Kommission gegen Folter Uno kritisiert Vatikan für Umgang mit Missbrauchsopfern

Täter werden bloß versetzt, die Behörden nicht informiert, Opfer nicht angemessen entschädigt: Die Uno-Kommission gegen Folter konstatiert erhebliche Defizite des Vatikans beim Umgang mit dem Thema Missbrauch. Papst Franziskus bekommt dagegen Lob.

Uno-Ausschussmitglied Gaer: "Kontrolle weit über die Grenzen der Vatikanstadt hinaus"
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Uno-Ausschussmitglied Gaer: "Kontrolle weit über die Grenzen der Vatikanstadt hinaus"


Genf - Die Vereinten Nationen sehen erhebliche Mängel beim Umgang des Vatikans mit Verhütung, Aufklärung und Verfolgung von Kindesmissbrauch. Überführte Priester seien in andere Diözesen versetzt, Strafverfolgungsbehörden unzureichend informiert worden, heißt es im Bericht des Uno-Ausschusses gegen Folter. Zugleich loben die Experten die von Papst Franziskus eingeleiteten Reformen im Kirchenrecht.

Umstritten ist die Frage, ob der Vatikan für Missbrauchsfälle nur im Vatikanstaat oder in der ganzen katholischen Kirche verantwortlich ist. Diese Frage ist entscheidend etwa für Entschädigungsforderungen. Der Vatikan wies erneut die Verantwortung für mögliche Rechtsverstöße katholischer Würdenträger außerhalb des Vatikanstaats zurück.

Die stellvertretende Ausschussvorsitzende Felice Gaer erklärte dagegen, der Vatikan sei zwar nicht für das Handeln jedes Gläubigen verantwortlich. "Aber die Fälle, die wir untersucht und kritisiert haben, scheinen zu belegen, dass der Heilige Stuhl weit über die Grenzen der Vatikanstadt hinaus Kontrolle ausübt."

Der Vatikan will die Empfehlungen des Ausschusses berücksichtigen. Mehrere Kritikpunkte stehen im Zentrum: ungenügende Einbeziehung der Ordnungskräfte bei Missbrauchsfällen, häufige Versetzung von Priestern nach Missbrauchsfällen sowie unangemessene Entschädigung von Opfern.

Der Vatikan ist seit 2002 Unterzeichner der Uno-Konvention gegen Folter. Der nun vorgelegte Bericht ist die erste Bilanz, die zum Verhalten des Kirchenstaates seit der Unterzeichnung des Vertrages gezogen wird. Mit neunjähriger Verspätung hatte der Vatikan Anfang Mai erstmals selbst einen Report zur Umsetzung der Konvention vorgelegt. Bereits im Januar war der Vatikan von einem weiteren Uno-Gremium, dem Ausschuss für Kinderrechte, für seinen Umgang mit Missbrauchsfällen kritisiert worden.

Nach eigenen Angaben hat der Vatikan zwischen 2004 und 2013 fast 3500 Fälle von Missbrauchs-Vorwürfen verfolgt. Demzufolge wurden 848 Priester ihres Amtes enthoben und 2572 zu einem zurückgezogenen Leben gedrängt.

ulz/dpa



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