Leben in der Kanalisation: Im Untergrund

Der Platz reicht gerade mal für ein Bett, einen Stuhl und zwei Menschen: In der kolumbianischen Stadt Medellin lebt ein Paar in einem stillgelegten Teil der Kanalisation. Seit 22 Jahren - und sogar mit Hund.

Leben im Untergrund: Achtung! Kopf einziehen! Fotos
AFP

Medellin - Gerade sind Miguel Restropo und Maria Garcia dabei, ihr Zuhause für Weihnachten zu dekorieren. Die beiden haben sich schon einen Baum besorgt. Mehr als mannshoch ist er und damit zu groß für ihre Wohnung. Also wird er draußen aufgebaut.

Restropo und Garcia leben auf einer Fläche von gerade mal zwei mal drei Metern. Nur 1,40 Meter hoch ist ihre Behausung: Das Paar hat sich in einem stillgelegten Teil der Kanalisation von Medellin eingenistet. Wo einst der Gullydeckel war, ist nun der Eingang zu ihrem bescheidenen Heim. Zum Schutz vor Regen und Kälte legen sie eine Platte darüber.

Restropo, 62 und einst drogensüchtig, lebt seit 22 Jahren mit seiner Frau in diesem Abflussrohr. Den wenigen Platz teilen sie sich noch mit ihrem Hund. In dem kleinen Raum ist gerade mal genug Platz für ein Bett und einen Stuhl, aber auch einen Ofen, einen Ventilator und sogar einen Fernseher können Restropo und Garcia ihr Eigen nennen.

Ihr Heim gehört ihnen rein rechtlich jedoch nicht. Jeden Moment könnte die Stadtverwaltung sie aus ihrer Behausung vertreiben, weil die Kanalisation in städtischem Besitz ist. Vor dem Gesetz gelten die beiden als obdachlos.

Medellin ist mit 2,3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Kolumbiens. Von ihr hat das legendäre Drogenkartell seinen Namen, das dort in den siebziger und achtziger Jahren aktiv war. 1993 wurde es offiziell zerschlagen, nachdem die Regierungen Kolumbiens und der USA - mit Hilfe von paramilitärischen Truppen - alle Bandenmitglieder getötet oder festgenommen hatten.

Armut ist ein großes Problem in Kolumbien. Seit Jahrzehnten besteht ein Konflikt zwischen Regierung und FARC-Guerilla. In dieser Zeit wurden Schätzungen zufolge 600.000 Menschen getötet. Anfang der achtziger Jahre ergriff der "Narcotrafico", der Drogenschmuggel in großem Stil, Besitz von Kolumbien. Ein Drittel des Rauschgifts, das in den Dschungelküchen Kolumbiens gekocht wird, verlässt über die Pazifikroute das Land.

siu

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