Erziehungsquiz Ein fremdes Kind nervt - schreiten Sie ein?

Lärmende Kinder, ratlose Erwachsene und eine schallende Ohrfeige. Hier sind acht kritische Situationen zwischen Eltern und Kindern. Würden Sie als Unbeteiligter einschreiten? Und: Was raten Experten?

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Ein afrikanisches Sprichwort lautet "Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf". Hierzulande halten Außenstehende sich eher zurück, wenn am Nebentisch der Zögling durchdreht - oder dessen Eltern in Rage geraten.

In einem Café im US-Bundesstaat Maine lief es ein bisschen anders: Dort schrie ein Kind eine gute halbe Stunde den Laden zusammen. Die Eltern unternahmen nichts, bis es schließlich einer Kellnerin zu viel wurde. "Das muss jetzt aufhören", schrie sie die 21 Monate alte Keira an. Und das kleine Mädchen? War einigermaßen verdattert - und schwieg.

Gibt es Situationen, bei denen man Kind oder Eltern die Meinung sagen sollte? Oder gehen uns fremde Familien nichts an?

SPIEGEL ONLINE hat einige Szenen versammelt, in denen Kinder oder Eltern vielleicht Hilfe gebrauchen könnten. Was meinen Sie? Raushalten oder miterziehen? Vergleichen Sie Ihre Reaktionen mit der Einschätzung von Experten aus Medizin, Ernährung, Erziehung, Recht und Philosophie.


Eingreifen oder raushalten - was würden Sie tun?

Eklat in der Einkaufsstraße

In der vollen Innenstadt schreit ein kleines Kind. Die Mutter ist ratlos, das Kind schon völlig außer sich. Als sie versucht, mit dem Kind zu reden, lässt es sich auf den Boden fallen. Bei dem Versuch es auf die Beine zu stellen, brüllt das Kind nur noch mehr. Schließlich schreit die Mutter zurück und schlägt ihm mit der flachen Hand ins Gesicht.

Wie würden Sie reagieren?

1. Ich rufe die Polizei.
2. Ich halte mich da raus. Geht mich nichts an, wie andere Leute ihre Kinder behandeln.
3. Ich sage der Mutter, dass sie es gut gemacht hat. Der ein oder andere Klaps hat früher ja auch nicht geschadet und wäre heute öfter angebracht, als es manchen Softi-Pädagogen lieb ist.
4. Ich gehe dazwischen und sage der Mutter, dass man Kinder nicht schlägt.

Das wäre vielleicht etwas überzogen. Doch in der Tendenz liegen Sie richtig.

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Diese Situation sollten Sie auf keinen Fall ignorieren. Es besteht zwar keine Anzeigepflicht, doch hier geht es um Zivilcourage. Sie sollten zu der Mutter gehen und darauf hinweisen, dass das Schlagen von Kindern verboten ist. Das elterliche Züchtigungsrecht wurde im November 2000 aufgehoben."

Ina Witz-Pigorsch, Pädagogin: "Es handelt sich um einen Eingriff in das Wohl des Kindes. Also ist Handeln gefragt. Doch hier ist es wichtig, beide Seiten zu sehen.

Die Botschaft an das Kind sollte sein: Niemand hat das Recht, dich zu schlagen. Auch Mama und Papa nicht. Das können Sie auch ohne Worte erreichen. Etwa indem Sie die Hand des Kindes nehmen, es am Arm berühren und ihm damit vermitteln: Du bist nicht allein, Erwachsene schauen hin. Durch Ihr Eingreifen wird aber auch der Mutter ihr Verhalten bewusst, sie erfährt: Was ich tue, ist nicht richtig. Eine unangenehme Erfahrung. Vielleicht sind beide durch den Einkauf in eine extreme Stresssituation geraten und sie hat ohnehin schon ein schlechtes Gewissen, dass sie so die Kontrolle verloren hat. Vermutlich ist sie daher dankbar für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung."

nächste Situation

Da würden Ihnen sicher beide Experten widersprechen.

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Diese Situation sollten Sie auf keinen Fall ignorieren. Es besteht zwar keine Anzeigepflicht, doch hier geht es um Zivilcourage. Sie sollten zu der Mutter gehen und darauf hinweisen, dass das Schlagen von Kindern verboten ist. Das elterliche Züchtigungsrecht wurde im November 2000 aufgehoben."

Ina Witz-Pigorsch, Pädagogin: "Es handelt sich um einen Eingriff in das Wohl des Kindes. Also ist Handeln gefragt. Doch hier ist es wichtig, beide Seiten zu sehen.

Die Botschaft an das Kind sollte sein: Niemand hat das Recht, dich zu schlagen. Auch Mama und Papa nicht. Das können Sie auch ohne Worte erreichen. Etwa indem Sie die Hand des Kindes nehmen, es am Arm berühren und ihm damit vermitteln: Du bist nicht allein, Erwachsene schauen hin. Durch Ihr Eingreifen wird aber auch der Mutter ihr Verhalten bewusst, sie erfährt: Was ich tue, ist nicht richtig. Eine unangenehme Erfahrung. Vielleicht sind beide durch den Einkauf in eine extreme Stresssituation geraten und sie hat ohnehin schon ein schlechtes Gewissen, dass sie so die Kontrolle verloren hat. Vermutlich ist sie daher dankbar für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung."

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Das sieht sogar der Gesetzgeber bereits eine Weile anders.

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Diese Situation sollten Sie auf keinen Fall ignorieren. Es besteht zwar keine Anzeigepflicht, doch hier geht es um Zivilcourage. Sie sollten zu der Mutter gehen und darauf hinweisen, dass das Schlagen von Kindern verboten ist. Das elterliche Züchtigungsrecht wurde im November 2000 aufgehoben."

Ina Witz-Pigorsch, Pädagogin: "Es handelt sich um einen Eingriff in das Wohl des Kindes. Also ist Handeln gefragt. Doch hier ist es wichtig, beide Seiten zu sehen.

Die Botschaft an das Kind sollte sein: Niemand hat das Recht, dich zu schlagen. Auch Mama und Papa nicht. Das können Sie auch ohne Worte erreichen. Etwa indem Sie die Hand des Kindes nehmen, es am Arm berühren und ihm damit vermitteln: Du bist nicht allein, Erwachsene schauen hin. Durch Ihr Eingreifen wird aber auch der Mutter ihr Verhalten bewusst, sie erfährt: Was ich tue, ist nicht richtig. Eine unangenehme Erfahrung. Vielleicht sind beide durch den Einkauf in eine extreme Stresssituation geraten und sie hat ohnehin schon ein schlechtes Gewissen, dass sie so die Kontrolle verloren hat. Vermutlich ist sie daher dankbar für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung."

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Damit liegen Sie mit den Experten auf einer Linie. Dennoch ist Feingefühl gefragt. Und Empathie - auch für die Situation der Mutter.

Ina Witz-Pigorsch, Pädagogin: "Es handelt sich um einen Eingriff in das Wohl des Kindes. Also ist Handeln gefragt. Doch hier ist es wichtig, beide Seiten zu sehen.

Die Botschaft an das Kind sollte sein: Niemand hat das Recht, dich zu schlagen. Auch Mama und Papa nicht. Das können Sie auch ohne Worte erreichen. Etwa indem Sie die Hand des Kindes nehmen, es am Arm berühren und ihm damit vermitteln: Du bist nicht allein, Erwachsene schauen hin. Durch Ihr Eingreifen wird aber auch der Mutter ihr Verhalten bewusst, sie erfährt: Was ich tue, ist nicht richtig. Eine unangenehme Erfahrung. Vielleicht sind beide durch den Einkauf in eine extreme Stresssituation geraten und sie hat ohnehin schon ein schlechtes Gewissen, dass sie so die Kontrolle verloren hat. Vermutlich ist sie daher dankbar für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Diese Situation sollten Sie auf keinen Fall ignorieren. Es besteht zwar keine Anzeigepflicht, doch hier geht es um Zivilcourage. Sie sollten zu der Mutter gehen und darauf hinweisen, dass das Schlagen von Kindern verboten ist. Das elterliche Züchtigungsrecht wurde im November 2000 aufgehoben."

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Balanceakt

Das Kind balanciert auf der hüfthohen Mauer, links Beton, rechts ein Dornbusch. Immer wieder rutscht es ab, hält noch gerade so das Gleichgewicht. Die Eltern sitzen in aller Seelenruhe auf einer Bank daneben.

Wie würden Sie reagieren?

1. Ich sage den Eltern, dass sie besser auf ihr Kind aufpassen sollen.
2. Ich hole das Kind von der Mauer, bevor es runterfällt und sich womöglich verletzt.
3. Ich tue gar nichts. Die Eltern können sicher am besten beurteilen, was ihrem Kind zuzutrauen ist und was nicht.

Ähnlich sieht das auch unser Philosophie-Experte. Erstaunlicherweise ist ausgerechnet der Arzt anderer Meinung.

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Würde das Kind von der Mauer fallen, entstünde ein Schaden. Für den Freiheitsphilosophen Mill bedeutet dies, dass es zulässig ist, über den Kopf der Eltern hinweg das Kind aus der Gefahrensituation zu bringen."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Hier handelt es sich um keine offensichtlich in Not geratene Person, deshalb ist es keine unterlassene Hilfeleistung, wenn Sie nicht reagieren. Sie könnten die Situation allerdings erst mal beobachten und im Notfall das Kind fragen, ob es einverstanden ist, wenn Sie es von der Mauer holen."

Daniel Stamm, Kinderarzt: "Für Kinder ist es wichtig, dass sie ihr Bewegungsempfinden ausprobieren und ihre motorischen Grenzen ausloten. Zum Beispiel beim Balanceact auf einer Mauer. Die Gefahr des gebrochenen Arms oder der tiefen Schramme ist den Kindern hierbei unbekannt oder wird ausgeblendet. In Situationen wie dieser müssen die Eltern die Gefahr für die Kinder abwägen und individuell entscheiden. Allerdings sollten Sie sich auch immer Fragen, ob es gut ist, alle Gefahren von Ihrem Kind fernzuhalten? Ein Patentrezept gibt es für diese Situation also nicht."

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Das würde auch der Philosoph tun - und hat dafür eine gute Begründung parat. Doch der Arzt erinnert daran, dass es mehr gibt, als den Schutz vor Verletzungen.

Daniel Stamm, Kinderarzt: "Für Kinder ist es wichtig, dass sie ihr Bewegungsempfinden ausprobieren und ihre motorischen Grenzen ausloten. Zum Beispiel beim Balanceact auf einer Mauer. Die Gefahr des gebrochenen Arms oder der tiefen Schramme ist den Kindern hierbei unbekannt oder wird ausgeblendet. In Situationen wie dieser müssen die Eltern die Gefahr für die Kinder abwägen und individuell entscheiden. Allerdings sollten Sie sich auch immer Fragen, ob es gut ist, alle Gefahren von Ihrem Kind fernzuhalten? Ein Patentrezept gibt es für diese Situation also nicht."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Hier handelt es sich um keine offensichtlich in Not geratene Person, deshalb ist es keine unterlassene Hilfeleistung, wenn Sie nicht reagieren. Sie könnten die Situation allerdings erst mal beobachten und im Notfall das Kind fragen, ob es einverstanden ist, wenn Sie es von der Mauer holen."

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Würde das Kind von der Mauer fallen, entstünde ein Schaden. Für den Freiheitsphilosophen Mill bedeutet dies, dass es zulässig ist, über den Kopf der Eltern hinweg das Kind aus der Gefahrensituation zu bringen."

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Arzt und Kriminaldirektor finden das in Ordnung. Nur der Philosoph ist anderer Meinung.

Daniel Stamm, Kinderarzt: "Für Kinder ist es wichtig, dass sie ihr Bewegungsempfinden ausprobieren und ihre motorischen Grenzen ausloten. Zum Beispiel beim Balanceact auf einer Mauer. Die Gefahr des gebrochenen Arms oder der tiefen Schramme ist den Kindern hierbei unbekannt oder wird ausgeblendet. In Situationen wie dieser müssen die Eltern die Gefahr für die Kinder abwägen und individuell entscheiden. Allerdings sollten Sie sich auch immer Fragen, ob es gut ist, alle Gefahren von Ihrem Kind fernzuhalten? Ein Patentrezept gibt es für diese Situation also nicht."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Hier handelt es sich um keine offensichtlich in Not geratene Person, deshalb ist es keine unterlassene Hilfeleistung, wenn Sie nicht reagieren. Sie könnten die Situation allerdings erst mal beobachten und im Notfall das Kind fragen, ob es einverstanden ist, wenn Sie es von der Mauer holen."

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Würde das Kind von der Mauer fallen, entstünde ein Schaden. Für den Freiheitsphilosophen Mill bedeutet dies, dass es zulässig ist, über den Kopf der Eltern hinweg das Kind aus der Gefahrensituation zu bringen."

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Zugzwang

Gemeinsam mit einer Familie sitzen Sie im Großraumwaggon eines Zuges. Je länger die Fahrt dauert, desto lauter werden die Kinder. Auf Ihr Buch können sie sich so nicht konzentrieren - und eigentlich auch auf nichts anderes.

Wie würden Sie reagieren?

1. Ich sage nichts. Schließlich ist der Großraumwaggon für alle da - und Kinder sind halt Kinder.
2. Ich bitte die Eltern, für Ruhe zu sorgen.
3. Ich sage den Kindern, sie sollen Ruhe geben.

Mit dieser Meinung stehen Sie allein auf weiter Flur - nicht nur im Großraumwaggon.

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Das ist eine sehr klassische Situation. Viele Anwesende werden das Verhalten als zu laut empfinden, selbst für Kinder, die ja per se etwas lauter sind. Hier gilt es, zu sagen, was Sie denken. Damit unterstützen Sie auch die Eltern. Denn nur durch die Rückmeldung Dritter haben Kinder die Möglichkeit zu lernen, dass sie in manchen Situationen leiser sein müssen, als in anderen und dass dies nicht nur die Eltern von ihnen erwarten. Hier sollten Sie allerdings daran denken, dass die Eltern in einer stressigen Situation auf offener Bühne kritisiert werden."

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Es gibt heute unter Erziehungsberechtigten die Tendenz zu einem radikalen Fürsorge-Individualismus. Diese führt dazu, dass viele Eltern die soziale Erziehung durch die Gemeinschaft ignorieren und glauben, ihre Kinder dürften alles tun. Da es sich im Zug um einen öffentlichen Raum handelt, würde ich zuerst die anderen Reisenden fragen, ob auch sie sich gestört fühlen und dann - auch im Namen der anderen - um mehr Ruhe bitten."

nächste Situation

Das sehen die Experten ähnlich - und meinen, dass die Ansichten anderer manchmal wichtig für Kinder ist. Auch wenn Eltern das heute oft anders sehen.

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Es gibt heute unter Erziehungsberechtigten die Tendenz zu einem radikalen Fürsorge-Individualismus. Diese führt dazu, dass viele Eltern die soziale Erziehung durch die Gemeinschaft ignorieren und glauben, ihre Kinder dürften alles tun. Da es sich im Zug um einen öffentlichen Raum handelt, würde ich zuerst die anderen Reisenden fragen, ob auch sie sich gestört fühlen und dann - auch im Namen der anderen - um mehr Ruhe bitten."

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Das ist eine sehr klassische Situation. Viele Anwesende werden das Verhalten als zu laut empfinden, selbst für Kinder, die ja per se etwas lauter sind. Hier gilt es, zu sagen, was Sie denken. Damit unterstützen Sie auch die Eltern. Denn nur durch die Rückmeldung Dritter haben Kinder die Möglichkeit zu lernen, dass sie in manchen Situationen leiser sein müssen, als in anderen und dass dies nicht nur die Eltern von ihnen erwarten. Hier sollten Sie allerdings daran denken, dass die Eltern in einer stressigen Situation auf offener Bühne kritisiert werden."

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Das sehen die Experten ähnlich. Die Ansichten anderer seien in manchen Situationen wichtig für Kinder.

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Das ist eine sehr klassische Situation. Viele Anwesende werden das Verhalten als zu laut empfinden, selbst für Kinder, die ja per se etwas lauter sind. Hier gilt es, zu sagen, was Sie denken. Damit unterstützen Sie auch die Eltern. Denn nur durch die Rückmeldung Dritter haben Kinder die Möglichkeit zu lernen, dass sie in manchen Situationen leiser sein müssen, als in anderen und dass dies nicht nur die Eltern von ihnen erwarten. Hier sollten Sie allerdings daran denken, dass die Eltern in einer stressigen Situation auf offener Bühne kritisiert werden."

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Es gibt heute unter Erziehungsberechtigten die Tendenz zu einem radikalen Fürsorge-Individualismus. Diese führt dazu, dass viele Eltern die soziale Erziehung durch die Gemeinschaft ignorieren und glauben, ihre Kinder dürften alles tun. Da es sich im Zug um einen öffentlichen Raum handelt, würde ich zuerst die anderen Reisenden fragen, ob auch sie sich gestört fühlen und dann - auch im Namen der anderen - um mehr Ruhe bitten."

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Koffeinbrause zum Frühstück

Morgens im Park. In aller Seelenruhe liegen Sie im Gras. Da sehen Sie, wie unweit von Ihnen ein Vater mit seinem etwa vierjährigen Kind auf einer Bank Platz nimmt. Das Kind hat Hunger und Durst. Also holt der Vater eine Cola und eine Tüte Chips hervor. Freudestrahlend stopft das Kind sich eine Faust Chips in den Mund und spült den Snack mit einem tiefen Zug aus der Flasche hinunter.

Wie würden Sie reagieren?

1. Ich gehe hin und erkläre dem Vater, dass dies nicht die richtige Ernährung für ein Kind ist.
2. Ich nehme dem Kind Cola und Chips weg.
3. Ich halte mich raus. Könnte ja sein, dass dieses Frühstück eine Ausnahme ist. Zum Geburtstag oder als Belohnung für besonders gutes Benehmen. Und selbst wenn nicht, ein bisschen Junk-Food hat noch keinem geschadet.

Ihre Intuition ist richtig. Dennoch teilen die Experten Ihre Meinung nicht. Aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Bedenken Sie, wie verstörend es für ein Kind sein kann, wenn die Eltern in ihrer Autorität angegriffen werden. Sicher ist es gut, gezeigt zu bekommen, dass gesunde Ernährung wichtig ist. Aber nicht in dieser Situation. Allein deshalb schon, weil kein Außenstehender alle Zusammenhänge kennt: Vielleicht ernährt sich diese Familie ansonsten sehr gesund, hat aber für diesen Ausflug in den Park Chips und Cola vereinbart?"

Johanna Wack, Ernährungsberaterin: "Chips und Cola sind nicht ideal und sollten die Ausnahme bleiben. Wird täglich so gegessen, kann das zu Übergewicht, Karies, Gelenkproblemen oder Gicht führen. Es gibt sogar 14-Jährige, die aufgrund von zu zuckerhaltiger Ernährung an Altersdiabetes erkranken.

Ein Tipp, um Kindern den Zuckergehalt von Limonade zu vermitteln: Ein Liter Cola enthält rund 106 Gramm Zucker, ein Stück Würfelzucker wiegt etwa 2,5 Gramm. Das sind ungefähr 42 Stück Zucker pro Flasche. Stapelt man die neben einer Flasche Cola, beeindruckt das nicht nur Kinder."

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Das Verhalten ist nicht gerade vorbildlich, aber nach meinem Freiheitsverständnis würde ich sagen, dass wir dennoch nicht einschreiten sollten. Ich beziehe mich da auf den englischen Philosophen John Stuart Mill, der die Ansicht vertrat, dass unsere Freiheit so weit reicht, wie sie niemand anderen schädigt. Das Kind bekommt zwar etwas Ungesundes, wird aber nicht in einem gravierenden Sinn geschädigt."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Die Polizei würde hier nicht eingreifen. Das Kind ist nicht akut in seiner Gesundheit oder Entwicklung gefährdet. Auch anderen würde ich davon abraten mehr zu tun, als höflich darauf hinzuweisen, dass dieses Frühstück nicht sonderlich gesund ist. Wenn der Vater einen schlechten Tag hat oder sich bevormundet fühlt, kann so eine Situation leicht eskalieren. Und sollten Sie versuchen, dem Kind Chips oder Cola wegzunehmen, gilt das als Diebstahl. Oder sogar Raub, wenn das Kind sich wehrt."

nächste Situation

Von dieser Reaktion rät nicht nur der Kriminaldirektor dringend ab.

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Die Polizei würde hier nicht eingreifen. Das Kind ist nicht akut in seiner Gesundheit oder Entwicklung gefährdet. Auch anderen würde ich davon abraten mehr zu tun, als höflich darauf hinzuweisen, dass dieses Frühstück nicht sonderlich gesund ist. Wenn der Vater einen schlechten Tag hat oder sich bevormundet fühlt, kann so eine Situation leicht eskalieren. Und sollten Sie versuchen, dem Kind Chips oder Cola wegzunehmen, gilt das als Diebstahl. Oder sogar Raub, wenn das Kind sich wehrt."

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Bedenken Sie, wie verstörend es für ein Kind sein kann, wenn die Eltern in ihrer Autorität angegriffen werden. Sicher ist es gut, gezeigt zu bekommen, dass gesunde Ernährung wichtig ist. Aber nicht in dieser Situation. Allein deshalb schon, weil kein Außenstehender alle Zusammenhänge kennt: Vielleicht ernährt sich diese Familie ansonsten sehr gesund, hat aber für diesen Ausflug in den Park Chips und Cola vereinbart?"

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Das Verhalten ist nicht gerade vorbildlich, aber nach meinem Freiheitsverständnis würde ich sagen, dass wir dennoch nicht einschreiten sollten. Ich beziehe mich da auf den englischen Philosophen John Stuart Mill, der die Ansicht vertrat, dass unsere Freiheit so weit reicht, wie sie niemand anderen schädigt. Das Kind bekommt zwar etwas Ungesundes, wird aber nicht in einem gravierenden Sinn geschädigt."

Johanna Wack, Ernährungsberaterin: "Chips und Cola sind nicht ideal und sollten die Ausnahme bleiben. Wird täglich so gegessen, kann das zu Übergewicht, Karies, Gelenkproblemen oder Gicht führen. Es gibt sogar 14-Jährige, die aufgrund von zu zuckerhaltiger Ernährung an Altersdiabetes erkranken.

Ein Tipp, um Kindern den Zuckergehalt von Limonade zu vermitteln: Ein Liter Cola enthält rund 106 Gramm Zucker, ein Stück Würfelzucker wiegt etwa 2,5 Gramm. Das sind ungefähr 42 Stück Zucker pro Flasche. Stapelt man die neben einer Flasche Cola, beeindruckt das nicht nur Kinder."

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Sie werden es nicht glauben. Mit Ihrer Haltung liegen Sie sogar mit unserer Ernährungsexpertin weitgehend auf einer Linie.

Johanna Wack, Ernährungsberaterin: "Chips und Cola sind nicht ideal und sollten die Ausnahme bleiben. Wird täglich so gegessen, kann das zu Übergewicht, Karies, Gelenkproblemen oder Gicht führen. Es gibt sogar 14-Jährige, die aufgrund von zu zuckerhaltiger Ernährung an Altersdiabetes erkranken.

Ein Tipp, um Kindern den Zuckergehalt von Limonade zu vermitteln: Ein Liter Cola enthält rund 106 Gramm Zucker, ein Stück Würfelzucker wiegt etwa 2,5 Gramm. Das sind ungefähr 42 Stück Zucker pro Flasche. Stapelt man die neben einer Flasche Cola, beeindruckt das nicht nur Kinder."

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Bedenken Sie, wie verstörend es für ein Kind sein kann, wenn die Eltern in ihrer Autorität angegriffen werden. Sicher ist es gut, gezeigt zu bekommen, dass gesunde Ernährung wichtig ist. Aber nicht in dieser Situation. Allein deshalb schon, weil kein Außenstehender alle Zusammenhänge kennt: Vielleicht ernährt sich diese Familie ansonsten sehr gesund, hat aber für diesen Ausflug in den Park Chips und Cola vereinbart?"

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Die Polizei würde hier nicht eingreifen. Das Kind ist nicht akut in seiner Gesundheit oder Entwicklung gefährdet. Auch anderen würde ich davon abraten mehr zu tun, als höflich darauf hinzuweisen, dass dieses Frühstück nicht sonderlich gesund ist. Wenn der Vater einen schlechten Tag hat oder sich bevormundet fühlt, kann so eine Situation leicht eskalieren. Und sollten Sie versuchen, dem Kind Chips oder Cola wegzunehmen, gilt das als Diebstahl. Oder sogar Raub, wenn das Kind sich wehrt."

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Das Verhalten ist nicht gerade vorbildlich, aber nach meinem Freiheitsverständnis würde ich sagen, dass wir dennoch nicht einschreiten sollten. Ich beziehe mich da auf den englischen Philosophen John Stuart Mill, der die Ansicht vertrat, dass unsere Freiheit so weit reicht, wie sie niemand anderen schädigt. Das Kind bekommt zwar etwas Ungesundes, wird aber nicht in einem gravierenden Sinn geschädigt."

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Wenn zwei sich prügeln...

In einem Bekleidungsgeschäft balgen sich zwei Kinder. Ein paar Meter weiter steht ein Mann, er ist vermutlich der Vater und gerade tief in die Betrachtung von Pullovern versunken. Zuerst ist die Auseinandersetzung harmlos. Doch dann schlägt das eine Kind dem anderen ins Gesicht. Sie erkennen, dass die Situation vermutlich gleich eskalieren wird.

Wie würden Sie reagieren?

1. Wenn zwei Leute sich prügeln, gehe ich natürlich dazwischen.
2. Ich lasse sie machen. Kinder balgen sich eben manchmal.
3. Ich sage dem Vater, er soll besser auf seine Kinder achtgeben.

Das ist für einen unserer Experten nicht so selbstverständlich. Für den anderen umso mehr.

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Wenn der Vater in der Nähe und greifbar ist, ist es hier nicht zulässig, in die Rangelei einugreifen. Da das Schadensrisiko überschaubar ist, würde man hier in die Rechte des Vaters eingreifen. Ist allerdings kein Erziehungsberechtigter in der Nähe oder nicht auszumachen, gilt es einzugreifen. Freiheitsphilosoph John Stuart Mill würde in diesem Fall aber fordern, eine Warnung vorrauszuschicken."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Wenn der Vater die gegenseitigen Körperverletzungen - und nichts anderes ist es rechtlich - seiner Kinder nicht unterbindet, macht er sich selbst der "Körperverletzung durch Unterlassen" schuldig. Als verantwortlicher Elternteil hat er die sogenannte Garantenpflicht, diese zu unterbinden. Idealtypisch könnte man in einer solchen Situation zunächst den Vater auffordern, das Verhalten seiner Kinder zu unterbinden. Wenn er es nicht tut, können Sie selbst dazwischengehen. Wehrt der Vater sich dagegen, rufen sie die Polizei hinzu. Die klärt ihn dann über seine Pflichten auf, erforderlichenfalls per Anzeige."

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Mit dieser Ansicht stehen Sie allein da.

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Wenn der Vater in der Nähe und greifbar ist, ist es hier nicht zulässig, in die Rangelei einugreifen. Da das Schadensrisiko überschaubar ist, würde man hier in die Rechte des Vaters eingreifen. Ist allerdings kein Erziehungsberechtigter in der Nähe oder nicht auszumachen, gilt es einzugreifen. Freiheitsphilosoph John Stuart Mill würde in diesem Fall aber fordern, eine Warnung vorrauszuschicken."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Wenn der Vater die gegenseitigen Körperverletzungen - und nichts anderes ist es rechtlich - seiner Kinder nicht unterbindet, macht er sich selbst der "Körperverletzung durch Unterlassen" schuldig. Als verantwortlicher Elternteil hat er die sogenannte Garantenpflicht, diese zu unterbinden. Idealtypisch könnte man in einer solchen Situation zunächst den Vater auffordern, das Verhalten seiner Kinder zu unterbinden. Wenn er es nicht tut, können Sie selbst dazwischengehen. Wehrt der Vater sich dagegen, rufen sie die Polizei hinzu. Die klärt ihn dann über seine Pflichten auf, erforderlichenfalls per Anzeige."

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Damit liegen Sie auf der Linie unseres Philosophie-Experten.

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Wenn der Vater in der Nähe und greifbar ist, ist es hier nicht zulässig, in die Rangelei einugreifen. Da das Schadensrisiko überschaubar ist, würde man hier in die Rechte des Vaters eingreifen. Ist allerdings kein Erziehungsberechtigter in der Nähe oder nicht auszumachen, gilt es einzugreifen. Freiheitsphilosoph John Stuart Mill würde in diesem Fall aber fordern, eine Warnung vorrauszuschicken."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Wenn der Vater die gegenseitigen Körperverletzungen - und nichts anderes ist es rechtlich - seiner Kinder nicht unterbindet, macht er sich selbst der "Körperverletzung durch Unterlassen" schuldig. Als verantwortlicher Elternteil hat er die sogenannte Garantenpflicht, diese zu unterbinden. Idealtypisch könnte man in einer solchen Situation zunächst den Vater auffordern, das Verhalten seiner Kinder zu unterbinden. Wenn er es nicht tut, können Sie selbst dazwischengehen. Wehrt der Vater sich dagegen, rufen sie die Polizei hinzu. Die klärt ihn dann über seine Pflichten auf, erforderlichenfalls per Anzeige."

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Verängstigt im Filmsaal

Im Kino. Der Film ist ab zwölf, aber die gefräßigen Dinosaurier auf der Leinwand lassen auch manchen Erwachsenen zusammenzucken. Neben Ihnen sitzt ein Elternpaar mit Kind, das zwölf sein könnte, vielleicht aber auch jünger und den Film ganz offensichtlich ziemlich unheimlich findet. Es hält sich die Augen zu, schreit auf, rutscht immer tiefer in den Sitz. Die Eltern sagen nur, es soll sich nicht so anstellen, ist doch nur ein Film.

Wie würden Sie reagieren?

1. Ich frage das Kind, ob alles okay ist und biete ihm an, gemeinsam rauszugehen.
2. Ich sage dem Kind, dass sein Geschrei nervt.
3. Ich setze mich um und genieße den Film. Das soll die Familie unter sich ausmachen.
4. Ich sage den Eltern, dass dieser Film offensichtlich nichts für ihr verängstigtes Kind ist und sie vielleicht besser mit ihm rausgehen sollten.

Auch wenn diese Antwort im ersten Moment richtig wirkt und zwei Experten Ihre Meinung weitgehend teilen, hat unsere Erziehungsexpertin einen einleuchtenden Einwand.

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Was würden Sie sagen, wenn im dunklen Kino ein fremder Mann auf Sie zukommt und sagt: Ich gehe mit Ihrem Kind raus?

Sie merken: In einem so lauten, vollen, spärlich beleuchteten Raum sind die Handlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Sie wissen außerdem nicht, wie das Kind ins Kino kam. Wollte das Paar in den Film und hat keinen Babysitter gefunden? Vielleicht freut sich das Kind aber auch schon lange auf den Film und die Eltern haben nachgegeben, mitzukommen. An den Reaktionen des Kindes lässt sich das kaum ablesen. Die sind in einer solchen Situation ganz anders, als die der meisten Erwachsenen: Kinder reagieren viel impulsiver und lassen ihren Gefühlen oft unmittelbar freien Lauf.

Wenn Sie also beobachten, das Kind ist auf sich gestellt und die Eltern nehmen es gar nicht wahr, könnten Sie dem Kind die Hand auf den Arm legen und ihm damit signalisieren: Es kümmert sich jemand. Gleichzeitig wäre es gut, die Eltern auf die Situation aufmerksam zu machen."

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Diese Situation ist ein wenig wie die mit dem Kind auf der Mauer, nur dass die Verletzung hier auf psychischer Ebene stattfindet. Hier besteht eine moralische Pflicht, die Situation für das Kind auch notfalls gegen den Willen der Eltern zu verbessern. Denn das Unglück ist hier schon eingetreten, das Kind fürchtet sich und macht möglicherweise eine traumatische Erfahrung."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Auch unter zwölf Jahren dürfen Kinder gemeinsam mit ihren Eltern in Filme ab 12 gehen. Rechtlich ist das also okay. Trotzdem können Sie natürlich die Eltern ansprechen und anbieten, mit dem Kind draußen zu warten. Wenn die Eltern dies ablehnen, können Sie allerdings nichts machen."

nächste Situation

Auf diese Antwort ist keiner unserer Experten gekommen.

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Diese Situation ist ein wenig wie die mit dem Kind auf der Mauer, nur dass die Verletzung hier auf psychischer Ebene stattfindet. Hier besteht eine moralische Pflicht, die Situation für das Kind auch notfalls gegen den Willen der Eltern zu verbessern. Denn das Unglück ist hier schon eingetreten, das Kind fürchtet sich und macht möglicherweise eine traumatische Erfahrung."

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Was würden Sie sagen, wenn im dunklen Kino ein fremder Mann auf Sie zukommt und sagt: Ich gehe mit Ihrem Kind raus?

Sie merken: In einem so lauten, vollen, spärlich beleuchteten Raum sind die Handlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Sie wissen außerdem nicht, wie das Kind ins Kino kam. Wollte das Paar in den Film und hat keinen Babysitter gefunden? Vielleicht freut sich das Kind aber auch schon lange auf den Film und die Eltern haben nachgegeben, mitzukommen. An den Reaktionen des Kindes lässt sich das kaum ablesen. Die sind in einer solchen Situation ganz anders, als die der meisten Erwachsenen: Kinder reagieren viel impulsiver und lassen ihren Gefühlen oft unmittelbar freien Lauf.

Wenn Sie also beobachten, das Kind ist auf sich gestellt und die Eltern nehmen es gar nicht wahr, könnten Sie dem Kind die Hand auf den Arm legen und ihm damit signalisieren: Es kümmert sich jemand. Gleichzeitig wäre es gut, die Eltern auf die Situation aufmerksam zu machen."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Auch unter zwölf Jahren dürfen Kinder gemeinsam mit ihren Eltern in Filme ab 12 gehen. Rechtlich ist das also okay. Trotzdem können Sie natürlich die Eltern ansprechen und anbieten, mit dem Kind draußen zu warten. Wenn die Eltern dies ablehnen, können Sie allerdings nichts machen."

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Unser Philosophie-Experte meint, dass Sie damit Ihre moralische Pflicht verletzen. Die anderen sehen das gelassener.

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Auch unter zwölf Jahren dürfen Kinder gemeinsam mit ihren Eltern in Filme ab 12 gehen. Rechtlich ist das also okay. Trotzdem können Sie natürlich die Eltern ansprechen und anbieten, mit dem Kind draußen zu warten. Wenn die Eltern dies ablehnen, können Sie allerdings nichts machen."

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Diese Situation ist ein wenig wie die mit dem Kind auf der Mauer, nur dass die Verletzung hier auf psychischer Ebene stattfindet. Hier besteht eine moralische Pflicht, die Situation für das Kind auch notfalls gegen den Willen der Eltern zu verbessern. Denn das Unglück ist hier schon eingetreten, das Kind fürchtet sich und macht möglicherweise eine traumatische Erfahrung."

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Was würden Sie sagen, wenn im dunklen Kino ein fremder Mann auf Sie zukommt und sagt: Ich gehe mit Ihrem Kind raus?

Sie merken: In einem so lauten, vollen, spärlich beleuchteten Raum sind die Handlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Sie wissen außerdem nicht, wie das Kind ins Kino kam. Wollte das Paar in den Film und hat keinen Babysitter gefunden? Vielleicht freut sich das Kind aber auch schon lange auf den Film und die Eltern haben nachgegeben, mitzukommen. An den Reaktionen des Kindes lässt sich das kaum ablesen. Die sind in einer solchen Situation ganz anders, als die der meisten Erwachsenen: Kinder reagieren viel impulsiver und lassen ihren Gefühlen oft unmittelbar freien Lauf.

Wenn Sie also beobachten, das Kind ist auf sich gestellt und die Eltern nehmen es gar nicht wahr, könnten Sie dem Kind die Hand auf den Arm legen und ihm damit signalisieren: Es kümmert sich jemand. Gleichzeitig wäre es gut, die Eltern auf die Situation aufmerksam zu machen."

nächste Situation

Die Meinungen sind da gespalten. Während unser Philosophie-Experte Ihnen da sicher zustimmen würde, meint unsere Erziehungsexpertin, dass Sie dem Kind damit nicht unbedingt einen Gefallen tun.

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Was würden Sie sagen, wenn im dunklen Kino ein fremder Mann auf Sie zukommt und sagt: Ich gehe mit Ihrem Kind raus?

Sie merken: In einem so lauten, vollen, spärlich beleuchteten Raum sind die Handlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Sie wissen außerdem nicht, wie das Kind ins Kino kam. Wollte das Paar in den Film und hat keinen Babysitter gefunden? Vielleicht freut sich das Kind aber auch schon lange auf den Film und die Eltern haben nachgegeben, mitzukommen. An den Reaktionen des Kindes lässt sich das kaum ablesen. Die sind in einer solchen Situation ganz anders, als die der meisten Erwachsenen: Kinder reagieren viel impulsiver und lassen ihren Gefühlen oft unmittelbar freien Lauf.

Wenn Sie also beobachten, das Kind ist auf sich gestellt und die Eltern nehmen es gar nicht wahr, könnten Sie dem Kind die Hand auf den Arm legen und ihm damit signalisieren: Es kümmert sich jemand. Gleichzeitig wäre es gut, die Eltern auf die Situation aufmerksam zu machen."

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "Diese Situation ist ein wenig wie die mit dem Kind auf der Mauer, nur dass die Verletzung hier auf psychischer Ebene stattfindet. Hier besteht eine moralische Pflicht, die Situation für das Kind auch notfalls gegen den Willen der Eltern zu verbessern. Denn das Unglück ist hier schon eingetreten, das Kind fürchtet sich und macht möglicherweise eine traumatische Erfahrung."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Auch unter zwölf Jahren dürfen Kinder gemeinsam mit ihren Eltern in Filme ab 12 gehen. Rechtlich ist das also okay. Trotzdem können Sie natürlich die Eltern ansprechen und anbieten, mit dem Kind draußen zu warten. Wenn die Eltern dies ablehnen, können Sie allerdings nichts machen."

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Von allen Eltern verlassen

Samstag in der vollen Innenstadt. Vor einem Geschäft steht ein Kinderwagen, das Baby liegt drinnen und schläft. Von den Eltern fehlt jede Spur.

Wie würden Sie reagieren?

1. Ich würde die Polizei rufen.
2. Ich würde bei dem Wagen warten, bis die Eltern wieder da sind und Ihnen erklären, dass man ein Baby nicht so einfach allein lassen kann.
3. Ich schiebe den Wagen ein paar Meter weiter. Das wird den Eltern einen gehörigen Schrecken einjagen, sodass sie ihr Kind sicher nicht so schnell noch mal allein lassen.
4. Ich gehe weiter. Werden schon sehen, was sie davon haben.

Die Experten haben da etwas pragmatischere Vorschläge.

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "In dieser Situation ist das Baby ähnlich hilflos wie ein Verletzter am Boden. Moralisch gesehen besteht deshalb das Gebot zur Hilfeleistung, auch wenn unklar ist, warum das Baby verlassen wurde. Ich würde eine Weile warten, ob die Eltern zurückkommen, und wenn sie nicht auftauchen, die Polizei anrufen."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Rechtlich ist es in dieser Situation erlaubt, weiterzugehen. Besser wäre es, wenn Sie versuchen, die Eltern ausfindig zu machen oder das Verkaufspersonal einschalten. Das Kind wegzuschieben ist keine gute Idee: Hier droht Verdacht auf Kindesentführung."

nächste Situation

Damit liegen Sie auf einer Linie mit unserem Philosophie-Experten - auch wenn die Gesetzgebung das lockerer handhabt.

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "In dieser Situation ist das Baby ähnlich hilflos wie ein Verletzter am Boden. Moralisch gesehen besteht deshalb das Gebot zur Hilfeleistung, auch wenn unklar ist, warum das Baby verlassen wurde. Ich würde eine Weile warten, ob die Eltern zurückkommen, und wenn sie nicht auftauchen, die Polizei anrufen."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Rechtlich ist es in dieser Situation erlaubt, weiterzugehen. Besser wäre es, wenn Sie versuchen, die Eltern ausfindig zu machen oder das Verkaufspersonal einschalten. Das Kind wegzuschieben ist keine gute Idee: Hier droht Verdacht auf Kindesentführung."

nächste Situation

Straftatalarm! Unser Rechtsexperte rät zur Vorsicht.

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Rechtlich ist es in dieser Situation erlaubt, weiterzugehen. Besser wäre es, wenn Sie versuchen, die Eltern ausfindig zu machen oder das Verkaufspersonal einschalten. Das Kind wegzuschieben ist keine gute Idee: Hier droht Verdacht auf Kindesentführung."

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "In dieser Situation ist das Baby ähnlich hilflos wie ein Verletzter am Boden. Moralisch gesehen besteht deshalb das Gebot zur Hilfeleistung, auch wenn unklar ist, warum das Baby verlassen wurde. Ich würde eine Weile warten, ob die Eltern zurückkommen, und wenn sie nicht auftauchen, die Polizei anrufen."

nächste Situation

Mit dieser Ansicht haben Sie zwar das Gesetz auf Ihrer Seite. Aber reicht das?

Ludger Heidbrink, Philosophie-Professor: "In dieser Situation ist das Baby ähnlich hilflos wie ein Verletzter am Boden. Moralisch gesehen besteht deshalb das Gebot zur Hilfeleistung, auch wenn unklar ist, warum das Baby verlassen wurde. Ich würde eine Weile warten, ob die Eltern zurückkommen, und wenn sie nicht auftauchen, die Polizei anrufen."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Rechtlich ist es in dieser Situation erlaubt, weiterzugehen. Besser wäre es, wenn Sie versuchen, die Eltern ausfindig zu machen oder das Verkaufspersonal einschalten. Das Kind wegzuschieben ist keine gute Idee: Hier droht Verdacht auf Kindesentführung."

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Konzert mit Kleinkind

Ganz schön laut auf dem Konzert. Einige Leute haben sogar Stöpsel in den Ohren. Erst können Sie es im Halbdunkel nicht richtig erkennen, aber vor Ihnen hat eine Frau ein Baby auf dem Arm.

Wie würden Sie reagieren?

1. Ich sage ihr, dass so ein Konzertbesuch zu schweren Hörschäden beim Kind führen kann.
2. Ich frage sie, ob sie noch ganz dicht ist und navigiere die beiden zum Ausgang.
3. Ich tue gar nichts. Wird schon sehen, was sie davon hat.

Da geben Ihnen die Experten Recht. Alle - außer dem Arzt.

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Hier sollten Sie in die Situation eingreifen, denn sie ist gesundheitsgefährdend für das Kind. Und es ist noch so klein, dass es nicht mitkriegt, wenn Sie die Mutter ansprechen und ihr Verhalten kritisieren. Fragen Sie sie: Warum hat der Veranstalter Sie mit Baby ins Konzert gelassen? Das ist doch verboten, oder? Machen Sie außerdem den Veranstalter aufmerksam."

Daniel Stamm, Kinderarzt: "Laute Geräusche können erwiesenermaßen zur Hörminderung führen. Dabei ist Lärm für Kinderohren aber nicht gefährlicher, als für die von Erwachsenen. Relevant dagegen ist die Häufigkeit der Lärmbelastung. Wenn das Kind also fünf Mal in der Woche laute Rockkonzerte besuchen würde, wäre das Hörvermögen in Gefahr. Bei einem einmaligen Ereignis ist ein akuter Schaden nicht zu befürchten. Unbeachtet dieser Tatsache bleibt natürlich die Frage, ob ein nächtliches Rockkonzert die richtige Umgebung für ein Baby ist?"

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Oft ist es nicht erlaubt, Kinder unter sieben Jahren in solche Lokalitäten mitzunehmen. Also hat hier möglicherweise ein Kontrollmechanismus versagt. Wenn allerdings Ordnungspersonal und Veranstalter hinzugezogen werden und sagen, dass das okay ist, können Sie nur noch die Polizei rufen, um den Sachverhalt prüfen zu lassen."

noch einmal

Bei der Vorgehensweise würden die Experten Ihnen wohl widersprechen. Aber mit Ihrer Ansicht, dass ein Konzert nicht der richtige Ort für ein Baby ist, stimmen sie alle überein.

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Hier sollten Sie in die Situation eingreifen, denn sie ist gesundheitsgefährdend für das Kind. Und es ist noch so klein, dass es nicht mitkriegt, wenn Sie die Mutter ansprechen und ihr Verhalten kritisieren. Fragen Sie sie: Warum hat der Veranstalter Sie mit Baby ins Konzert gelassen? Das ist doch verboten, oder? Machen Sie außerdem den Veranstalter aufmerksam."

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Oft ist es nicht erlaubt, Kinder unter sieben Jahren in solche Lokalitäten mitzunehmen. Also hat hier möglicherweise ein Kontrollmechanismus versagt. Wenn allerdings Ordnungspersonal und Veranstalter hinzugezogen werden und sagen, dass das okay ist, können Sie nur noch die Polizei rufen, um den Sachverhalt prüfen zu lassen."

Daniel Stamm, Kinderarzt: "Laute Geräusche können erwiesenermaßen zur Hörminderung führen. Dabei ist Lärm für Kinderohren aber nicht gefährlicher, als für die von Erwachsenen. Relevant dagegen ist die Häufigkeit der Lärmbelastung. Wenn das Kind also fünf Mal in der Woche laute Rockkonzerte besuchen würde, wäre das Hörvermögen in Gefahr. Bei einem einmaligen Ereignis ist ein akuter Schaden nicht zu befürchten. Unbeachtet dieser Tatsache bleibt natürlich die Frage, ob ein nächtliches Rockkonzert die richtige Umgebung für ein Baby ist?"

noch einmal

Tatsächlich können Sie das relativ ruhigen Gewissens tun - sagt zumindest der Kinderarzt.

Andreas Mayer, Kriminaldirektor: "Oft ist es nicht erlaubt, Kinder unter sieben Jahren in solche Lokalitäten mitzunehmen. Also hat hier möglicherweise ein Kontrollmechanismus versagt. Wenn allerdings Ordnungspersonal und Veranstalter hinzugezogen werden und sagen, dass das okay ist, können Sie nur noch die Polizei rufen, um den Sachverhalt prüfen zu lassen."

Ina Wirtz-Pigorsch, Pädagogin: "Hier sollten Sie in die Situation eingreifen, denn sie ist gesundheitsgefährdend für das Kind. Und es ist noch so klein, dass es nicht mitkriegt, wenn Sie die Mutter ansprechen und ihr Verhalten kritisieren. Fragen Sie sie: Warum hat der Veranstalter Sie mit Baby ins Konzert gelassen? Das ist doch verboten, oder? Machen Sie außerdem den Veranstalter aufmerksam."

Daniel Stamm, Kinderarzt: "Laute Geräusche können erwiesenermaßen zur Hörminderung führen. Dabei ist Lärm für Kinderohren aber nicht gefährlicher, als für die von Erwachsenen. Relevant dagegen ist die Häufigkeit der Lärmbelastung. Wenn das Kind also fünf Mal in der Woche laute Rockkonzerte besuchen würde, wäre das Hörvermögen in Gefahr. Bei einem einmaligen Ereignis ist ein akuter Schaden nicht zu befürchten. Unbeachtet dieser Tatsache bleibt natürlich die Frage, ob ein nächtliches Rockkonzert die richtige Umgebung für ein Baby ist?"

noch einmal
Die Experten

ProPK
Recht: Andreas Mayer, Kriminaldirektor und Geschäftsführer der Zentralen Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Ina Wirtz-Pigorsch
Erziehung: Ina Wirtz-Pigorsch, Sprecherin Erziehung und Bildung des Bundesverbandes Deutscher Diplom-Pädagogen

Daniel Stamm
Gesundheit: Daniel Stamm, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin an der Prof.-Hess-Kinderklinik in Bremen

Peter Vogel
Ernährung: Ökotrophologin Johanna Wack, Ernährungsberaterin und -Therapeutin

Barbora
Philosophie: Ludger Heidbrink, Professor für Praktische Philosophie an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel

Liebe Leser, kennen Sie auch Situationen, in denen Sie unsicher sind, wie Sie reagieren sollen? Im Taxi, im Fahrstuhl mit dem Chef, beim Streit mit dem Nachbarn? Schicken Sie uns Ihre Frage an undwasjetzt@spiegel.de



insgesamt 96 Beiträge
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felisconcolor 21.10.2015
1. einige Szenen?
öhm ich sehe nur eine. Und ansonsten schlimmer sind diese Eltern die meinen ihre Blagen müssten sich immer und überall frei entfalten können. Da falte ich dann zurück, aber die Eltern. Und ja ich habe auch schon mal ein fremdes Kind ins Achtung gestellt. Denn seine Freiheit hört dort auf wo meine Freiheit betroffen ist. Interessanterweise gabs von der Mutter ein Danke. Gern geschehen
Reza Rosenbaum 21.10.2015
2. Auswahl etwas merkwuerdig
In manchen Faellen kann man nicht auswaehlen, was die Experten raten. Zum Beispiel waere es beim Baby vorm Geschaeft doch wohl das Einfachste, ins Geschaeft zu gehen und, je nach Groesse des Geschaefts, selbst nach den Eltern zu fahnden oder sie per Verkaufspersonal ausrufen zu lassen, wenn man sich Sorgen um das Kind macht. Man wird wohl kaum draussen warten, bis die Eltern ihren Einkaufsbummel beendet haben, oder? Das koennte ja nunmal Stunden dauern. Und genau so ein Vorgehen wird dann ja auch empfohlen, ist aber nicht als Auswahlmoeglichkeit vorhanden. Das ist schon etwas merkwuerdig... Ansonsten ist es interessant zu sehen, dass die empfohlenen Handlungsansaetze in Deutschland so recht angemessen erscheinen, in anderen Laendern aber das Entsetzen der Eltern oder sogar die Polizei auf den Plan rufen koennten. Versuchen Sie mal, in den USA, ein Kind, das auf einer Mauer balanciert, von der Mauer zu holen. Geschieht das gegen den Willen des Kindes und der Eltern, ist das leicht mal "assault and battery." :-)
wo_st 21.10.2015
3.
In der heutigen Zeit ein brüllendes Kind auch nur eine Aufmerksamkeit zu widmen, ist zu gefährlich. Die "normalen" Kinder brüllen, ob sie schmerzen haben, Süßigkeiten oder Getränk haben wollen, etc. Also warum darum auch kümmern? Reine Zeitverschwendung.
SabinaPauen 21.10.2015
4. Experte?
Ich habe mich gefragt, warum hier alle möglichen Berufsgruppen unter den Experten vertreten sind, außer Kinderspsychologen. Die sollte man doch unbedingt auch zu Worte kommen lassen, oder?
H.Schirmer 21.10.2015
5. Rechtschreibung
Sinnentstellender Rechtschreibfehler in der Film-Frage: "4. Ich sage den Eltern, dass dieser Film offensichtlich nichts für ihr verängstigtes Kind ist und sie vielleicht besser mit ihm rausgehen sollten." - "Sie", nicht "sie", denn die möglichen Antworten lassen erkennen, dass der Leser gemeint ist, nicht die Eltern.
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