US-Missbrauchsskandal und Konklave: Kardinal Mahony soll draußen bleiben

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Systematisch soll Kardinal Roger Michael Mahony sexuellen Missbrauch in seiner Diözese verheimlicht haben. Dennoch darf er zum Konklave nach Rom fahren und einen neuen Papst wählen. Ein Skandal, finden progressive Katholiken und fordern einen Reiseverzicht.

Kardinal Mahony darf dabei sein. Er ist einer der 117 Wahlberechtigten, die nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. einen neuen Papst wählen dürfen. Er freue sich schon sehr auf das Konklave im März, ließ der emeritierte Erzbischof wissen. Schon bei der Wahl Joseph Ratzingers im Jahr 2005 sei der Heilige Geist fast greifbar gewesen, schreibt er in seinem Blog: "Da gab es keine weltlichen Stimmen oder Einflüsse. Es war unglaublich."

Doch mit den profanen Stimmen ist das so eine Sache. Man hat sie nicht im Griff. Und sie erheben sich gerade unüberhörbar.

"Bleib zu Hause, Kardinal Mahony", fordern empörte Gläubige des Netzwerks Catholics United. Die Teilnahme Mahonys werde das Konklave mit einer "dunklen Wolke" überziehen. Er solle "das Richtige tun" und angesichts seines skandalösen Verhaltens beim Missbrauchsskandal auf seinen kirchenfinanzierten Trip nach Europa verzichten. Mit einer Petition verleiht die Gruppe der etwa 43.000 den US-Demokraten nahe stehenden Christen ihrem Anliegen jetzt Nachdruck.

Noch bevor er sich überhaupt auf den Weg nach Rom macht, muss Roger Michael Mahony am 23. Februar vor Gericht als Zeuge aussagen. Es geht - wenig überraschend - um den Missbrauchsskandal in der Erzdiözese Los Angeles, der er von 1985 bis 2011 vorstand. Mahony soll in den achtziger Jahren massive Vertuschung betrieben und mutmaßliche kircheninterne Sexualstraftäter vor Zugriffen von Polizei und Justiz geschützt haben.

Schutz der Kirchenhierarchie

Anfang 2011 war der in die Kritik geratene Geistliche von seinem Bischofsamt zurückgetreten - offiziell aus Altersgründen. Ende Januar 2013 entband ihn sein Nachfolger José Gomez wegen des umstrittenen Umgangs mit den Missbrauchsfällen plötzlich von allen Ämtern. Auch Weihbischof Thomas Curry musste zurücktreten. Er soll in den achtziger Jahren gemeinsam mit Mahony gezielt pädophile Priester vor staatlicher Strafverfolgung geschützt haben.

Die "New York Times" zitierte aus einem Brief aus dem Jahr 1986. Darin schreibt Kardinal Mahony an ein Therapiezentrum in New Mexico, in dem der Geistliche Peter G. untergebracht war, der mindestens ein Dutzend Jungen missbraucht haben soll. ''Ich glaube, wenn Monsignor G. wieder hier in der Erzdiözese auftauchen sollte, können wir mit strafrechtlichen und zivilrechtlichen Verfahren rechnen", schreibt Mahony. G. blieb wo er war, wurde nie angeklagt und ist inzwischen gestorben. Einem seiner illegal eingewanderten Opfer soll er gedroht haben, ihn bei den Behörden zu verpfeifen, sollte er ihm nicht zu Willen sein.

Nach jahrelanger gerichtlicher Auseinandersetzung hatte sich die Erzdiözese Los Angeles erst im vergangenen Monat einer gerichtlichen Anordnung gebeugt und 12.000 Dokumente veröffentlicht, die belegen, dass Mahony in den achtziger Jahren tatverdächtige Priester aus dem Bundesstaat oder ins Ausland bringen ließ, um sie vor Strafverfolgung zu schützen. Mindestens 122 Geistliche sollen in den Akten auftauchen.

Dennoch unterstützt Gomez jetzt die Entsendung Mahonys nach Rom - und das ist den Aktivisten von Catholics United ein Dorn im Auge. "Anstatt die Würde der Missbrauchsopfer zu verteidigen, hat Erzbischof Gomez beschlossen, in erster Linie die Hierarchie zu schützen", heißt es auf der Website der Organisation.

Vergeblich im Vatikan angeklopft?

José Gomez steht dem Geheimbund Opus Dei nahe, gilt als wertkonservativ, positioniert sich klar gegen Abtreibung und Sterbehilfe. Er liebt die stillen Töne und hält sich im Hintergrund, gestaltet von dort aus beharrlich die Erzdiözese nach seinem Gusto. Die veröffentlichten Kirchenpapiere über den Missbrauch nannte er in einem Brief an seine Gemeinden "brutal und schmerzlich".

Es gibt aber auch Stimmen, die Mahony in Schutz nehmen: Die "Los Angeles Times" berichtete am vergangenen Freitag, dass der Erzbischof 1993 aktiv versucht habe, Missbrauchsdelikte aktenkundig zu machen. Demnach habe er mehrmals auf den Fall des Priesters Kevin B. hingewiesen, der mindestens acht minderjährige Jungen betrunken gemacht und dann missbraucht haben soll - manchmal während des Gebets.

Der Zeitung zufolge verjagte Mahony den Priester aus seiner Gemeinde und versuchte, ihn aus dem Amt zu katapultieren. Vergeblich. Kevin B. beschwerte sich im Vatikan. Obwohl Mahony daraufhin bei der Glaubenskongregation und anderen Stellen in Rom anklopfte, sei er in der Sache nie angehört worden, heißt es. Der Fall wurde verschleppt, B. erst zehn Jahre später seines Amtes enthoben.

Arroganz und Unverfrorenheit

In Italien lancierte die katholische Wochenzeitung "Famiglia Cristiana" eine Online-Umfrage: "Soll Mahony zum Konklave oder nicht?" Viele Leser zeigten sich angewidert von den erneuten Querelen: "Was für ein Elend diese Kirche! Was für ein Trauerspiel!", schrieb eine enttäuschte Elena K. am Dienstag auf der Website der Zeitung. "Die Arroganz und Unverfrorenheit des Kardinals Mahony hat uns gerade noch gefehlt!"

Papst Johannes Paul II. nannte Mahony einst scherzhaft "Hollywood", weil er nach Kräften mit den Medien kokettierte. Mahony hatte ein liberales Image, er demonstrierte für Arbeiterrechte, unterstützte Frauen in der Kirche und setzte sich für Latinos ein, die inzwischen 70 Prozent der katholischen Gläubigen in der Erzdiözese Los Angeles ausmachen. Die ist mit 4,5 Millionen Katholiken in 120 Städten die größte des Landes.

Im Jahr 2007 hatte Mahony federführend ein Abkommen mit den 550 Missbrauchsopfern geschlossen. Den Betroffenen wurden insgesamt 660 Millionen Dollar Schmerzensgeld gezahlt.

Noch Anfang Februar entschuldigte sich Mahony in seinem Blog für die Fehler der Vergangenheit. Am Montag dann verdüsterte sich die Stimmung. Mahony bemühte einen Vergleich mit dem von allen verlassenen Jesus, der für die Menschen am Kreuz starb und "wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wurde". Still habe der Herr sein Leid ertragen - "niemals gegen Missverständnisse aufbegehrt, niemals wütend werdend bei falschen Anschuldigungen". Und eben das sei so schwer für die Menschen: "Es ist mit Sicherheit schwer für mich auf meiner Reise."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 76 Beiträge
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1. Nur zwei Dinge...
joachim enders 20.02.2013
... können Kardinal Mahony vom Konklave fernhalten: (1) Die Einsicht, dass er durch seine Schuld kein guter Repräsentant seiner Kirche im Konklave ist oder (2) ein Haftbefehl wegen Vertuschung einer Straftat. Die Einsicht zu (1) würde man ihm vielleicht wünschen. Offenbar reicht es - vielleicht wegen Verjährung, aber das weiß ich nicht - nicht zu Punkt (2). In der Tat hat Mahonys Nachfolger Gomez seine "Entbindung" Mahonys von allen offiziellen Aufgaben der Diözese relativiert und festgestellt, dass Mahony und Weihbischof Curry "in good standing" seien und jederzeit ihren bischöflichen Aufgaben mit der Spendung von Sakramenten in der Erzdiözese L.A. nachkommen dürfen. Gomez hätte auch überhaupt keine Handhabe gegen Mahony, das hat nur die weltliche Gerichtsbarkeit. Es ist nämlich vom Kirchenrecht zwar vorgesehen, dass ein Papst zurücktritt, nicht aber, dass ein Kardinal auf Grund eines "weltlichen" Vergehens seine Kardinalwürde verliert. Vom "Schutz der Hierarchie" kann daher keine Rede sein. Interessant (tragisch?) ist es freilich, dass gerade Mahony das Vertuschungsspiel mitgespielt hat, obwohl er zu den "Progressiven" zählt.
2. Mahony soll fahren
fleischwurstfachvorleger 20.02.2013
Zitat von sysopAPSystematisch soll Kardinal Roger Michael Mahony sexuellen Missbrauch in seiner Diözese verheimlicht haben. Dennoch darf er zum Konklave nach Rom fahren und einen neuen Papst wählen. Ein Skandal, finden progressive Katholiken und fordern einen Reiseverzicht. Missbrauchsskandal und Konklave: Kardinal Mahony soll draußen bleiben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/missbrauchsskandal-und-konklave-kardinal-mahony-soll-draussen-bleiben-a-884361.html)
Es wurden schließlich soooo viele nicht vergewaltigt. Und 550 Opfer in 20 Jahren - das ist ja gar nichts. Und jedes dieser Opfer ist ja jetzt auch noch Millionär. Hat sich doch für alle Beteiligten gelohnt. Wenn da nicht die Dunkelziffer wäre. Wenn der Mißbrauch sich nicht ständig, auch noch in unseren Tagen wiederholen würde. Wenn die katholische Kirche endlich einsichtig werden würde. Die Macht der alten Männer, die Homosexualität verdammen und selbst reihenweise kleine Jungs vernaschen ist ungebrochen. Man liebt die unbefleckte Maria und den Zölibat und lässt vergewaltigte Frauen allein in ihrer Pein. Man bewundert den Heiligen Martin und fliegt First Class in den Steinbruch nach Indien, um Kindern bei der Arbeit zuzusehen. Man predigt Bescheidenheit und baut sich selbst Prunkpaläste. Man beschützt das ungeborene Leben und bringt Millionenfach den Tod, weil man in Afrika Kondome als Sünde verbietet. Was für eine weltoffene, moderne Einrichtung.
3. So lange die RKK Täter und Helfer.......
sikasuu 20.02.2013
... mit dem fadenscheingen Argument der "Nachstenliebe" weiter deckt kann man SIE vergessen. . Die Kirche kann sich sehr schnell ändern. (vergl. die ersten 500 Jahre von der Kirche der Armen zum Machtkartell) wenn sie das nicht auch heute wieder schafft (vom Machtkartell zurück zu den Wurzeln) wird sie in den Gegenden in denen die Menschen erst denken und dann glauben immer weniger werden. "Ich halt sie dumm du hältst sie arm!" geht vielleicht noch einige Jahre, aber dann hat auch der letze "Gläubige" begriffen, was die RKK für eine Institition ist!
4. Als es die Ohrenbeichte noch gab,
adsum 20.02.2013
Zitat von sysopAPSystematisch soll Kardinal Roger Michael Mahony sexuellen Missbrauch in seiner Diözese verheimlicht haben. Dennoch darf er zum Konklave nach Rom fahren und einen neuen Papst wählen. Ein Skandal, finden progressive Katholiken und fordern einen Reiseverzicht. Missbrauchsskandal und Konklave: Kardinal Mahony soll draußen bleiben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/missbrauchsskandal-und-konklave-kardinal-mahony-soll-draussen-bleiben-a-884361.html)
war es eine schwere, ja sogar eine Todsünde, wenn man bewußt beim Wickeln eines Babys neugierig auf das Geschlechtsteil geblickt hätte. Man musste sofort die Augen schließen und wegsehen und in einem Stoßgebet Gott um Verzeihung bitten; denn sonst hätte man nicht mehr zur Kommunion gehen dürfen. Das fiel natürlich den Verwandten und Bekannten auf, wenn man sonntags zur Kirche ging. Manche fragten einen dann, sag mal was hast du für eine schwere Sünde begangen, dass du heute nicht zum Tisch des Herrens gingst. Naja, um zur Kommunion zu gehen, musste man nüchtern bleiben, man musste sogar aufpassen, dass man beim Zähneputzen nicht aus versehen etwas verschluckt hat. Klar, da hatte man immer eine Ausrede. Ach, ich habe aus versehen etwas gegessen. Also so streng waren in früheren Zeiten die Regeln. Aber der Priester durfte niemals das Beichtgeheimnis brechen, nicht einmal einen Mörder durfte er verraten. Er musste sogar eher sein Leben opfern, auch unter gößten Foltern, das hatte uns unser Pfarrer im Religionsunterricht gesagt. Das wussten wir Kinder und wir brauchten uns nur zu schämen wegen unserer Sünden, aber keine Angst haben, das der Priester unsere Schandtaten an die Eltern verriet oder gar der Polizei, weil wir etwas gestohlen hatten beim Nachbarn, z. B. Kirschen, Pfirsiche, Nüsse etc. Jaja, was ist nur aus den Katholiken geworden. Wir waren immer froh, wenn uns der Priester von unseren Sünden erlöst hatte , damit wir nicht mehr in die Hölle kamen und keinen Strafe von unseren Eltern oder gar der Polizeiausüben befürchten mussten . Ja, freilich diese Zeiten haben sich geändert und auch die Einstellung der progressiven Katholiken, weiter so!!! Strafe muss sein, keine Frage. :-))
5. Warum soll er nicht hinfahren?
ratxi 20.02.2013
Zitat von sysopAPSystematisch soll Kardinal Roger Michael Mahony sexuellen Missbrauch in seiner Diözese verheimlicht haben. Dennoch darf er zum Konklave nach Rom fahren und einen neuen Papst wählen. Ein Skandal, finden progressive Katholiken und fordern einen Reiseverzicht. Missbrauchsskandal und Konklave: Kardinal Mahony soll draußen bleiben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/missbrauchsskandal-und-konklave-kardinal-mahony-soll-draussen-bleiben-a-884361.html)
Warum soll er nicht hinfahren? Vertuschen und verheimlichen sind doch zwei der obersten Maxime der Kirche. Somit ist er ein braves Schäfchen seines Herrn. Auch wenn man den meisten anderen Kardinälen mal in´s Gesicht schaut und einfach einmal SIEHT, wen man vor sich hat, dann wird klar, das Mahony genau dort hingehört.
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