"Big Bang Theory"-Star über Amoklauf "Sagt Ja zu zivilem Ungehorsam"

Wie lassen sich die US-Waffengesetze ändern? Mayim Bialik, Star der Serie "Big Bang Theory", hat sich nach dem Amoklauf von Parkland mit einem eindringlichen Appell an die Öffentlichkeit gewandt.

AP

Der Amoklauf von Parkland hat eine neue Runde in der Debatte über die US-Waffengesetze ausgelöst. Dabei sind die Argumente längst bekannt, die Verlogenheit vieler Standpunkte ebenso wie die Resignation angesichts der Untätigkeit vieler Entscheidungsträger.

Doch eine Sache ist dieses Mal anders: Nach der Tat mit 17 Toten und 15 Verletzten wollen sich die Überlebenden nicht mit der vermeintlichen Unvermeidlichkeit solcher Vorfälle abfinden. Sie begehren gegen Politiker auf, die gegen striktere Waffengesetze sind, auch US-Präsident Donald Trump. Er hatte viele Millionen Dollar Wahlkampfspenden von der Waffenlobby bekommen. "Blut klebt an Ihren Händen" heißt es nun in Richtung des Präsidenten, und: "Schämen Sie sich".

Die jungen Leute - die betroffenen Schüler - wollen sich nicht mit den zigmal gehörten Phrasen abfinden. Sie kämpfen für schärfere Waffengesetze und haben dabei zahlreiche prominente Unterstützer wie Bette Midler, Ellen DeGeneres oder Jimmy Kimmel.

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Schüler nach Amoklauf: "Genug ist genug"

Eines der wortgewaltigsten Plädoyers hat Mayim Bialik nun auf Facebook gepostet. Die Schauspielerin, bekannt als Amy Farrah Fowler in "The Big Bang Theory", veröffentlichte ein Video. Es ist ein Appell, sich nicht mit den aktuellen Zuständen abzufinden. Es sei an der Zeit, über Waffenkontrolle zu sprechen.

Wieder einmal spreche das Land über tödliche Schüsse an einer Schule, sagt Bialik in dem gut vier Minuten langen Clip. Sie sei schockiert und zutiefst betrübt. "Die Bilder dieser 17 Gesichter gehen mir nicht aus dem Kopf", sagte Bialik. Aber das habe sie nach den vergangenen Schüssen an anderen Schulen auch gesagt - "und tatsächlich vergessen wir".

Ihre Reaktion: "Ich bin wütend, ich fühle mich betäubt, ich bin angewidert, ich bin entsetzt, und manchmal alles auf einmal." Es beschäme sie, was in den USA normal geworden sei. "Das ist nicht normal, es reicht."

Gewalttätige Videospiele, ein falsches Männlichkeitsbild, mangelnde Hilfe für psychisch Kranke - das seien Faktoren, die zu einem größeren Problem beitrügen, sagt Bialik. Diese Probleme ließen sich nicht heute und auf einmal lösen. Aber etwas anderes sei machbar.

Etwa, den Zugang zu Waffen wie dem Gewehr AR-15 zu erschweren. Mehrere Schul-Amokläufer haben es für ihre Taten benutzt. "Diese Art der Massentötung würde ohne solche Waffen nicht geschehen", sagt Bialik. Amerika sei die Nummer eins beim Waffenbesitz. Die Mordrate in den USA sei sechsmal so hoch wie in Kanada, siebenmal so hoch wie in Schweden und 16-mal so hoch wie in Deutschland. Sie fühle sich hilf- und hoffnungslos.

Und dann kommt sie auf die Waffengesetze zu sprechen. "Wissen Sie, warum diese Gesetze sich so schwer ändern lassen?", fragt sie die Zuschauer. Weil die Lobbygruppe National Rifle Association (NRA) Geld an Politiker spende. Senatoren aus Arizona, North Carolina, Missouri, Colorado bekämen das meiste Geld von der NRA. Ebenfalls reichlich bedacht würden Kongressabgeordnete Arkansas, Colorado, Idaho, Iowa und Montana.

Das Ergebnis sei, dass gewählte Personen nicht die Interessen Bürger vertreten würden. "Wie können wir das ändern?" Man soll es sich zur Aufgabe machen, Personen zu unterstützen, die gegen von der NRA unterstützte Politiker antreten.

Bialik rief dazu auf, am geplanten National School Walkout teilzunehmen - am 14. März sollen Schüler und Lehrer die Schulen verlassen, um Druck auf den Kongress auszuüben (Mehr dazu lesen Sie hier). "Sagt ja zu zivilem Ungehorsam", sagte sie - und man solle andere ermuntern, mitzumachen. "Verlangt mehr. Es ist euer Land. Das ist unsere Demokratie. Holen wir sie uns zurück."

ulz

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