Miss-Muslim-World-Wahl Morgengebet statt Laufsteg

Sie tragen Kopftuch, kaschierende Kleidung und den Koran im Herzen: Im indonesischen Subang treten 19 Frauen an, um Miss Muslim World zu werden. Außer Schönheit müssen sie vor allem ihren Grips unter Beweis stellen - und ihre Frömmigkeit.

DPA

Jakarta - In Indonesien stehen derzeit zwei Miss-World-Wahlen an: Die eine zieht den Zorn islamischer Hardliner auf sich, es kam zu wütenden Protesten. Ihre Kritik: Der Schönheitswettbewerb degradiere Frauen zu Objekten. So wurden für die 137 Kandidatinnen erst die Bikinis verboten, dann machten die Veranstalter für das Finale einen neuen Austragungsort aus: Statt wie geplant in Sentul nahe der Hauptstadt Jakarta soll die Krönung nun auf der Touristeninsel Bali stattfinden.

Die andere Wahl hingegen plätschert friedlich vor sich hin: 19 junge Frauen aus Indonesien, Nigeria, Bangladesch, Iran, Brunei und Malaysia buhlen in Subang um die Krone der Miss Muslim World. Sie wurden aus hundert Video-Bewerbungen ausgesucht. Darunter sind Studentinnen, eine Umweltaktivistin, eine Dozentin, eine Architektin und eine Ärztin.

Statt geföhnter, blondierter Mähne tragen die Frauen Kopftücher, statt figurbetonten Kleidern kaschieren sie ihre Figur mit losen Hemden und langen Ärmeln. Sie müssen außer Schönheit auch Grips und vor allem Frömmigkeit unter Beweis stellen.

"Die Gewinnerin hier ist eher eine humanitäre Botschafterin als eine Schönheitskönigin", sagt die indonesische Studentin Balqis Faradiba, 21. "Mode ist nett, aber wichtig ist, was man im Herzen hat."

Sie wolle "die Schönheit des Islams herausstellen und zeigen, dass muslimische Frauen eine Menge drauf haben", sagt Studentin Obabiyi Aishah Ajibola, 21, aus Nigeria. "Bei dem anderen Wettbewerb geht es um äußere, bei uns um die innere Schönheit. Aber wie der Koran sagt: jedem das seine."

"Muslimischer Schick"

Masoumeh Ebrahimi, 27, aus dem Iran, mit Studienabschlüssen in Industriemanagement und Design, will das Kopftuch salonfähig machen. "Es gehört zu meiner Identität", sagt sie. Aisha Aderonke Adeshina, 21, aus Nigeria, trägt ein weißes Kopftuch mit knallroten Blumen.

Frömmigkeit wird an der Koranfestigkeit getestet. In der Finalrunde ist der Schönheitsschlaf um 3 Uhr zu Ende. Der Muezzin ruft zum Morgengebet. Es folgen Vorträge über das islamische Finanzwesen, islamische Erziehung und Koraninterpretationen. Die Frauen sitzen mit dicken Büchern auf dem Schoß auf dem Boden und hören aufmerksam zu. "Ein phantastisches Programm", schwärmt Aisha. Sie besucht mit den anderen anschließend ein Waisenhaus.

Dem Wettbewerb in Subang hat Indonesiens oberste Religionsinstanz, die Ulema, ihr Plazet gegeben: "Sie wollen muslimischen Schick zeigen - das ist doch etwas Positives", sagt der Ulema-Vorsitzende Amidhan Sabrah.

Den Wettbewerb richtet die World-Muslimah-Stiftung aus, zum dritten Mal, mit Unterstützung der indonesischen Modeindustrie. "Wir wollen eine islamische Alternative zu den üblichen Miss-World- und Miss-Universe-Wettbewerben sein", sagt Gründerin Eka Shanty. Die einstige Fernsehmoderatorin hängte ihren Job an den Nagel, weil sie kein Kopftuch tragen durfte.

Die Siegerin bekommt 25 Millionen Rupien (etwa 1600 Euro), darf eine Pilgerreise nach Mekka machen und wird im Namen der Organisatoren Hilfsprojekte unterstützen. "In weiten Teilen der muslimischen Welt sind Frauen Opfer von Konflikten und werden unterdrückt", sagt Shanty. "Wir helfen ihnen mit unserer Stiftung." Die Miss Muslim World wird am 18. September gekürt.

Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Fast 90 Prozent der 238 Millionen Einwohner sind Muslime. Bali gehört zwar auch zu Indonesien, ist aber mehrheitlich von Hindus bewohnt. Als wichtigster Touristenmagnet des Landes zieht die Insel jährlich Millionen Urlauberinnen an, von denen sich viele in knapper Badebekleidung am Strand präsentieren.

jjc/dpa



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