Mehrfach überfahrenes Kleinkind Zweijährige Yue Yue ist gestorben

Das Schicksal des kleinen chinesischen Mädchens löste großes Entsetzen aus: Die zwei Jahre alte Yue Yue war von zwei Autos überfahren worden, anschließend gingen fast 20 Passanten ungerührt an ihr vorbei. Nun ist das Opfer seinen Verletzungen erlegen.

Aufnahmen einer Überwachungskamera: Die zweijährige Yue Yue kurz vor dem Unfall
AP/ TVS

Aufnahmen einer Überwachungskamera: Die zweijährige Yue Yue kurz vor dem Unfall


Hamburg - Ein in China mehrfach überfahrenes zweijähriges Mädchen ist am Freitag an seinen schweren Verletzungen gestorben. Der Vorfall war von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden und hatte nach weitreichender Verbreitung im Fernsehen und im Internet landesweit für Entsetzen gesorgt. Weder die Fahrer zweier Wagen noch Passanten halfen dem am Boden liegenden Kleinkind.

In einem Krankenhaus erlag die im Koma liegende Yue Yue eine Woche nach den Ereignissen laut der behandelnden Ärzte am Freitagmorgen ihren Verletzungen. Die Ärzte hätten alles versucht, um das Leben der Tochter von Wanderarbeitern zu retten, versicherte ein Sprecher der Klinik. Demnach starb das Mädchen an Organversagen.

"Was ist mit den Menschen heutzutage los?", hatte der verzweifelte Vater der kleinen Yue Yue nach dem Unfall gefragt. "Die Gesellschaft ist so gleichgültig, so herzlos." In den Medien entbrannte eine hitzige Diskussion um die Verrohung der chinesischen Gesellschaft, den vorherrschenden Egoismus und die mangelnde Hilfsbereitschaft, eine Welt, in der der Materialismus regiert und Barmherzigkeit nicht vorkommt.

Der Vorfall erregte vor allem unter Internetnutzern in China viel Aufsehen. Zahlreiche Menschen zeigten sich überzeugt, dass die rasante wirtschaftliche Entwicklung des Landes mit zunehmendem Egoismus und Werteverlust einhergeht. "Ihr Bastarde", empören sich YouTube-User, nachdem das Video aufgetaucht ist, "die Chinesen sollen in der Hölle schmoren".

Die Tageszeitung "Global Times" schrieb am Freitag, der Vorfall zeige die "dunkle Seite" der chinesischen Gesellschaft. Menschen, die sich in ähnlichen Situationen nicht hilfsbereit zeigten, sollten aber nicht juristisch verfolgt werden. "Es ist vielmehr angebracht, ein Belohnungssystem für diejenigen einzurichten, die ihre Hilfe anbieten", so die Zeitung. "Der Fall Yue Yue erinnert uns daran, wo China auf dem Weg seiner moralischen Entwicklung steht."

wit/dapd/AFP



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