Military-Pin-up-Kalender "Kess, aber nicht anstößig"

In der südenglischen Grafschaft Hampshire sorgt eine eigenwillige Wohltätigkeitsaktion für Aufregung: Um Geld für verletzte Soldaten zu sammeln, ließen Dutzende Soldaten-Frauen die Hüllen fallen - für einen Pin-up-Kalender der martialischen Art.

Roy Gooding

London - "Swags" ("Service Wives And Girlfriends") nennen sich die Lebensgefährtinnen der Soldaten - und sie widmen sich eifrig dem Lebensthema ihrer Männer: Zwischen Panzer, Stacheldrahtzaun und Abfangjäger zogen sie sich für den Fotografen aus, entblößten sich bis auf wenige verhüllende Details. "Strategisch platzierte" Waffen und Uniformteile sorgten dafür, dass sich die Mädels nicht allzu sehr schämen müssten, wie die "Daily Mail" mitfühlend berichtete.

Bisweilen haben die Aufnahmen etwas geradezu rührend Unprofessionelles. Ein bisschen deplatziert wirken die Nackten vor bedrohlichem Gewitterhimmel und scheel grinsendem Totenkopf auf einem Militärflugzeug. Besonders patriotisch wird's im häuslichen Fitnessraum, wo vor dem Union Jack an der Wand trainiert wird. Martialisch und ausgesprochen unangenehm hingegen wirkt die nackte Frau mit Schäferhund an der Leine und roter MP-Binde am Oberarm.

Im zivilen Geschäftsleben ist "Swag" die Abkürzung für "sold without a guarantee", also einen Kauf ohne jede Garantie. Tatsächlich kann es sein, dass die Kalender-Girls den Geschmack des Betrachters nicht wirklich treffen, ihn vielleicht sogar zu der Vermutung anstacheln, ihre überbordenden Reize seien der wahre Grund dafür, dass so viele Männer in den Krieg zögen.

Doch der Zweck heiligt die Mittel: Mit den offenherzigen Bildern schafften es die Frauen, 26.000 Pfund (knapp 30.000 Euro) für einen guten Zweck zu sammeln - sie sollen Kameraden und Kameradinnen zugute kommen, die in Afghanistan oder dem Irak verletzt wurden.

"Alle haben gelacht"

Die Nachfrage war groß: Insgesamt 50 Frauen von Soldaten der Streitkräfte hatten sich für die Aktfotos zur Verfügung gestellt. Die 20-jährige Kelly Monk ist eine der Damen, die sich in lasziver Pose für den Kalender ablichten ließen. Ihr Freund Andrew Mason dient im "2nd Battalion the Princess of Wales's Regiment" - und hatte die zündende Idee für das Benefiz-Fotoshooting.

Nach den ersten Versuchen, sei ein "Schneeballeffekt eingetreten", berichtete Kelly aus Botley in Hampshire: "Am Anfang waren wir nervös, aber dann hat es uns wirklich Spaß gemacht, und alle haben gelacht", sagte sie der "Daily Mail". Ihr Lebensgefährte habe mit der freizügigen Aktion kein Problem: "Er weiß, dass es für eine gute Sache ist."

Fotograf Roy Goodwin lobte seine Freizeit-Models: "Sie haben sehr viel Zeit und Hingabe in das Projekt gesteckt." Nicht immer seien die Aufnahmen leicht gewesen, für ein Shooting habe man die Mädels sogar auf eine Armeebasis schmuggeln müssen.

Der Mut zum Ausziehen

Das "April-Girl" ist die 43-jährige Lisa Fellows-Patel aus der Nähe von Bath. Sie sagte der Zeitung, sie sei stolz, für die Truppen ihre Kleider ausgezogen zu haben, auch weil sie einen persönlichen Bezug zu den Soldaten hat. "Ein alter Schulfreund ist in der Armee und wurde nach Afghanistan geschickt." Der einzige Weg, wie sie ihn von zu Hause aus unterstützen könne, sei ihr Engagement bei "Help for Heroes" ("Hilfe für Helden"), einer britischen Hilfsorganisation, die sich für verletzte und traumatisierte Soldaten engagiert und versucht, sie bei der Rückkehr ins zivile Leben zu unterstützen.

In der Nacht vor dem Shooting sei sie sehr aufgeregt gewesen, habe sich aber mit dem Gedanken beruhigt, dass die Streitkräfte in der Ferne schließlich auch für sie kämpften und sie daher den Mut finden würde, sich auszuziehen. Das Ergebnis hat sie überzeugt: "Der fertige Kalender ist wunderbar. Er ist sehr kess, aber nicht anstößig, und ich mag ihn sehr."

ala



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