Mann ohne Gedächtnis: Das Rätsel von Palm Springs

Als Michael Boatwright im Krankenhaus von Palm Springs erwachte, sprach er nur noch Schwedisch und nannte sich Johan Ek. Der US-Amerikaner hatte offenbar lange in Schweden gelebt, doch er kann sich an kaum etwas erinnern. Nun fragen sich die Ermittler: Was ist mit ihm geschehen?

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Krankenhaus in Palm Springs, Kalifornien: Hier hält sich Boatwright derzeit auf

Hamburg - Der Mann, der bewusstlos in einem Motelzimmer in Kalifornien gefunden wurde, hatte fünf Tennisschläger, Sportkleidung, einen Rucksack, zwei Handys, etwas Bargeld und einige Fotos bei sich. Er wurde ins Krankenhaus von Palm Springs gebracht. Als er dort aufwachte, sprach er nur Schwedisch und nannte sich selbst Johan Ek - doch das ist nicht sein richtiger Name.

Der Mann besaß auch einen Reisepass, einen Personalausweis, eine Sozialversicherungsnummer und einen Medizinischen Pass der US-Armee. Alle Dokumente identifizierten ihn als Michael Boatwright, 61 Jahre alt. So berichtete es die Tageszeitung "Desert Sun".

Boatwright konnte sich offenbar nicht an seine wahre Identität erinnern, Ärzte diagnostizierten einen Gedächtnisverlust. Vier Monate nach dem Auffinden des Mannes sind nun mehr Details der Geschichte bekannt geworden - auch weil die Polizei bewusst an die Öffentlichkeit gegangen ist. "Für den Fall, dass jemand ihn als vermisst oder gesucht meldet", wie die Ermittler mitteilten.

Bei der "Desert Sun" hat sich nun die mutmaßliche Schwester von Boatwright gemeldet. Doch auch Michelle Brewer konnte nicht viel zur Aufklärung beisteuern. "Ich habe seit Jahren nicht mit ihm gesprochen", sagte sie über ihren Bruder. "Er ist einfach verschwunden." Auch nach dem Tod ihrer Mutter im vergangenen Jahr habe sie ihn nicht erreichen können. "Er war immer ein Wanderer", sagte Brewer. "Wenn er Geld oder sonst irgendwas brauchte, tauchte er auf. Und dann war er wieder weg."

Geboren wurde Boatwright vermutlich in Florida. Offizielle Dokumente aus Schweden zeigen, dass er von 1981 bis 2003 in dem skandinavischen Land lebte - das erklärt die Sprachkenntnisse. Mehrere Schweden beschrieben ihn als Mann mit großem Interesse an mittelalterlicher Geschichte und Ritterspielen.

Boatwright hat offenbar nur 180 Dollar zur Verfügung. Hinzu kämen ein paar Dollar auf chinesischen Konten, heißt es laut der Nachrichtenagentur AP in der "Desert Sun". Demnach hatte er nach dem Wegzug aus Schweden möglicherweise eine zeitlang als Englischlehrer in Japan und China gearbeitet.

Eine mit dem Fall betreute Sozialarbeiterin sagte der "Desert Sun", er wisse nicht, wie man öffentliche Verkehrsmittel nutze oder in sozialen Einrichtungen unterkäme. Ohne Geld ist auch sein Verbleib im Krankenhaus von Palm Springs unsicher. Vom Gedächtnisverlust abgesehen, gehe es Boatwright gesundheitlich gut, sagen die behandelnde Ärzte. Man prüfe derzeit alternative Unterbringungen.

Der Mann ohne Gedächtnis sprach auch selbst mit der Zeitung. Dass er niemanden kenne und sich an niemanden erinnere, so Boatwright, mache ihn "manchmal sehr traurig und manchmal einfach wütend".

hut

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