Missbrauch in kirchlichen Heimen Kanada fordert Entschuldigung vom Papst

Jahrzehntelang wurden Kinder von Ureinwohnern in Kanadas katholischen Heimen misshandelt, Tausende starben. Premier Trudeau fordert dafür nun eine Entschuldigung vom Papst persönlich.

Kanadas Premier Trudeau:
REUTERS

Kanadas Premier Trudeau:


Der kanadische Premierminister Justin Trudeau verlangt von Papst Franziskus eine Entschuldigung für die jahrzehntelange Misshandlung minderjähriger Ureinwohner in kirchlichen Heimen. Er werde den Papst direkt auffordern, sich in dieser Frage zu positionieren, sagte der Politiker laut Medienberichten am Mittwoch auf einer Pressekonferenz.

In Kanada waren seit 1874 rund 150.000 Kinder von Indianern, Mestizen und Inuit von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und unter Zwang in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht. Mindestens 3200 starben, die meisten an Tuberkulose.

"Eines der dunkelsten Kapitel der kanadischen Geschichte"

Die kanadische Wahrheits- und Versöhnungskommission hatte am Dienstag ihren Abschlussbericht über diese Zeit vorgestellt und empfohlen, dass der Papst sich bei den Ureinwohnern entschuldigt. Premier Trudeau entschuldigte sich im Namen des kanadischen Staates und bat die Ureinwohner um Vergebung für "eines der dunkelsten Kapitel der kanadischen Geschichte".

Viele Ureinwohner machen die Heime, die ganze Generationen geprägt haben, für soziale Probleme wie Alkoholismus, häusliche Gewalt und erhöhte Selbstmordraten verantwortlich. Für den Bericht hatte die Wahrheits- und Versöhnungskommission knapp 7000 frühere Schüler befragt.

Trudeau verwies darauf, dass Papst Franziskus sich auch bei den Ureinwohnern Südamerikas für das Leid entschuldigt habe, die sie während der Kolonialzeit durch die katholische Kirche erlitten. Auch bei den Opfer sexuellen Missbrauchs entschuldigte sich Franziskus.

mxw/AFP



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