 15 Meter in die Tiefe gestürzt. Er starb noch im Wald an seinen schweren Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Unfall aus.

Ein Verzicht auf die Rodung des Waldes würde RWE laut Schmitz einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag kosten: "Ein Stillstand des Hambacher Forstes ad hoc würde etwa vier bis fünf Milliarden Euro bedeuten."

Dabei würde es Schmitz zufolge nicht nur um die entgangene Braunkohle gehen. Es müssten auch mit hohem Aufwand große Abraummengen herbeigeschafft werden, um die Abbruchkante des Braunkohletagebaus zu stabilisieren, "wenn der Hambacher Forst stehen bleibt, wenn wir nicht weiter arbeiten können". Moderatorin Illner hatte mit ihren Gästen - darunter Schmitz - zu folgendem Thema diskutiert: "Teurer Strom, billige Ausreden - scheitert die Energiewende?"

Greenpeace hatte eine für Donnerstag angekündigte Pressekonferenz zum Hambacher Forst in Berlin abgesagt. "Wir wollen nicht wenige Stunden nach dieser Tragödie zum Tagesgeschäft übergehen", begründete die Umweltschutzorganisation den Schritt. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, forderte eine "Denkpause, um der Trauer Raum zu geben".

Im Video: Die Besetzung des Hambacher Forst (SPIEGEL TV von 2015)

SPIEGEL TV

aar/dpa

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redduke 21.09.2018
1. Hambacher Restwald
Die anstehende Rodung eines zwanzigstel Restwaldgebietes im Hambacher Forst, gerne von den Medien zum Jahrtausendealten Urwald deklariert, treibt zur Zeit viele sogenannte Umweltaktivisten und Journalisten buchstäblich auf die Bäume. Diese setzen sich über geltendes Recht hinweg, indem sie zum einen Gewalt gegen die Polizei ausüben und zum anderen den Eigentümer an der Ausübung seiner rechtmäßig beschlossenen Nutzung des Waldgebietes hindern. Es gibt Proteste wegen des Verlustes des Waldes und wegen der CO2-Emissionen durch die Braunkohleverfeuerung. Ein nüchterner Blick auf die CO2-Problematik würde die Diskussion versachlichen. Betrachtet man den Anteil den Deutschland an den CO2-Emissionen weltweit hat, sind dieses nur ca. 2%. Davon entfallen ca. 1/3 dieser 2% auf die Stromerzeugung durch Braun- und Steinkohle, d.h. ca. 0,7% der weltweiten CO2 Emissionen sind auf deutsche Stein- und Braunkohlekraftwerke zurückzuführen!!! Die installierte Kraftwerksleistung von Braun- und Steinkohle in Deutschland beträgt ca. 46.000 MW. Davon entfallen auf die Kraftwerke, die aus dem Tagebaugebiet Hambacher Forst beliefert werden, 8.100 MW. Umgerechnet auf die weltweiten CO2-Emissionen sind das dann ca. 0,1% der weltweiten Emissionen. Damit liegen diese in einem Bereich, der weltweit nicht mehr wahrnehmbar ist. Dennoch gibt es Bürger, die glauben, im Hambacher Forst die Welt vor dem CO2 Anstieg retten zu können!!!!!!!! Von daher kann ich nur mein Beileid wünschen. Zum unnötigen Unglück und zur unnötigen Diskussion um den Erhalt des "Jahrtausendealten Resturwald" während jeden Tag die Regenwälder abgeholzt werden und in China jedes Jahr weiter Braunkohlekraftwerke ans Netz gehen und pro Jahr mehr CO2 ausstoßen, was die BRD in 20 Jahren einspart. Gute Nacht Deutschland
bmvjr 21.09.2018
2. Wert des Waldes
Eine Einstellung der Raeumung und Abbrechen des Abholzens dieses Forstes wuerde 4 bis 5 Milliarden kosten? Wen? Und was ist ein 12.000 Jahre alter Forst wert? Und wenn denn ein solch tausende Jahre alter Forst heute tatsaechlich RWE "gehoert", wurde solch ein Eigentumsuebergang an ein Industrieunternehmen nicht mit entsprechenden vertraglichen Auflagen verknuepft in Sachen Bestandspflege, Verwendung, etc.? Wenn schon ein Grundstueckseigner mit Auflagen belegt wird, ob sein Grundstueck ueberhaupt jemals bebaut werden darf und wenn ja wieviel davon, in welcher Hoehe, fuer welche Art der Nutzung dann muss beim Verkauf eines 12000 Jahre alten Forstes an ein Industrieunternehmen doch auch etwas an Auflagen vorhanden sein.
ulrics 21.09.2018
3.
Wie viel verdient RWE eigentlich am Holzverkauf? Und darf bei einer Sache die angeblich dem Gemeinwohl dient überhaupt Gewinn gemacht werden? Abgesehen davon gab es bereits tausende Tote durch Braunkohleverstromung. Durch Klimawandel und durch Schadstoffausstoss. Die Toten sind bloß nicht so offensichtlich.
BSC 21.09.2018
4. Rwe
Die sollen weiter machen. Rechtsstaatlichkeit ist ein hohes Gut, nur weil es linken Spinnern, neudeutsch Aktivisten, nicht passt, darf man diesen nicht aufgeben. Die Medien tun aktuell alles, um das Recht von RWE zu banalisieren. Leider, und auch bedenklich.
redduke 21.09.2018
5. Restwald
Ich sehe es genauso und hoffe, dass so schnell es geht der Restwald geräumt wird und das dieses Theater aufhört. Mit Umweltschutz hat das nichts zu tun. Das manche glauben, bei einem Ausstieg aus dem Wäldchen Hambach etwas an der Klimaerwärmung zu ändern, macht mich Fassungslos.
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