Missbrauchsvorwurf Staatsanwaltschaft stellt Vorermittlungen gegen Mixa ein

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Vorermittlungen gegen Walter Mixa wegen sexuellen Missbrauchs eingestellt. Nahezu zeitgleich wurden die Prügelvorwürfe gegen den früheren Augsburger Bischof massiver: Von "schweren körperlichen Züchtigungen" mit Stock und Gürtel ist im Abschlussbericht des Sonderermittlers die Rede.

dpa

Augsburg/Ingolstadt - Es wird kein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs gegen Walter Mixa geben. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hat nun ihre Vorermittlungen gegen den früheren Augsburger Bischof eingestellt. "Ein Tatnachweis hinsichtlich eines sexuellen Missbrauchs ist nicht zu führen", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walter am Freitag.

Demnach hatte sich der Verdacht nicht erhärtet, Mixa habe in seiner Zeit als Bischof von Eichstätt einen minderjährigen Jungen sexuell missbraucht. Das angebliche Opfer Mixas habe selbst energisch bestritten, missbraucht worden zu sein, so Walter.

Unterdessen manifestierten sich die Prügelvorwürfe gegen Mixa. Dem 69-Jährigen wird in eidesstattlichen Versicherungen vorgeworfen, in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Heimkinder geschlagen zu haben.

Nach den Ergebnissen der Untersuchung des mit den Ermittlungen beauftragten Ingolstädter Rechtsanwalts Sebastian Knott sind die Vorwürfe glaubhaft. Demnach misshandelte der Geistliche zum Teil zusammen mit Ordensschwestern in den siebziger und achtziger Jahren gezielt Heimkinder. Als Stadtpfarrer habe Mixa mit der Hand und mit Gegenständen "schwere körperliche Züchtigungen" vorgenommen, sagte Knott. Strafrechtlich seien die Vorwürfe jedoch verjährt.

Laut Knott hörten die Kinder des Waisenhauses sehr oft von den Ordensschwestern in dem Heim den Satz "Warte nur, bis Mixa kommt". Den Kindern sei bewusst gewesen, dass dieser regelmäßig prügelte. Außerdem habe Mixa immer wieder Kinder beschimpft und bedroht.

Mixa soll mit Stock und Gürtel geschlagen haben

In dem Bericht beschreibt der Rechtsanwalt auch einen bisher noch nicht bekannten Fall eines Jungen, der von seinem dritten bis fünfzehnten Lebensjahr in dem Heim war. Dieser sei 1982 in seinem letzten Jahr in dem Heim als 15-Jähriger zu Mixa gerufen worden. Der Pfarrer habe ihm dann die Hose herunter gezogen und mit einem Stock auf den nackten Hintern geschlagen. Nachdem der Stock unter den Schlägen zerbrochen sei, habe Mixa seinen Gürtel aus der Hose gezogen und damit noch weitere fünf bis sechs Mal auf den nackten Hintern eingeschlagen. Der Mann sei später zum Alkoholiker geworden.

Mixa hatte zunächst Prügelstrafen kategorisch ausgeschlossen - räumte später ein paar "Watschen" ein. Außerdem soll der Geistliche eine größere Summe an Stiftungsgeldern zweckentfremdet haben.

Mixa bot am 21. April beim Vatikan seinen Rücktritt an - Papst Benedikt XVI. nahm das Gesuch am vergangenen Wochenende an.

Vor einer Woche war außerdem bekannt geworden, dass es Hinweise auf einen angeblichen sexuellen Missbrauch durch Mixa gab - deshalb begann die Staatsanwaltschaft mit ihren Vorermittlungen. Die Tipps waren aus dem Mitarbeiterkreis des Bistums Eichstätt gekommen und über das Bistum Augsburg an die Generalstaatsanwaltschaft in München gegangen.

Berichten zufolge sollte es sich dabei um einen Missbrauchsfall aus Mixas Zeit als Eichstätter Bischof zwischen 1996 bis 2005 handeln. Der Geistliche ließ die Vorwürfe über einen Augsburger Anwalt von Anfang an " mit Entschiedenheit" als unzutreffend zurückweisen und erklärte sich zur Zusammenarbeit mit den Ermittlern bereit.

siu/dpa/ddp

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