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Kinderpornografische Werbung: Der Teufel heißt Prada

Ein Kommentar von

Der Prada-Tochterkonzern Miu Miu irritiert mit Lolita-Fotos - sie erwecken den Anschein, ein Kind in einen erotischen Kontext zu setzen. Jetzt hat die britische Werbeaufsicht durchgegriffen. Zu Recht.

Ein junges Mädchen mit langen blonden Haaren räkelt sich in einem kargen Zimmer auf einem Bett. Das Laken ist zerknittert, die Lippen des Mädchens leicht geöffnet. Sie sieht jung aus, 15, 16 Jahre vielleicht. Mit erwartungsvoll-ängstlichem Blick schaut sie in die Kamera des Fotografen, der sie, so scheint es, heimlich durch eine offen stehende Tür beobachtet. Kein Make-up, die Klamotten ein wenig zu groß und die Füße in Pumps mit riesigen Schleifen: Kaum jemand dürfte bei diesem Anblick an die neue Frühlingskollektion des italienischen Luxuslabels Miu Miu denken. Kinderpornografische Aufnahmen - das sind die Assoziationen, die diese Bilder auslösen. Die britische Werbeaufsichtsbehörde ASA hat Bilder der Kampagne jetzt verboten - zu Recht.

In der Werbung ist das Motiv der Lolita immer noch häufig vertreten - fast genauso oft geht die Inszenierung schief. Vor allem die Modewelt hat in den vergangenen Jahren immer wieder Kampagnen produziert, die mindestens Unbehagen auslösen. Prada, der Mutterkonzern von Miu Miu, verteidigte die Bilder mit dem Hinweis, es gebe bei den Bildern keine sexuellen Anspielungen, die fotografierte Schauspielerin Mia Goth sei 22 Jahre alt.

Ach so, schon volljährig? Spielt keine Rolle

Es ist aber egal, dass Goth volljährig ist. Es ist die Anmutung, die Mischung aus Voyeurismus, Angst, Unterordnung, die ein verstörendes Bild ergibt. So urteilt auch die ASA richtigerweise: "Ihre jugendliche Erscheinung, in Verbindung mit dem Umfeld und der Pose könnten den Eindruck vermitteln, dass diese Werbung ein Kind in einer sexualisierten Situation darstellt."

Kunst, verteidigen die Modemacher solche Ausrutscher gerne, Kunst darf alles, bricht die Regeln und provoziert. So erklärte auch die britische "Vogue" eine Doppelseite mit der Werbung und sprach von einer "niveauvollen" Leserschaft, die gebildet genug sei, "herausragende Fotografie und Models zu schätzen". Als ob sexueller Missbrauch eine Geschmacksfrage sei.

Auf Mode-Plattformen war zu lesen, die Bilder stammten von dem berüchtigten Modefotografen Steven Meisel, der seine Fotografie schon oft zum vorsätzlichen Tabubruch nutzte und Models bereits in der Entzugsklinik posieren ließ. Aber es handelt sich hier nicht um einen sozialen Kommentar. Es handelt sich um Hochglanzfotos, die mit Missbrauchsfantasien spielen, um Handtaschen zu verkaufen.

Ein systematischer Tabubruch

Dafür ist auch der Tabubruch von Miuccia Prada zu systematisch. Seit Jahren präsentiert die Designerin ihre Mode an Models, die teilweise tatsächlich Teenager sind - wobei die Designerin auszunutzen scheint, dass es im Gegensatz zu den USA und Großbritannien in Italien kein Verbot in der Modebranche gibt, Models unter 16 einzusetzen. 2011 etwa fotografierte Miu Miu die damals 14-jährige Schauspielerin Hailee Steinfeld, weinend, zerbrechlich, auf Bahnschienen sitzend. Ein Teil der Bilder wurde in Großbritannien später ebenfalls verboten, weil sie ein Kind in einer potenziell gefährlichen Situation zeigten. Das hielt Prada jedoch nicht davon ab, im vergangenen Herbst eine 14-Jährige in Mailand über den Laufsteg zu schicken.

Mit dieser Werbestrategie ist Prada keinesfalls alleine. Von Marc Jacobs bis American Apparel - die Rügen der Aufsichtsbehörden haben nicht wirklich dazu geführt, dass Modefirmen auf den verführerische-Schulmädchen-im-Minirock-Look verzichten. Gerade in Zeiten, in denen im britischen Rotherham einer der größten Kindesmissbrauchsskandale der vergangenen Jahrzehnte aufgearbeitet wird, ist der Schritt der ASA gerechtfertigt. Werbung, die Kinder und Teenager erotisiert, sollte nicht als verkaufsfördernd erachtet werden. So einfach ist das.

Zur Autorin
Carina Wendland
Gesa Mayr, Jahrgang 1986, aufgewachsen in Bonn und Berlin. Studierte "European Studies" und "Media Culture" an der Universität Maastricht und der Universität Bologna. Volontierte in der schönsten Stadt der Welt, beim "Kölner Stadt-Anzeiger". Seit April 2013 Redakteurin bei SPIEGEL ONLINE im Ressort Panorama.

E-Mail: Gesa_Mayr@spiegel.de

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