Missbrauch in der Kirche Neue Dokumente belasten den Papst

Im Missbrauchsskandal hat der Papst Fehler der katholischen Kirche eingeräumt - muss sich Benedikt XVI. nun selbst Versäumnisse vorwerfen? Nach SPIEGEL-Informationen hat er sich in seiner Zeit als Erzbischof stärker mit dem Einsatz eines pädophilen Seelsorgers befasst als bisher bekannt.

Papst Benedikt XVI.: Hat er sich mit dem Einsatz des pädophilen Seelsorgers H. befasst?
DPA

Papst Benedikt XVI.: Hat er sich mit dem Einsatz des pädophilen Seelsorgers H. befasst?


Hamburg - Papst Benedikt XVI. ist mit dem jüngst erschienen Interviewbuch ein PR-Coup gelungen. Ohne dass er von seinen Überzeugungen abgerückt ist, erschien er plötzlich liberal. Eine Diskussion über das scheinbar gelockerte Kondomverbot brach los. Der Missbrauchsskandal, der die katholische Kirche überschattet, rückte zeitweise in den Hintergrund.

Jetzt könnten den Papst nach SPIEGEL-Informationen aber neue Dokumente belasten. In seinem Amt als Erzbischof von München und Freising war er offenbar stärker mit dem Einsatz des pädophilen Seelsorgers Peter H. befasst als bisher bekannt.

Kaplan H. soll sich, nach Informationen aus seiner früheren Pfarrgemeinde, am 31. Juli 1980 mit einer Bewerbung direkt an Ratzinger gewandt haben, um zum Pfarrer befördert zu werden.

Der Bewerbung soll H. auch Pfarrbriefe beigelegt haben, die seine Verbundenheit mit Kindern in der Münchner Gemeinde St. Johannes Evangelist dokumentieren. In einem Pfarrbrief schrieb H. über eine von ihm organisierte Fußwallfahrt, die er am 4. April 1980 mit "20 oder 25 Mädchen und Buben" unternommen habe. Im Juni hätten "150 Ministranten aus allen Pfarrgemeinden unseres Dekanats" ein zentrales Treffen in seiner Gemeinde abgehalten. Vor allem deren "Fingerfertigkeit" und "Phantasie" beim Spiel um den "Ministrantenpokal" seien zu loben. In einem späteren Pfarrbrief heißt es über den Kaplan, insbesondere seine "intensive Kinderseelsorge" habe der Kirche genützt, "die Zahl der Messdiener verdreifachte er in zwei Jahren", im Religionsunterricht habe er "vor allem auch Jugendlichen einen neuen Zugang zur Frohen Botschaft der Kirche" gebracht.

H. war im Januar 1980 nach München versetzt worden, nachdem er in seinem Heimatbistum Essen offenbar mehrere Jungen sexuell missbraucht hatte. Das Münchner Erzbistum hatte am 15. Januar 1980 unter Ratzingers Leitung H.s Aufnahme ausdrücklich genehmigt. Der Geistliche sollte eine Therapie machen. Tatsächlich sei er bereits "am 1. Februar 1980 zur Seelsorgemithilfe" aufgefordert worden, heißt es in einem Lebenslauf von H., der sich in den Akten der Erzdiözese befindet.

Das Erzbistum erklärt, es gebe keine neuen Erkenntnisse aus den Kirchenverfahren gegen H.; Ratzinger habe nichts gewusst. Es sei auch kein Brief von H. an Ratzinger in den Akten zu finden.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 173 Beiträge
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Piri 27.11.2010
1. Fast schon amüsant
Zitat von sysopIm Missbrauchsskandal hat der Papst Fehler der katholischen Kirche eingeräumt - muss sich Benedikt XVI. nun selbst Versäumnisse vorwerfen? Nach SPIEGEL-Informationen hat er sich in seiner Zeit als Erzbischof stärker mit dem Einsatz eines pädophilen Seelsorgers befasst als bisher bekannt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,731514,00.html
Na klar, wenn auch nur der Hauch einer Chance besteht, dass das Papst-Image aufgewertet werden könnte, wie durch das neue Buch, muss man ganz schnell ein paar besonders seriöse Journalisten losschicken, die dem entgegenarbeiten. Durchsichtiger geht's ja wohl kaum.
Thomas A. Höck 27.11.2010
2. Der Artikel verfährt nach dem Muster:
Wir haben zwar nichts, machen aber dennoch ein ganz grosses Fass auf!
DerkurzeEugen, 27.11.2010
3. Lasst Taten, nicht Worte Eure Zier sein
Zitat von PiriNa klar, wenn auch nur der Hauch einer Chance besteht, dass das Papst-Image aufgewertet werden könnte, wie durch das neue Buch, muss man ganz schnell ein paar besonders seriöse Journalisten losschicken, die dem entgegenarbeiten. Durchsichtiger geht's ja wohl kaum.
Ums Papst-Image kümmert sich schon die Bild-Zeitung, lassen Sie doch andere Publizisten sich auch mal um was anderes kümmern. Als Chef der Inquisition mußte Ratzinger doch alles dafür tun, dass der Glaube und das Ansehen der Katholischen Kirche rein und leuchtend "daherkommen". Es gehörte zu seinen Aufagen, Schweinereien, wie den sexuellen Mißbrauch von Kindern zu vertuschen, wie es die Aufgabe des Chef-Exorzisten war, den Teufel auszutreiben.
gloton7, 27.11.2010
4. Eher umgekehrt
Zitat von PiriNa klar, wenn auch nur der Hauch einer Chance besteht, dass das Papst-Image aufgewertet werden könnte, wie durch das neue Buch, muss man ganz schnell ein paar besonders seriöse Journalisten losschicken, die dem entgegenarbeiten. Durchsichtiger geht's ja wohl kaum.
Der Papst ist unter Druck, deswegen der Deal mit den Kondomen. Irgendwann werden auch wir Deutschen begreifen, dass sich die RKK seit 554 nach Christus nicht gewandelt hat. Legalisierter Mord an den Urchristen, die an die Wiedergeburt glaubten, mafiöse Strukturen durch Geheimorganisationen wie Opus Dei, Mord am Papst Johannes Paul II, usw. Es wird Zeit, dass dieser Terrororganisation die Erlaubnis entzogen wird, unschuldige Menschen in Kirchengebäuden zu belügen und zu unterjochen.
andrestgt 27.11.2010
5. Du lieber Gott
zu den vorherigen Comments kann man ja nur ungläubig den Kopf schütteln. Gibt es im Jahre des Herrn 2010 sogar in Deutschland noch Katholiken, die diesen Ratzi Unsympath in Schutz nehmen wollen gegen die böse säkulare Presse. Unfassbar
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