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Missbrauch

US-Erzbischof Wuerl will mit Papst über Rücktritt sprechen

Der im jüngsten US-Missbrauchsskandal in die Bredouille geratene Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, will einen "Neuanfang". Der 78-Jährige denkt an Rücktritt.

DPA

Kardinal Donald Wuerl

Mittwoch, 12.09.2018   07:38 Uhr

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Der katholische Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, will mit Papst Franziskus über seinen Rücktritt sprechen. Wuerl war in den vergangenen Wochen massiv unter Druck geraten, weil er in seiner Zeit als Bischof von Pittsburgh an der Vertuschung von Missbrauchsfällen im Klerus beteiligt gewesen sein soll.

Die Generalstaatsanwaltschaft des US-Bundesstaates Pennsylvania hatte festgestellt, dass sich über sieben Jahrzehnte hinweg mehr als 300 Priester an über 1000 Kindern und Jugendlichen vergangen hatten. Die Kirchenoberen hatten nach Überzeugung der Ermittler teils trotz Kenntnis der Vorgänge nicht durchgegriffen. Der entsprechende Report der Grand Jury ist die bisher umfassendste Untersuchung von kirchlichen Missbrauchsfällen in der Geschichte der USA. Die meisten Fälle sind allerdings strafrechtlich verjährt.

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Erzbischof Wuerl wird vorgeworfen, über die Missbrauchsvorwürfe gegen seinen Amtsvorgänger in Washington, Kardinal Theodore McCarrick, informiert gewesen zu sein. Auch Wuerls Umgang mit mutmaßlich übergriffigen Priestern in seiner Zeit als Bischof von Pittsburgh (1988 bis 2006) steht in der Kritik.

Wuerl hat kategorisch bestritten, etwas von den Vorwürfen gegen McCarrick gewusst zu haben. Auch seinen Umgang mit Missbrauchsvorwürfen in Pittsburgh hat er verteidigt, wenngleich er gewisse "Fehleinschätzungen" zugab. McCarrick wurde im Juni aus dem Amt entfernt. Auch er hat stets alle Vorwürfe von sich gewiesen.

AP

Kardinal Theodore Edgar McCarrick im Jahr 2015

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In seinem Brief vom 11. September wirft Wuerl nun die Frage auf, wie man möglichst effektiv "eine neue Stufe der Heilung" für die Überlebenden von Missbrauch einleiten könne. Die der Kirche anvertrauten Gläubigen zweifelten an der Kirche und ihrem Bischof. Daher werde er "in sehr naher Zukunft" nach Rom fahren, um seinen Rücktritt mit Papst Franziskus zu diskutieren.

Wuerl hatte bereits vor drei Jahren zu seinem 75. Geburtstag einen Rücktrittsantrag beim Papst gestellt - dies ist ein übliches Verfahren für katholische Bischöfe. Der Antrag wurde jedoch zurückgestellt - die Entscheidung liegt allein beim Pontifex.

Wuerl sah sich zuletzt Rücktrittsforderungen aus dem Klerus und von Laien ausgesetzt. Der Streit ist auch Ausdruck eines Flügelkampfes innerhalb der katholischen Kirche der USA, der zwischen Anhängern von Papst Franziskus und Gegnern von dessen liberaler Linie entbrannt ist. Wuerl gilt als Geistlicher, der den Papst schätzt. Rücktrittsforderungen kommen innerhalb des Klerus vor allem aus dem konservativen Lager.

ala/dpa

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