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Nobelpreisträger über Frauen: "Wenn du sie kritisierst, fangen sie an zu heulen"

Nobelpreisträger Tim Hunt kennt sich aus mit Zellen. Aber nicht mit Frauen. Auf einer Konferenz schwadronierte er über verliebte Mädchen und eine notwendige Geschlechtertrennung im Labor. Ein "Chauvi-Schwein" antiken Kalibers.

Nobelpreisträger Sir Richard Timothy Hunt: Wenig nobles Frauenbild Zur Großansicht
AFP

Nobelpreisträger Sir Richard Timothy Hunt: Wenig nobles Frauenbild

Der britische Biochemiker Tim Hunt ist ein kluger Mann. Für seine Arbeit über die Kontrolle des Zellzyklus' erhielt der Krebsforscher 2001 den Nobelpreis für Medizin.

Jetzt allerdings sorgt der 72-Jährige mit wenig intelligenten Bemerkungen über seine Kolleginnen für Ärger. "Lassen Sie mich von meinen Problemen mit Mädchen berichten", sagte Hunt ausgerechnet auf einer Konferenz von Wissenschaftsjournalistinnen in Seoul. "Drei Dinge passieren, wenn sie im Labor sind: Du verliebst dich in sie, sie verlieben sich in dich und wenn du sie kritisierst, fangen sie an zu heulen."

Seine Konsequenz: Männlein und Weiblein sollten doch bitte nach Geschlechtern getrennt werden - in Herren- und Damenlaboren, wie bei öffentlichen Toiletten.

Er sei ein "Chauvinisten-Schwein", gab Hunt noch zu. Das machte die Entgleisung aber keinen Deut besser. Zur Erinnerung: Ein "Chauvi" zu sein, gilt seit geraumer Zeit als unfein und überholt. Trotzdem ist die Wissenschaft auch in Großbritannien weiter männerdominiert. Nur etwa 13 Prozent der Beschäftigten in Wissenschaft, Technologie und Ingenieurwesen sind Frauen, wie die "Daily Mail" berichtet.

Dass Hunts antiquiertes Pauschalisieren nicht unbemerkt bleiben würde, war klar. Die Leiterin des Studiengangs Wissenschaftsjournalismus an der Londoner City University, Connie St Louis, postete entnervt das sexistische Geplapper auf Twitter. "Also ehrlich, denkt dieser Nobelpreisträger, dass wir in viktorianischen Zeiten leben?", fragte sie - und die Entrüstung war erwartungsgemäß groß.

"Dass Tim Hunt und andere sich wohl dabei fühlen, ganz selbstverständlich in der Öffentlichkeit sexistisch zu sein, sagt viel über die Situation in der Wissenschaft aus", schrieb Karen James. Eine andere Nutzerin warf die Frage auf, wie sich denn der Europäische Forschungsrat (ERC) in der Sache verhalte, der den Besuch Hunts gesponsert haben soll.

Die Royal Society, in der "Sir Tim" Mitglied ist, distanzierte sich von den Bemerkungen des offensichtlich in alten Mustern gefangenen Biochemikers.

"Zu viele talentierte Personen können ihr wissenschaftliches Potenzial auch aufgrund ihres Geschlechts nicht entfalten", heißt es vage in einem Statement. Die Royal Society sehe sich verpflichtet, dies zu ändern. Da haben die Mitglieder noch Einiges zu tun: In der 1660 gegründeten Königlichen Gesellschaft beträgt der Anteil der Frauen gerade mal sechs Prozent.

Inzwischen hat sich Hunt für seinen umstrittenen Auftritt entschuldigt. Er habe niemanden verletzten wollen. "Ich wollte nur ehrlich sein", sagte er der BBC. "Ich habe mich in Menschen verliebt im Labor, und die haben sich in mich verliebt." Diese "emotionale Verknüpfung" habe das "Leben sehr schwer gemacht".

ala

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